Grafenegg

© Grafenegg

Kritik
08/17/2013

Die Erfolgsgeschichte geht musikalisch munter weiter

Das Musikfestival Grafenegg startete mit Gustav Mahlers dritter Symphonie in die siebente Saison.

von Peter Jarolin

Gab es eigentlich wirklich eine Zeit, in der es Grafenegg nicht gab? Diese Frage stellten sich wohl viele Besucher zum Auftakt der siebenten Auflage des von Starpianist Rudolf Buchbinder geleiteten Musikfestivals. Denn innerhalb dieser kurzen Zeit ist Grafenegg zu einem der wohl auch international bedeutendsten Klassik-Festivals aufgestiegen. Die besten Orchester, die wichtigsten Dirigenten und Solisten folgen alljährlich Buchbinders Einladung und sorgen für Sternstunden. Und das Publikum weiß all das zu schätzen.

Heimrecht in Grafenegg aber hat das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich, das auch für die Eröffnung der musikalischen Festspiele zuständig ist und dabei auch Risiken eingeht. Denn es ist keineswegs selbstverständlich, dass Gustav Mahlers monumental-ausufernde, extrem anspruchsvolle dritte Symphonie für veritable Begeisterungsstürme sorgt.

Malerischer Mahler

Doch Chefdirigent Andrés Orozco-Estrada und die Tonkünstler boten vor der malerischen Kulisse des Wolkenturms – gut, es wurde am Ende ein wenig kühl – einen äußerst hörenswerten Mahler. Gigantisch die „erste Abteilung“, bei der Orozco-Estrada auf ein Höchstmaß an Transparenz setzte. Der kolumbianische Maestro schlüsselte Mahlers Werk souverän auf, kostete alle melodischen Brüche und Klippen gut aus.

Schwere Kost also für ein bewusst gefordertes Publikum, das sich nach einer (von Mahler gewünschten) Pause im zweiten Teil über vokale Glanzleistungen freuen durfte. Denn viel schöner und besser als Elisabeth Kulman kann man „Zarathustras Mitternachtslied“ (Text: Friedrich Nietzsche) nicht singen – was für eine vollendete, betörend feinsinnige Interpretation der Altistin!

Dass auch die Damen des Wiener Singvereins (Einstudierung: Johannes Prinz) sowie die Wiener Sängerknaben (Leitung: Gerald Wirth) „ihren“ Mahler souverän realisierten, versteht sich fast von selbst. Und auch wenn sich Orozco-Estrada manchmal in den Tempi vergaloppierte – die Leistung von Dirigent und Orchester war großartig und einer Eröffnung in Grafenegg mehr als würdig. Tolle Musiker-Einzelleistungen (Trompete!) inklusive.

Vor Mahler kam der australische Komponist Brett Dean zu Wort. Dean ist heuer Composer in Residence; sein im Jahr 2000 uraufgeführtes, kurzes Stück „Amphitheatre“ ist von Michael Endes Roman „Momo“ inspiriert, klug aufgebaut und eingängig. Im Lauf des Festivals wird Dean auch einige neue Werke präsentieren.

Klare Chefsache

Und Rudolf Buchbinder? Dieser darf sehr zufrieden sein. Als Pianist greift Buchbinder heute, Sonntag, erstmals ins Geschehen ein. Mit dem Royal Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Charles Dutoit interpretiert Buchbinder das Grieg-Klavierkonzert in a-Moll – man darf sich freuen. Auf Buchbinder und auf viele andere Erlebnisse. Denn ein Sommer ohne das Musikfestival Grafenegg ist längst undenkbar.

KURIER-Wertung: **** von *****

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