Marcello Mastroianni und Sophia Loren raufen sich in „Hochzeit auf italienisch“ zusammen.

© /Filmmuseum

Retrospektive
01/21/2015

Der beste Film aller Zeiten

Das österreichische Filmmuseum zeigt 21 Werke von Vittorio De Sica (bis 12. 2.).

von Alexandra Seibel

Italienischer Neorealismus, dein Name ist Vittorio De Sica. Lange Jahre galt der in Neapel groß gewordene De Sica als das Aushängeschild des italienischen Nachkriegskinos. Sein Film "Schuhputzer" von 1946 gewann einen Sonder-Oscar. Zwei Jahre später erhielt er einen weiteren für sein Meisterwerk "Fahrraddiebe" (1948). 1951 bekam er für "Das Wunder von Milan" den Großen Preis in Cannes. Und im Jahr 1952 wählten internationale Filmkritiker in der Zeitschrift Sight&Sound "Fahrraddiebe" zum besten Film aller Zeiten.

Der französische Filmkritiker und Autor André Bazin pries "Fahrraddiebe" als den "extremsten Ausdruck des Neorealismus". De Sicas Verdienst sei es, nicht ein Schauspiel zu bieten, das real erscheine, sondern umgekehrt, "Realität zum Schauspiel zu machen: Ein Mann läuft durch die Straßen und der Zuschauer staunt, wie schön dies sein kann."

De Sica findet Schönheit da, wo das Elend herrscht. In "Fahrraddiebe" kann ein Mann kaum seine Familie ernähren. Endlich erhält er einen Job als Plakatkleber – als sein Fahrrad gestohlen wird. Gemeinsam mit seinem Sohn macht er sich auf die Suche und wird zuletzt selbst zum Dieb. Die Scham, die er seinem Kind gegenüber empfindet, das Zeuge seiner Überführung wird, ist herzzerbrechend. Und Vittorio De Sica, der selbst 1901 in ärmlichen Verhältnissen geboren wurde, wusste aus eigener Erfahrung, was Not bedeutet.

Populist

In den 60er-Jahren bediente der "einstige" Neorealist gekonnt das Publikumskino – beispielsweise mit dem populären Zweigespann Marcello Mastroianni und Sophia Loren in "Hochzeit auf italienisch" (1964).

Einen großartigen, blutjungen Helmut Berger findet man im brutal-melancholischen "Der Garten der Finzi Contini" von 1970: De Sica erhielt dafür seinen vierten Oscar und einen Goldenen Bären in Berlin.

Der Regisseur war übrigens selbst auch Schauspieler in rund 160 Filmen, darunter in einem Filmjuwel von Max Ophüls’ "Madame de..." (1953). Auch dieser Film wird im Zuge der Retrospektive (bis 12. 2.) im Österreichischen Filmmuseum bei der Albertina gezeigt.

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