© Moritz Schell

Kritik
02/28/2020

"Der Sohn“ in den Kammerspielen: Gefährliches Gefühlschaos

„Der Sohn“ von Florian Zeller geht in den Kammerspielen der Josefstadt Depressionen auf den Grund.

von Peter Jarolin

Eine Warnung vorweg: Dieses Stück ist nichts für Freunde des gepflegten Humors. Denn komisch ist in dem Drama „Der Sohn“ des französischen Erfolgsautors Florian Zeller so rein gar nichts. Immerhin geht es um Depressionen und Suizidgefahr, um familiäre Traumata und brüchige Beziehungskonstellationen, um gescheiterte Lebensentwürfe und um Lebensverweigerung.

Wie schon in „Vater“ – da war Alzheimer das Thema – dekliniert sich Zeller auch in der „Der Sohn“ durch Krankheitsbilder durch. Diesmal sind sie psychischer Natur. Denn der 17-jährige Nicolas, einst ein fröhlicher Junge, verliert zusehendes den Boden unter den Füßen, geht nicht mehr zur Schule, fügt sich Selbstverletzungen zu. Auch seine getrennt lebenden Eltern Pierre – dieser hat mit seiner neuen Flamme Sofia ein kleines Kind – und Anne kommen an den Jungen nicht mehr heran. Alles nur eine Frage der Pubertät oder doch ein Selbstmord mit Ansage? Die Antwort ist klar!

Stephanie Mohr hat dieses psychischen Tanz auf dem Vulkan in den Kammerspielen der Josefstadt wortgetreu und detailreich in Szene gesetzt, lotet in dem genialen Bühnenbild von Miriam Busch (Kostüme: Nini von Selzam) das gefährliche Gefühlschaos von Nicolas bis an die Schmerzgrenze (auch jener des Publikums) aus.

Zähflüssig

Es wird geredet und analysiert, es werden Generationskonflikte und Schuldgefühle abgehandelt. Aber irgendwie kreist die Inszenierung (bei einer ohnehin schon redundanten Vorlage) stets um sich selbst, wirkt wie eine langatmige Gruppentherapie ohne Happy-End. Striche und vor allem mehr Tempo hätten dem ambitionierten Unternehmen nicht geschadet.

Gespielt aber wird – wie immer in der Josefstadt – auf höchstem Niveau. So überzeugt Marcus Bluhm als zwischen Hoffnung und Verzweiflung gekonnt changierender Pierre, so ist Susa Meyer eine in jeder Hinsicht berührende Anne. Als Sofia bringt Swintha Gersthofer auch Frische und Leben in die Tragödie; Oliver Huether als Arzt sowie Alexander Strömer (Pfleger) assistieren in kleineren Rollen souverän.

Die Entdeckung ist Julian Valerio Rehrl, der als Nicolas weit mehr als eine Talentprobe abliefert. Hier ist ein junger Schauspieler zu sehen, dessen Namen man sich merken sollte.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.