Kultur
14.11.2018

Filmkritik zu "Le livre d'image": Aufseiten der Bombenleger

Jean-Luc Godard verfasste einen wütenden Filmessay über die Greuel dieser Welt und die Bilder des Kinos.

Jean-Luc Godard, der 87-jährige Mitbegründer der „Nouvelle Vague“, blättert in „Le livre d’image“ in seinem Buch der Bewegtbilder – und zappt dabei durch assoziative Illustrationen, die er aus den Film- und TV-Archiven der ganzen Welt zu einer wuchtigen Collage montiert hat. Es wechseln Ausschnitte aus historischen Hollywoodstreifen, Hinrichtungs-Videos und alten TV-Dokus, deren Bilder und Töne vielfach verfremdet sind. Kreuz und quer geht es durch Filmgenres, Sprachen, Kulturen und Religionen.

Godard konfrontiert die Zuschauer mit allen Schrecken dieser Welt. Mit Gräueltaten, Gewaltbildern und Kriegsszenen. Und er begleitet sie mit sehr persönlich gehaltenen Kommentaren. Mit diesem Stilmittel stellt Godard uns gleichzeitig die Frage: Was ist uns wichtiger? Das Bild oder der Text? Wie nah kommen wir dem, was da auf der Leinwand an Leid gezeigt wird? Was für einen Blick werfen wir Europäer auf den Nahen Osten?

„Ich werde immer auf der Seite der Bombenleger sein“, erklärt er mit inzwischen etwas brüchig gewordener Stimme. Godard beschwört in seinem philosophischen und bisweilen auch etwas geschwätzigen Rundumschlag den Niedergang des imperialistischen Europas und – ironisch(?) – das glückliche Arabien. Aber da der alte Mann und das Kino untrennbar miteinander verbunden sind, wird der Besuch des neuen Werks dieser Regielegende zu einer Art Gottesdienst.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: Frankreich 2018. 94 Min. Von und mit Jean-Luc Godard. Mit Dimitri Basil, Buster Keaton.