Kultur
12.06.2017

Die Beach Boys in Wien: Alle Hits und viel Spaß

Die Erfinder des Surf-Sounds spielten in der ausverkauften Stadthalle F 41 Songs

Mangelnde Ausdauer kann man den Beach Boys nicht vorwerfen: Als sie Montagabend zu ihrem Konzert in der Wiener Stadthalle F antraten, hatte die Band 41 Songs im Programm. Vor schlichter Kulisse mit ein paar Palmen und einem Videoschirm begann die Gruppe rund um das einzig verbliebene Gründungsmitglied, Sänger Mike Love, mit viel Tempo und Hits wie "Surfin' Safari" und "Little Honda".

Längst sind - nach dem Tod der Brüder Carl und Dennis Wilson, nach dem Love die Rechte auf den Bandnamen bekam - jüngere Musiker zu den Beach Boys dazugekommen. Länger dienend ist nur noch Keyboarder Bruce Johnston, der 1965 einstieg - als Ersatz für Hauptsongwriter Brian Wilson, der sich damals vom Tourleben und der Öffentlichkeit zurückgezogen hat und nur mehr im Studio arbeiten wollte.

Aber diese runderneuerte Formation hat keine Mühe, den typischen Beach-Boys-Surf-Sound so zu rekreieren, wie man ihn von den Platten aus den 60er-Jahren kennt. Denn sieben von acht Musikern spielen nicht nur ihr Instrument, sondern singen auch und bringen das Markenzeichen der Beach Boys, die vielstimmigen, hohen Chöre - zumindest für das Gros der Zeit - perfekt rüber. Bassist und Gitarrist übernehmen viele der Falsett-Gesänge, während die Stimme von Mike Love mitunter angestrengt und unsicher klingt, speziell wenn sie solo eingesetzt und nicht vom Chor unterstützt wird.

Überraschend dabei: Die schwierigeren Chorpassagen mit den komplexeren Harmonien gelingen oft besser als eingängigere. Ein Höhepunkt ist das Acapella-Stück „Their Hearts Were Full Of Spring“, die Coverversion eines Songs der Vokal-Truppe The Four Freshmen, die - wie Love erzählte - die Beach Boys maßgeblich beeinflusst hat.

Ebenfalls erstaunlich ist, wie viele Hits diese Band hatte. Melodien, die man zwar schon lange nicht mehr im Kopf hatte, trotzdem aber noch von A bis Z mitsingen kann, wenn sie angestimmt werden. Ein paar mehr davon hätten auch gut in den zweiten Teil der ersten Hälfte der Show gepasst. Da gab es ein paar Längen. Und ein bisschen zu viele Videos von Stränden und glücklichen Surfern oder Surferinnen.

Doch was vor der Pause fehlte, kam geballt danach: „Kokomo“, „Help Me Rhonda“, „Sloop John B“, „Barbara Ann“ und natürlich „Good Vibrations“. Und das Schöne daran: Zwar sehen die Beach Boys mit dem 76-Jährigen Love als Frontmann nicht mehr wirklich dynamisch aus. Aber zu hören war das nicht. Im Sound haben sie immer noch genug Drive, um ihr Publikum zweieinhalb Stunden lang gut zu unterhalten.

KURIER-Wertung: