© Thomas Trenkler

Kultur
06/16/2021

Die Akademie kehrt zurück – in einen Prachtpalast am Schillerplatz

Die Sanierung des Theophil-Hansen-Baus kostete 70 Millionen Euro

von Thomas Trenkler

Noch herrscht reger Baustellenbetrieb, aber Ende Juni soll – nach dreieinhalbjährigen Arbeiten – das Hauptgebäude der Akademie der bildenden Künste fertig saniert sein. Bei einer Pressekonferenz in der Aula mit den Deckengemälden von Anselm Feuerbach ließ Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) seine Blicke über „wirkliche Highlights klassizistischer Architektur“ schweifen.

Der Blick von Rektor Johan F. Hartle, versiert in marxistischen Kunsttheorien, blieb hingegen am Relief über dem Fries hängen. Laut diesem ist das Gebäude Kaiser Leopold I., dem Gründer der Akademie, und Kaiser Franz Joseph I., dem Erbauer des Hauses, gewidmet. Für ihn passt das herrschaftsverherrlichende Bildprogramm nicht zu einer freien Uni.

Filzpantoffeln

Hartle meint zwar, dass es für die Akademie von großer strategischer Bedeutung sei, vom Ausweichquartier wieder ins Zentrum zurückzukehren. Aber er scheint nicht ganz glücklich mit der anstehenden Übersiedelung in die reich geschmückten, aufwendig restaurierten Hallen, Säle und Gänge. Man werde erst herausfinden müssen, wie man sich zu diesem Prachtpalast zu verhalten habe, sagte er mehrfach.

Denn allein schon die Wandmalereien – Restauratoren pinseln gerade Marmorierungen – sind kaum für einen Studienbetrieb geeignet. Die museale Aura verlange, sagt der Rektor, eigentlich Filzpantoffeln. Und noch ungeklärt ist, wie allfällige Vandalenakte – die Studierenden kleben ja z. B. gerne Plakate auf – unterbunden werden können.

 

Die Sanierung von 5.300 Quadratmetern Wand- und Deckenflächen, 8.200 Quadratmetern Holzböden und mehr als 600 Fenstern kostete rund 70 Millionen Euro. Im Anatomiesaal rekonstruierte man die Wandmalereien, zudem wurde der „Hof 2“ für ein Depot des Kupferstichkabinetts unterkellert. Die Besichtigung des Ateliers von Ex-Rektor Carl Pruscha im „Turm 1“ musste beim Rundgang unterbleiben: Es ist aufgrund eines massiven Wasserschadens devastiert.

Zwei Institute, darunter jenes für Konservierung und Restaurierung, bleiben vorläufig in der alten WU: Für sie will man einen Neubau samt Ausstellungsflächen errichten. Konkreter wurde Vizerektorin Celestine Kubelka allerdings nicht. Auch die Bibliothek wird nicht zur Gänze rückübersiedelt: Teile der Bestände sollen in einen mit anderen Universitäten gemeinsam geplanten Bücherspeicher kommen. Als wahrscheinliche Standorte wurden von BIG-Chef Hans-Peter Weiss die Siemensstraße oder das Arsenal genannt.

Neu benannt hat man die Ausstellungsräume – in Exhibit Eschenbachgasse, Exhibit Galerie, Exhibit Studio. Die Uni hat sich auch ein neues Corporate Design gegönnt: Sie schreibt sich nun „A...kademie“. Die Auslassungszeichen würden einen Reflexionsraum versinnbildlichen.

Ausschreibung

Erst auf Nachfrage gab Hartle bekannt, dass bereits seit Mai eine neue Leitung für die Gemäldegalerie – sie ist noch bis 22. August im Theatermuseum zu Gast – und das Kupferstichkabinett gesucht wird. Die Ausschreibungsfrist endet bereits morgen. Der Rektor rechnet mit einer Entscheidung im Herbst.

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