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Kultur
03/22/2021

Die Kulturhauptstadt als Original Bad Ischler Politikum

Trenklers Tratsch: Stephan Rabl, Intendant der Kulturhauptstadt 2024, wurde desavouiert. Am Freitag entscheidet sich seine Zukunft.

von Thomas Trenkler

Der steirischen „Regionale“, einem vazierenden Festival, war kein langes Leben beschieden. Das Original hingegen, Anfang der 1990er Jahre in Oberösterreich gegründet und „Festival der Regionen“ genannt, gibt es weiterhin. Heuer, ab 25. Juni, soll es in und um Bad Ischl stattfinden.

Airan Berg, einst Direktor des Schauspielhauses in Wien (zusammen mit Barrie Kosky) und danach im Leitungsteam von Linz 2009, wählte die Region aus einem guten Grund: Im November 2019 bekam die Stadtgemeinde Bad Ischl im Verbund mit 22 weiteren Gemeinden im Salzkammergut den Zuschlag für den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2024“ – neben Bodo (in Norwegen) und Tartu (in Estland).

Berg will mit dem „Festival der Regionen“, das laut Eigendarstellung „alle zwei Jahre außerhalb der städtischen Ballungsräume und kulturellen Zentren“ stattfindet, schon jetzt den Boden aufbereiten. Als unterstützende Maßnahme. Zumal das Festival prinzipiell auf den Dialog mit der ansässigen Bevölkerung abzielt. Und das war ja auch ein wichtiger Grund für die EU-Jury gewesen: Weil das Projekt Bad Ischl „bottom up“ entwickelt wurde – im Gegensatz etwa zur Landeshauptstadt St. Pölten, wo die Bewerbung mehr oder weniger von oben verordnet worden war („top down“).

Die Verantwortlichen der neuen Kulturhauptstadt agieren allem Anschein nach aber ohne große Weitsicht. Und ohne Gefühl dafür, dass die Zeit nur so davonrennt.

 

Erst im Oktober 2020 wurde mit Manuela Reichert und Stephan Rabl die kaufmännische beziehungsweise künstlerische Geschäftsführung ernannt. Reichert hatte knapp 18 Jahre lang den Kulturpark Traun geleitet. Und Rabl war unter anderem erster Direktor des Dschungels Wien, eines Theaterhauses für junges Publikum, sowie Gründer des „Szene Bunte Wähne“-Festivals, das nun „Szene Waldviertel“ heißt.

Von Leuchtturmprojekten (wie bei Graz 2003 die „Murinsel“ und das Kunsthaus) oder programmatischen Leitlinien hat man bisher nichts vernommen. Verlautbart wurde lediglich eine Umbenennung, über die man bloß staunen kann: aus der Europäischen Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024, unsexy abgekürzt zu SKGT24, wurde – auf Basis der nicht wirklich nachvollziehbaren Argumentation, dass die Kulturhauptstadt erstmals „im inneralpinen Raum“ stattfinden werde – „die Originale 2024“.

Hannes Heide, der Vorsitzende des Aufsichtsrats, dürfte zuletzt aber Zweifel an der generellen Strategie gehegt und daher personelle Konsequenzen in Betracht gezogen haben. Sprich: Er kann sich eine einvernehmliche Trennung von Stephan Rabl vorstellen. Natürlich nur, wenn kein Schaden entsteht – weder für das Projekt, noch für den Intendanten. Doch der Schaden ist bereits entstanden, der Intendant desavouiert. Und nun wurde die Sache auch zum Politikum.

Heide war zwölf Jahre lang Bürgermeister von Bad Ischl. Ende 2019 wechselte der SPÖ-Politiker ins EU-Parlament, seine Lebensgefährtin Ines Schiller wurde zur Nachfolgerin gewählt. Zur Ehrenrettung Rabls traten sogleich die ÖVP-Bürgermeister von Gmunden, Scharnstein und Vorchdorf an: Stefan Krapf (Heides Stellvertreter im Aufsichtsrat), Rudolf Raffelsberger und Gunter Schimpl lobten die Zusammenarbeit mit dem Intendanten ausdrücklich.

Am Montag kam es allerdings zu einem Sinneswandel bei der ÖVP. Krapf meinte gegenüber dem ORF Oberösterreich, dass der künstlerische Leiter wohl gehen müsse: „Man wird um diese Personalentscheidung nicht herumkommen.“ Die nächste Aufsichtsratssitzung findet am Freitag statt. Rabl will sich bis dahin nicht äußern.

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