© Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Kultur
11/15/2021

Der Zweijahrhundertesänger: Placido Domingo betört als „Nabucco“

Der Tenor wurde in der Staatsoper gefeiert (Von Susanne Zobl).

An der Abendkasse prangt in roten Lettern „Ausverkauft“. Wie in alten, vor-pandemischen Zeiten! Diesen Zustand herzustellen, gelingt heute aber nur einem wie Placido Domingo. Der Jahrhundertsänger, genau genommen müsste man nach 60 Jahren auf der Bühne und mehr als 250 Vorstellungen allein im „Haus am Ring“ von einem Zweijahrhundertesänger sprechen – kehrte für die letzte Vorstellung der aktuellen Serie von Verdis „Nabucco“ in der Titelrolle an die Wiener Staatsoper zurück. Trotz Halsentzündung!

Dieser Sänger ist ein Phänomen. Das manifestiert sich in seiner einzigartigen Art zu gestalten. Bei seinem Auftritt als König der Babylonier beeindruckt er durch enorme Bühnenpräsenz. Wie er zwischen der Hybris des absoluten Herrschers und der Verzweiflung eines um seine Tochter bangenden Vaters changiert, ist großartig. Er schöpft in Günter Krämers exzellenter Regie aus dem Vollen. Genuin reizt Domingo die Wahn-Szene aus. Unfassbar, wie er trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung sängerisch gestaltet und mit Eleganz phrasiert. Er weiß, was er sich zumuten kann.

Im vierten Akt, in dem das fordernde Gebet des Königs ansteht, übergibt er an den jungen Kollegen Amartuvshin Enkhbat, den Sieger von Domingos Sängerwettbewerb „Operalia“ im Jahr 2013. Das verschafft ihm auch die Anerkennung der Domingo-Anhänger. Zurecht!

Saioa Hernández ist eine stimmmächtige Abigaille mit extremer Durchschlagskraft. Roberto Tagliavini entfaltet als Zaccharia das Spektrum seiner weichen, sonoren Bassstimme. Szilvia Vörös ist eine bewährte Fenena, Carlos Osuna plagt sich als Ismaele. Dan Paul Dumitrescu ergänzt sehr gut als Oberpriester. Der Wiener Staatsopernchor ist in Hochform und berührt mit dem „Va pensiero“. Paolo Carignani dirigiert mit Esprit.

Beim Applaus ließ sich Domingo mit seinem jungen Kollegen gemeinsam feiern. Stehende Ovationen, Transparente mit „Muchas Gracias“. Mehr als 20 Minuten Jubel für diesen denkwürdigen Abend.

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