Eine Aufnahme vor Corona, als Der Nino aus Wien noch öfters seine Wohnung verlassen hat 

© Problembär Records/Pamela Rußmann / Problembär Records/Pamela Rußmann

Kultur
03/29/2020

Der Nino aus Wien: "In der Isolation höre ich viel Rod Stewart"

Der Wiener Singer-Songwriter Nino Mandl alias Der Nino aus Wien im Interview übers Zauhausebleiben, Faulsein und Musizieren.

von Marco Weise

„Ich habe mich schon total an die Isolation gewöhnt, bin gerne zu Hause“, schreibt Nino Mandl alias Der Nino aus Wien dem KURIER per E-Mail. Der Singer-Songwriter habe darin aber auch schon eine gewisse Übung. Denn auch vor Corona-Zeiten sei er oft eine Woche nicht rausgegangen. „Wenn ich nicht gerade auf Tour bin, kann ich oft eine Woche einfach zu Hause sein“, schreibt Nino Mandl.

Der KURIER hat nachgefragt, wie ihm dabei nicht langweilig wird, ob er mit seinem ersten Youtube-Konzert zufrieden ist, wie sein für April angekündigtes Album „Ocker Mond“ klingt, welche positive Seite er der Krise abgewinnen kann, und was er als erstes machen würde, wenn morgen alle Corona-Maßnahmen aufgehoben werden würden.

KURIER: Sie spielen gefühlt 100 Konzerte im Jahr. Aktuell spielen Sie kein einziges. Wie langweilig ist Ihnen schon?

Nino Mandl: Überhaupt nicht. Ich hab mich schon total an die Isolation gewöhnt, ich bin gerne zu Hause. Vor der Krise hatten wir gerade einige schöne Konzerte in Deutschland. Diese Reise wurde halt unterbrochen. Für den März wurden insgesamt neun Auftritte, darunter fünf Theateraufführungen, abgesagt bzw. verschoben. Das ist natürlich schade, aber notwendig.

Wie wirkt sich diese Langeweile finanziell aus? Keine Konzerte, kein Geld ... Wie geht der Überlebenskünstler Nino damit um?

Wenn ich mir während der Isolation kein Motorboot oder dergleichen kaufe, werde ich halbwegs über die Runden kommen. In früheren Jahren wäre es aber eine Katastrophe gewesen, keine Einkünfte zu haben. Ich wünsche allen Künstlern und Künstlerinnen (und natürlich auch allen anderen), dass sie gut durchkommen. Ich bin mir aber sicher, es werden wieder einfachere Zeiten kommen.

Wie sind Sie mit ihrem ersten Online-Konzert zufrieden? Immerhin wurde das Video bislang über 20.000 Mal auf Youtube aufgerufen. Verdienen Sie etwas damit?

Es war ein besonderes Konzert. Ich habe danach hunderte liebe Nachrichten bekommen. Es dürfte viele Leute wirklich gefreut haben. Es gab eine Spendenfunktion auf Youtube, von der ich nichts wusste. Das Geld, das dabei gespendet wurde, werde ich an die „Gruft Wien“ weiterspenden. Ich möchte dafür kein Geld, das Konzert war ein Geschenk für alle Isolierten, die meine Musik mögen.

Wie sind Sie mit der Soundqualität des Youtube-Konzerts zufrieden? Könnte besser sein, oder?

Ich habe mir das Konzert am nächsten Tag angesehen und mochte die Soundästhetik eigentlich recht gerne. Es erinnerte mich an meine Anfänge, im Hirschstettner Keller. Natürlich könnte der Sound besser sein, aber das ist bei richtigen Konzerten auch oft der Fall. Ich habe es ganz in Ordnung gefunden. Und auf die Lichtshow bin ich sogar ein bisschen stolz.

Welche Auswirkungen hat das Zuhausebleiben auf Ihre Musik?

Das kann ich noch nicht sagen. Ich habe in der Isolation noch kein Lied geschrieben. Ich klimpere nur so ein bisschen vor mich hin, und das wirkt jetzt nicht komplett anders als sonst.


Merkt man in Zeiten ohne Konzerte, wie sehr man mittlerweile von Auftritten abhängig ist? Streams bringen ja kaum Geld.

Konzerte haben für mich immer schon das meiste Geld gebracht. Aber ich freue mich auch über Tantiemen, AKM, CD-Verkäufe und Streams via Spotify. Das ist alles Geld. Da läppert sich schon etwas zusammen. Ich bin sehr dankbar, dass ich seit einigen Jahren ganz gut von der Kunst leben kann. Natürlich kann sich das auch schnell wieder ändern, aber ich werde dranbleiben.

