Der Oscar-Kandidat im Porträt

Actor Christoph Waltz attends the UK premiere of D
Foto: Reuters/OLIVIA HARRIS

Die Stationen einer außergewöhnlichen Karriere im Überblick.

Im März 2010 fand eine der ungewöhnlichsten Karrieren des deutschsprachigen Film- und Fernsehschaffens einen vorläufigen Höhepunkt: Der gebürtige Wiener Christoph Waltz erhielt für seine Rolle des charmanten, hinterhältigen und polyglotten SS-Offiziers Hans Landa in Quentin Tarantinos Kriegsgroteske "Inglourious Basterds" den Nebendarsteller-Oscar. Am 24. Februar könnte der folgende Sprung in die Weltliga des Kino durch einen zweiten Academy Award gekrönt werden.

Christoph Waltz: Die Stationen seiner Karriere im Überblick

Alles begann mit Hans Landa. Seit dem Oscar für seine Rolle in "Inglourious Basterds" gehört Christoph Waltz zur ersten Schauspielerriege Hollywoods. Da war er bereits 54 Jahre alt. Bis dahin war es also ein weiter Weg. Der zweifache Oscar-Preisträger im Porträt. Am 4. Oktober 1956 wurde Waltz als Sprössling einer Theaterdynastie in Wien geboren. Der Sohn der Bühnen- und Kostümbildner Johannes Waltz und Elisabeth Urbancic war im bürgerlichen Döbling beheimatet. Nachdem er im Theresianum seine Schullaufbahn beendet hatte, begann er seine Schauspielausbildung am Reinhardt-Seminar. Später folgte das Lee Strasberg Theatre Institute in New York. Nach dem Bühnendebüt am Zürcher Schauspielhaus ("Amadeus") und Engagements an verschiedenen Theatern folgten später vor allem zahlreiche Fernsehrollen.

Im Bild: "Du bist nicht allein - Die Roy Black Story" Anfang der 90er Jahre spielte er in der TV-Miniserie "Der große Reibach", einer Politsatire um die Brüsseler Bürokratie in Zeiten neu aufbrechender Absatzmärkte in Osteuropa. Mit dem Film "Du bist nicht allein - Die Roy Black Story" aus dem Jahr 1996, war Waltz dem deutschsprachigen TV-Zuschauern schon früh ein Begriff. Sein komödiantisches Talent bewies er in "Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit" aus dem Jahr 1998. Breite Bekanntheit erlangte er nicht zuletzt mit Episodenauftritten in "Derrick" (im Bild), "Der Alte" oder "Kommissar Rex". Für den Film "Der Tanz mit dem Teufel - Die Entführung des Richard Oetker" (2001) erhielt Christoph Waltz 2002 den Adolf-Grimme-Preis. Er spielte den skrupellosen Entführer Dieter Cilov. Mit "Der alte Affe Angst" oder "Herr Lehmann" (beide 2003) fand sich Waltz alsbald auch im Kino wieder und erarbeitete sich in seinem ganz eigenen Duktus bald den Ruf eines prägnanten Filmbösewichts mit diabolischer Unbestimmbarkeit, der aber auch im komödiantischen Fach brillieren konnte. Sein Debüt und bisher einziges Werk als Regisseur gab Waltz im Jahr 2000 mit dem TV-Film "Wenn man sich traut". Seinen bisher größten Triumph konnte Waltz mit seiner Rolle als psychopathischer SS-Offizier Hans Landa in Quentin Tarantino's "Inglourious Basterds" feiern. Der Vater von vier Kindern erhielt rund zwei Dutzend Auszeichnungen für seinen Part als SS-Offizier, darunter den Darstellerpreis in Cannes. Auch bei den Golden Globes konnte Christoph Waltz mit dieser Rolle eine der begehrten Trophäen mit nach Hause nehmen. Und schließlich gelang ihm die Sensation: Er erhielt 2010 auch den Oscar als "Bester Nebendarsteller". Waltz, der sich selbst nicht als „Theater-Tier“ bezeichnete, arbeitete dennoch jahrelang am Theater – ein Umstand, der ihm die Arbeit mit Tarantino erleichtere. Seine große Liebe aber gehört dem Film. Und dort hat er jetzt mit Quentin Tarantino seinen Lebensregisseur gefunden. Waltz war auch einer der Ersten, der die Drehbuch-Entwürfe von Tarantinos „Django Unchained“ schon während ihres Entstehens zu lesen bekam. Kommentare hätte er keine dazu abgegeben, so Waltz: er wollte bloß sehen, was dabei herauskam. Waltz und seine Lebensgefährtin Judith Holste sind seit den Oscar-Weihen gern gesehene Gäste auf den Red Carpets. Die beiden haben eine gemeinsame Tochter. Aus einer früheren Ehe mit einer US-Amerikaniern hat Waltz drei Kinder. Die Zusammenarbeit mit Quentin Tarantino bedeutete für Waltz den Durchbruch im großen Hollywood. Seitdem ging seine Karriere steil bergauf: In dem Film "The Green Hornet" (2011), der übrigens kein besonders großer Erfolg war, spielte Waltz wieder einen Bösewicht: Chudnofsky. Im selben Jahr konnte man Waltz in der Rolle des bösen Zirkusdirektors August auf der Kinoleinwand sehen. In "Wasser für die Elefanten" spielte er gemeinsam mit Reese Witherspoon und dem Teenie-Idol Robert Pattinson. In Paul W.S. Andersons "Die drei Musketiere" (2011) übernahm er die Rolle des intriganten Kardinals Richelieu. Roman Polanski besetzte Waltz 2011 für "Der Gott des Gemetzels" als einen der Ehemänner im Konfliktquartett, und in Mike Newells neuem Film "Reykjavik" wird er an der Seite von Michael Douglas Michael Gorbatschow spielen. Für seine Rolle als Dr. King Schultz in "Django Unchained" wurde Waltz 2012 tatsächlich wieder mit einem Oscar für die "Beste Nebenrolle" ausgezeichnet. Seit "Inglourious Basterds" und "Django Unchained" verbindet Regisseur Quentin Tarantino und Christoph Waltz eine enge Freundschaft. Im Interview mit dem "LOOX"-Magazin verriet Waltz, dass Tarantino die Rolle des Dr. Schultz extra für ihn geschrieben hat. Ende 2014 war er in der überladenen Sci-Fi-Parabel "The Zero Theorem" von Terry Gilliam zu sehen. Anfang Dezember 2014 wurde Waltz schließlich auch mit einem Stern am Hollywood Walk of Fame ausgezeichnet -  es war der 2536. Stern auf dem berühmten Bürgersteig in Los Angeles. Ein vielleicht inflationäres aber jedenfalls klares Zeichen: Dieser Mann ist top, ein echter Star.

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