Die BBC in London: Neuaufstellung durch die Politik

© REUTERS/PETER NICHOLLS

Großbritannien
05/13/2016

Die BBC wird von der Politik reformiert

Das könnte beispielgebend sein.

von Philipp Wilhelmer

Die Mutter aller öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wird reformiert. Großbritanniens Kulturminister, John Whittingdale, hat am Donnerstag den Parlamentariern die Pläne zum Umbau der BBC präsentiert. Demnach soll der Öffentlich-Rechtliche weniger mit den Privatsendern konkurrieren und der Rundfunkrat (der sogenannte "BBC Trust", entspricht etwa dem ORF-Stiftungsrat) wird abgeschafft. Künftig wird die BBC extern kontrolliert und der Medienbehörde Ofcom unterstellt sein. Dafür wird der Verantwortungsbereich der Geschäftsführung ausgeweitet. Ein Gutachter hatte dem 2007 eingeführten System bescheinigt, "fehlerhaft" zu sein: Kontrolle solle extern (also von der Medienbehörde) ausgeführt werden. Das Board soll in seiner Rolle gegenüber der jetzigen BBC-Geschäftsführung stark aufgewertet werden und etwa die strategischen Ziele des Rundfunkriesen selbst bestimmen können.

Sechs Mitglieder sollen der neuen Führung angehören, mehrheitlich sollen diese nicht von der Regierung bestimmt werden, um die Unabhängigkeit des Senders zu wahren.

Unverwechselbarer

Das Programm der BBC soll sich zudem deutlicher von dem der Privatsender abgrenzen, wie der Regierungsentwurf vorsieht. Unter dem Schlagwort "Unterscheidbarkeit" wird den BBC-Verantwortlichen nahegelegt, sich künftig weniger um quotenträchtige Unterhaltungssendungen wie "The Voice" zu kümmern und statt dessen jene Seher zu bedienen, die sonst zu kurz kämen. "Popularität soll nicht der ausschlaggebende Indikator für Erfolg sein", meint Kulturminister Whittingdale.

Kritiker werfen dem Konservativen vor, die BBC zerstören zu wollen. Die Torys halten den Sender für links und fühlen sich in der Berichterstattung schlecht behandelt. In einer Passage der Reformpläne wird deshalb extra betont, dass die BBC "impartial", also neutral berichten müsse.

Gehälter sind ebenfalls ein Thema im Reformprozess, der im Herbst abgeschlossen sein soll: Ab einer gewissen Schwelle (450.000 Pfund) müssen die Einkommen der BBC-Superstars offengelegt werden. Einer der teuersten (angeblich sogar DER teuerste) Star des Senders, "Top Gear"-Moderator Brian Evans, dürfte dazu neuen Debattenstoff liefern: Der Mann mit dem kolportierten BBC-Honorar von 2 Millionen Pfund meinte jüngst in einem Zeitungsinterview, er sei "überbezahlt": "Wir haben Jobs, für die andere Leute zahlen würden", meinte er lakonisch.

Reformdruck

Auch in Österreich steigt der Reformdruck auf die Medienpolitik: Die Privatsender fordern nach der Beinahe-Schließung von ServusTV eine Enquete, um den Medienmarkt neu aufzustellen. Aus Sicht der Privaten macht der ORF zu kommerzielles Programm und verdient zu viel Geld mit Werbung, wiewohl er die Rundfunkgebühren kassiere.

Eine ORF-Reform hatte der zurückgetretene Kanzler Werner Faymann im Jahr 2012 angekündigt, aber nie zuwege gebracht.

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