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Literatur
07/13/2019

"Die Astronautin": Science Fiction, bereit für die Kinoleinwand

Der Amerikaner S.K. Vaughn produziert spannende Bilder, der Text ist ihm nicht so wichtig.

von Peter Pisa

Das ist recht aufdringlich, wenn ein Buch so viel tut, um sich später auf der großen Leinwand gut zu machen.
Wer „Der Marsianer“ gesehen hat (übrigens ein Roman von Andy Weir), wird sich „Die Astronautin“ bestimmt gern im Kino anschauen. Matt Damon kämpfte auf dem roten Planeten ums Überleben, jetzt – besser: im Jahr 2045 – ist es eine Pilotin, Mary Knox, die ihr Forschungsraumschiff „Hawking 2“ in Griff kriegen muss.
Auf der Rückfahrt von einem  Jupitermond ist sie aus dem Koma erwacht und kennt sich nicht aus. War sie wegen einer unbekannten Krankheit in Tiefschlaf versetzt worden? Der freundliche Bordcomputer weiß genauso wenig wie sie.
Jedenfalls ist die gesamte Crew tot. In der Luft schweben Leichname, aus denen die Luft gesaugt und deren Blut gekocht wurde ...

Sehr schwarz

S.K. Vaughn ist das Pseudonym eines Hollywood-Drehbuchautors , und alles deutet auf Shane Kuhn - Foto oben - hin.
 „Die Astronautin“ war sein erster Versuch, Science Fiction zu schreiben.
Zwei lakonische Thriller mit einem Killer in der Hauptrolle, der über eine Personalagentur vermittelt wird. gibt es von Kuhn schon (im DuMont Verlag).
Kuhn kann spannende Bilder produzieren.  Der Text scheint ihm dabei nicht so sehr wichtig.
Zitat nach einer gefährlichen Druckveränderung:
„Fünfundneunzig Prozent Triebwerksdeck-Atmosphäre ablassen.“
„Ja“, antwortete die KI.
„Bereiten Sie meinen Außenbordanzug vor und kehren Sie zum Flugdeck zurück.“
Aber im Film wird es gewiss toll wirken, wenn ... wenn schwarze Augen in die Dunkelheit des Weltraums  starren?
Naja, vielleicht ist das nicht gar so ansehnlich.
Aber das jetzt: Ein  Leck im Rumpf muss im All repariert werden, und an den Rändern des Lochs sind menschliche Fleischfetzen und Knochensplitter festgefroren.
Wer hofft auf einen eisigen Finger in Großaufnahme.

 


S.K. Vaughn:
„Die Astronautin“
Übersetzt von
Thomas Bauer.
544 Seiten.
16,50 Euro.

KURIER-Wertung: *** und ein halber Stern