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Kultur
10/06/2019

Der erste Blick ins Horten-Museum

Heidi Horten Collection. Die Milliardärin realisiert bis Anfang 2022 ihr Kunstpalais – gleich neben der Albertina

von Thomas Trenkler

Horton hört ein Hu: So lautete vor einem Jahrzehnt der Titel eines wunderbaren Trickfilms. Und Horten hört auf Husslein: Die Witwe nach Helmut Horten, der aufgrund einer „Arisierung“ zum Kaufhaus-König wurde, lässt sich, wenn es um die Kunst geht, von Agnes Husslein-Arco beraten. Schon seit den späten 80er-Jahren, als Husslein Mitarbeiterin von Sotheby’s war.

Fast drei Jahrzehnte später, als Direktorin des Belvedere, hätte Husslein die Sammlung, die Horten, nun Ehefrau von Karl „Kari“ Anton Goëss, in der Zwischenzeit aufgebaut hatte, gerne präsentiert. Doch deren Vertrag wurde, weil man der energischen Chefin diverse Verletzungen der Compliance-Richtlinien vorgeworfen hatte, nicht verlängert. Und so zeigte Husslein die Heidi Horten Collection im Frühjahr 2018 unter dem Titel „WOW!“ im Leopold Museum.

Besucherrekord

Die Ausstellung erregte in der Tat viel Staunen und sorgte mit 360.000 Besuchern für einen Rekord. Denn, wie es Direktor Hans-Peter Wipplinger ausdrückte: „Mit Exponaten von Marc Chagall, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, Edvard Munch, Francis Bacon, Lucio Fontana, Damien Hirst, Robert Rauschenberg, Gerhard Richter, Andy Warhol und vielen anderen ist die Ausstellung tatsächlich eine Tour de Force durch die Kunstgeschichte der letzten 100 Jahre.“ Ein weiteres Highlight ist Gustav Klimts „Kirche in Unterach am Attersee“.

Der Erfolg animierte Heidi Goëss-Horten, ihre Sammlung dauerhaft zu präsentieren – in ihrer Heimatstadt Wien. Und so erwarb die Milliardärin das barocke „Stöcklgebäude“ im Hanuschhof neben der Albertina.

Auch Klaus Albrecht Schröder, Direktor der Grafischen Sammlung, hätte das „Stöcklgebäude“ sehr gerne bespielt – zumal es eine direkte Beziehung zum Palais von Erzherzog Albrecht gibt, in dem die Albertina untergebracht ist: Vor der Errichtung des Hanuschhofs in der Gründerzeit (1862) befand sich an diesem Ort der herzogliche Stallhof samt Reitschule. Er war mit dem Palais auf der Augustinerbastei durch einen gedeckten Übergang verbunden. Übrig geblieben ist nur das „Stöcklgebäude“.

Der Hanuschhof ist die Zentrale der Bundestheater-Holding – und das „Stöcklgebäude“ beherbergte zuletzt, ab 2005, das Staatsopernmuseum. Das wurde 2014 nach einer Empfehlung des Rechnungshofes aufgrund zu hoher Kosten geschlossen, die Bestände kamen ins benachbarte Theatermuseum.

Vor knapp drei Jahren wurde die Immobilie um eine „stolze Summe“ (über 20 Millionen Euro) von den Bundestheatern an die Imfarr Beteiligungs GmbH verkauft. Es fand sich jedoch keine passende Nutzung.

Anfang Juni dieses Jahres gab Heidi Goëss-Horten bekannt, das „Stöcklgebäude“ erworben zu haben – eben als Hort für ihre Kunstsammlung. Zugleich wurde bekannt, dass Agnes Husslein den Umbau zum „Palais Goëss Horten“ betreuen und das Museum leiten soll.

Verwunschener Ort

Und die Freundinnen gaben sogleich „Vollgas“, wie sich Husslein im Gespräch mit dem KURIER ausdrückt: Sie luden drei renommierte Architekturteams zum Wettbewerb für die Neugestaltung des „Stöcklgebäudes“ ein, darunter Kuehn Malvezzi aus Berlin sowie Ortner & Ortner, die in den 1990er-Jahren das Museumsquartier planten. Die Entscheidung fiel zugunsten des Wiener Büros „next ENTERprise“, vertreten durch Ernst Fuchs und Marie-Therese Harnoncourt.

Die Fassade soll mehr oder weniger erhalten bleiben, es wird bloß für den neuen Eingang in der Nordwestecke (unmittelbar nach der Tordurchfahrt des Hanuschhofs) ebenerdig ein Stück herausgenommen werden. Die Begrünung will den Eindruck hervorrufen, dass es sich um einen verwunschen Ort handelt. „Das Geheimnisvolle macht die Sache noch viel interessanter“, sagt Husslein. Man brauche kein schreiendes Gebäude, die Sammlung spreche ohnedies für sich.

Der Entwurf von „next ENTERprise“ zielt zudem auf den Kontrast zwischen der unprätentiösen Außen- und der raffinierten Innengestaltung. Denn das „Palais“ wird komplett entkernt: Man betritt das Gebäude – und steht in einer riesigen, stützenfreien „Zentralhalle“ mit schwebenden, um 30 Grad verdrehten Ausstellungsebenen und einer zweiläufigen U-Treppe als Blickfang. Hinzu kommen etliche seitliche Kabinette.

13 Millionen Euro

Matthias Boeckl, Architekturprofessor an der Angewandten, meint in seinem Gutachten, dass der Entwurf „höchst abwechslungsreiche Wege durch die Ausstellungen“ bieten werde. Der Blick nach oben zeige sofort die Situation, der Besucher sei daher motiviert, das gesamte Gebäude zu durchschreiten.

Für den Umbau stehen 13 Millionen Euro zur Verfügung – und Agnes Husslein hat bereits die nächsten Schritte in die Wege geleitet: Ein Generalplaner wurde beauftragt, ein Projektmanager gefunden und die Statik befundet.

„Ich hab schon eine Ahnung vom Bauen!“, sagt Husslein. Als Direktorin des Rupertinums in Salzburg betreute sie die Errichtung des Museums der Moderne – und zurück in Wien die Renovierungen des 20er-Hauses und des Unteren Belvederes. Und so glaubt man ihr auch, dass die Heidi Horten Collection bereits Anfang 2022 ihre Tore öffnet, um auf einer Fläche von 1.300 Quadratmetern herausragende Kunst zu bieten.

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