© ServusTV / Stefan Voitl/ServusTV/Stefan Voitl

Kultur
10/17/2021

Der Skispringer als Heli-Pilot: Thomas Morgenstern dreht für "Servus TV"

Für "Bergwelten: Meine Nockberge“ lieferte der Olympiasieger selbst die Luftbilder. Als Helikopter-Pilot arbeitet er mit Martin Hinteregger am Zukunftsprojekt

von Christoph Silber

Die Ansagen an den Tower und von dort kommen, wie man es aus Filmen kennt: kurze, für Laien unverständliche Aneinanderreihungen meist englischer Worte, Zahlen, griechischer Buchstaben und "Sierra“. Dann heißt es "ready for departure“ und "cleared for takeoff“. Vor dem Hangar 8 am Salzburger Flughafen steigt die OE-XTV, der Media-Hubschrauber von Red Bull, auf. Am Steuerknüppel Ex-Skisprung-Star Thomas Morgenstern. Begleitet wird er von seinem Mentor in Sachen Fliegerei, Siegfried "Blacky“ Schwarz, u. a. Chefpilot Hubschrauber der Flying Bulls. Über die Startbahn hinweg geht es Richtung Alpen ...

"Meine Nockberge – Thomas Morgenstern, zwischen Himmel und Erde" lautet der Titel der neuen Folge der "Bergwelten“-Reihe (hier auf der ServusTV-Mediathek), in der mehr als ein Jahr Produktionszeit steckt. Der Olympiasieger, Weltmeister und Gesamt-Weltcup-Sieger, der in Seeboden am Millstätter See lebt, präsentiert die Ursprünglichkeit des Biosphären-Parks im Wechsel der Jahreszeiten.

Grenzerfahrung

Morgenstern zeigt hier vollen Körpereinsatz am Wasser, am Berg und in der Luft und wird dabei von Abenteurer, Sportler und Heimatverbunden begleitet: Mit Olympia-Sieger Fritz Strobl geht's zum Beispiel auf eine Skitour durchs Sonntagstal zum Rodresnock, mit Peter "Bene" Rainer wandert er auf den Mirnock, im Gepäck die Gleitschirmausrüstung und auch Europas längster Flowtrail wird bezwungen. "An die Grenzen gebracht hat mich aber der Klettersteig am Falkert, weil ich nicht unbedingt ein Kletterer bin. Das mach' ich unregelmäßig - eigentlich nie“, lacht Morgenstern.

Als erster Protagonist der "Bergwelten“ hat der 34-Jährige selbst für die Bilder von oben gesorgt: "Das ist sehr emotional, wenn man über die eigene Heimat, über die Berge fliegen kann“, erzählt er dem KURIER:

2008 hat Morgenstern den Pilotenschein für Flächenflieger gemacht, 2012 jenen für den Hubschrauber. "Ohne Blacky würde ich heute wahrscheinlich nicht in einem Hubschrauber sitzen.“ Der Berufswunsch Pilot sei immer irgendwo ein Traum gewesen. Mit Flügen etwa zur Vierschanzen-Tournee, kam die Lust. "Da konnte ich probieren, weil zufällig ein Doppelsteuer eingebaut war – das war Gänsehaut-Feeling“, schwärmt der Kärntner Himmelsstürmer. "Nach meiner aktiven Skisprung-Karriere habe ich mir gesagt, entweder g'scheit oder gar nicht, und hab' den Berufspilotenschein gemacht. Ich bin dann auch bei zahlreichen Bewerben im Präzisionsflug mitgeflogen.“

Prominenter Geschäftspartner

2019 dann der große Schritt mit der Gründung der Thomas Morgenstern Helicopter GmbH. "Mit dem Robinson R44 mache ich großteils Rundflüge, natürlich auch Personen-Transport von A nach B und biete Film- und Foto-Flüge, allerdings nicht so luxuriös wie mit dem Media-Hubschrauber.“ Es sei kein leichtes Business, gerade in der heutigen Zeit nicht, "aber etwas, in dem sehr viel Leidenschaft und Engagement steckt, etwas, was ich gern tu, etwas wo ich mich frei fühle. Beim Fliegen kommen viele Emotionen heraus, das merkt man auch bei den Passagieren, die mit mir oft das erste Mal in der Luft waren.