Wird Ihr neues Album „Ocker Mond“ wie geplant Mitte April veröffentlicht?

Zum Veröffentlichungszeitpunkt kann ich noch keine Auskunft geben. Ich denke aber, dass es beim geplanten Termin bleiben wird, selbst wenn noch keine Konzerte stattfinden. Geplant wäre ja gewesen, dass das Album am 17. April bei unserem Konzert in der Stadthalle rauskommt. Ich bezweifle aber, dass dieser Termin stattfinden wird.

Erzähl Sie mir etwas über das neue Album

„Ocker Mond“ wurde in einer einzigen Nacht im Februar aufgenommen. Es ist sehr reduziert, fast nur ich mit Gitarre. Es war eine Vollmondidee, eine ungeplante Geburt. Es wirkt auf mich gar nicht so sehr wie ein neues Album. Mehr wie das erste Album, das es nie gab. Spirit of 2006. Der Vorgänger des Debütalbums, einfach zu spät veröffentlicht. So wirkt es auf mich. Auch wenn es größtenteils neue Lieder sind. Ich habe das Ganze einfach ziemlich hingefetzt. Das Album war in fünf Stunden fertig. Ich finde, man kann so etwas zwischendurch schon mal machen. Es gefällt mir sehr. Ich schließe aber nicht aus, von manchen Liedern des Albums auch noch Bandaufnahmen zu machen.

Konnten Sie der Krise bereits etwas Positives abgewinnen?

Es melden sich plötzlich uralte Freunde bei mir, von denen ich so lange nichts gehört habe. Das ist nett. Ich finde es auch schön, dass wir alle in der gleichen Situation sind, und einfach zuhausebleiben. Es wirkt fast so als würde das auf eine Art zusammenschweißen, trotz der Distanz. Ja, bleiben wir zu Hause. Wir werden uns alle wiedersehen. Ich halte mich sehr konsequent ans Zuhausebleiben. Und spüre eigentlich viel Liebe.

Was raten Sie Menschen, die in dieser Zeit Künstler unterstützen wollen?

CDs, Platten, Bücher, Bilder und DVDs kaufen. Und wenn das alles vorbei ist, viele Konzerte besuchen. Und alle Vernissagen.

In Zeiten der Krise bleibt Zeit für Sachen, die man jahrelang vor sich hergeschoben hat. Was konnten Sie schon erledigen?

Nichts. Ehrlich gesagt, bin ich zurzeit recht faul. Wenn ich etwas vorhabe, dann innere Einkehr – obwohl ich eigentlich die Wohnung aufräumen sollte. Aber ich bin sehr gut im Aufschieben von Dingen.

Viele hören mehr Musik denn je. Welche Alben hören Sie gerade intensiv?

In der Isolation höre ich derzeit viel Rod Stewart. Und ich habe gerade „Chas and Dave“ entdeckt. Ansonsten schaue ich meistens alte österreichische Fußballvideos aus den 90er-Jahren. Aber noch öfter ist der Fernseher an.

Wie sieht es mit Serien oder Bücher aus? Welchen Tipp haben Sie für unsere Leser und Leserinnen?

Ich habe die Serie „Freud“ probiert und musste nach drei Folgen aussteigen. Mir wurde ein bisschen zu viel herumgeschrien. Ich bin aber allgemein nicht der große Serienschauer. Der beste Film, den ich die letzte Zeit gesehen habe, war „Porco Rosso“. Ansonsten lese ich viele Kochbücher und finde jeden Tag ein altes Buch, das ich lange nicht gesehen habe. Heute war es Peter Altenbergs „Wie ich es sehe“. Es war schön darin herumzublättern. Sonst habe ich den neuen, noch nicht veröffentlichten Roman von Sebastian Janata gelesen. Ich freue mich auf sein Erscheinen.

Angenommen, morgen werden alle Corona-Maßnahmen aufgehoben. Was würden Sie zuallererst machen?

Ich glaube, ich würde trotzdem noch eine Woche zu Hause bleiben, weil ich mich schon so daran gewöhnt habe. Und danach würde ich langsam anfangen, Leute zu treffen, mit denen ich mir schon vor der Isolation etwas ausgemacht habe. Es wird eine herrliche Zeit. Ich werde zum Heurigen nach Strebersdorf fahren. Zum Neusiedler See, nach Hirschstetten. Ich werde ins Kaffeehaus gehen, in den Proberaum und gut essen.

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