Mittlerweile gibt es noch eine weitere Firma und einen prominenten Geschäftspartner dazu. "Die TMH steht für Thomas Morgenstern und Martin Hinteregger. Er ist passionierter Flieger, in Frankfurt gerade dabei, den Privatpilotenschein zu machen und dann nebenbei den Berufspiloten. Wenn er dann mal mit dem Fußballspielen aufhört, dann haben wir nicht nur einen zusätzlichen Piloten, sondern auch eine zusätzliche Maschine. Und das versuchen wir jetzt einmal.“

Privileg

Die ganze "Bergwelten“-Sendung mit zu produzieren und die Flugbilder selbst zu machen, "das war ein wirkliches Privileg, hochinteressant und eine großartige Erfahrung“, erklärt Morgenstern beim Interview im Hangar 7. "Bei einem Film-Flug wie heute da geht es um Präzision.“ Geflogen wird nach den Ansagen des Kameramannes, der das Bild auf seinem Computer hat und die Kamera steuert. "Ich habe vorne auch einen Bildschirm fixiert, auf dem ich auch mitschauen kann, was cool ausschauen könnte.“ So habe man gemeinsam gutes Bildmaterial von den Nockbergen drehen können.

Einige Ex-Kollegen sind ebenfalls unter die Flieger gegangen, weiß Morgenstern: etwa Martin Koch und Michael Hayböck, auch der Schweizer Simon Ammann fliegt. "Als Skispringer muss man sich ja ständig mit dem Element Luft auseinandersetzen. Irgendwann sehnt man sich dann danach, länger in der Luft zu sein als nur fünf, sechs, sieben Sekunden.“

"Bergwelten“ auf ServusTV nutzt immer wieder Luftaufnahmen, um Berge und Landschaften vorzustellen. Obwohl auch für Bergfilme die Kameradrohne mittlerweile nicht mehr wegzudenken ist, haben Filmflüge mit dem Hubschrauber nach wie vor einen großen Stellenwert. Dies gilt beispielsweise dort, wo Drohnen durch ihre geringere Tragkraft, Windbeständigkeit und Akkulaufzeit limitiert sind. Darüber hinaus dürfen Kameradrohnen in der Regel nicht höher als 120 Meter über Grund fliegen.

ServusTV greift dafür oft auf eine „Écureuil“ von Airbus Helicopters zurück, ein leichter Mehrzweckhubschrauber, den die Flying Bulls im Salzburger Hangar-8 bereitstellen. Diese Maschine wird bei Bedarf binnen weniger Stunden mit einem kreiselstabilisierten Kamerasystem ausgestattet, das in allen Fluglagen stabile Luftaufnahmen ermöglicht.

Herausforderung

Für die Piloten ist dies eine mehrfache Herausforderung: Er muss für die Kamera fliegen, ist also an der Bildgestaltung aktiv beteiligt; darüber hinaus ändert das rund 60 Kilogramm schwere Kamerasystem die Flugeigenschaften des Hubschraubers.

Das kreiselstabilisierte Kamerasystem stammt vom neuseeländischen Hersteller Shotover und erlaubt es, je nach Bedarf unterschiedliche Kameras und Optiken zu verbauen. Die Steuerung erfolgt bequem über eine Fernbedienung im Hubschrauber. Ein „Rain Spinner“ erlaubt es, im Bedarfsfall sogar bei Regen Dreharbeiten durchzuführen, ohne dass Tropfen auf der Kameralinse sichtbar wären.

Das Kapitel Skispringen geschlossen hat eben sein früherer Mannschaftskollege Gregor Schlierenzauer, dem Morgenstern in einem Facebook-Post zu dem Schritt gratuliert hat. "Das ist schon eine sehr emotionale Angelegenheit. Ich bin aber überzeugt, dass es für den Gregor definitiv die richtige Entscheidung war.“ Er werde merken, dass es wichtigere Dinge gebe im Leben als von einer Schanze zu springen. "Die Zeit, die wir gemeinsam erlebt haben, auf die schauen wir mit Stolz und Demut zurück. Die kann uns auch keiner mehr nehmen. Ich wünsche ihm das allerbeste für die Zukunft, dass er etwas findet, was seins ist, was ihn fordert. Es ist ja die Fotografie etwas, was ihm ziemlich ans Herz gewachsen ist.“

Und Foto-Flüge hat ja Morgenstern im Angebot. „Das könnte man andenken“, lächelt der und sagt: „Und wir gehen jetzt nochmal fliegen.“

 

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.