Mile (li.), Marco Kleebauer und Katrin Paucz sind Sharktank.

© Hanna Fasching

Kultur
06/13/2021

Debütalbum von Sharktank: Perfekt unperfekt

Die österreichische Band Sharktank legt mit "Get It Done" ihr Debütalbum vor. Pop-Songwriting trifft Hip-Hop trifft Indie-Rock. Klingt verstörend, ist aber großartig.

von Marco Weise

Während viele zur Hochblüte der Pandemie zum Marathon-Läufer, Serienjunkie, Hobby-Astrologen oder Teilzeit-Koch avancierten, haben Katrin Paucz, Michael „Mile“ Lechner und Marco Kleebauer ihre neu gewonnene Freizeit damit verbracht, durchzustarten. Und zwar mit der Band Sharktank. Aber da von nichts eben nichts kommt, hat man sich dafür auch jede Woche brav im Vereinshaus alias Proberaum in Wien 1150 zum Musikmachen getroffen. Es seien schöne, lange Abende gewesen, in denen ein intensiver Austausch gepflegt und zielorientiert Songs geschrieben wurden. Man probierte, jammte, drückte ein paar Tasten am Keyboard, suchte auf der Gitarre nach der besten Melodieführung und konstruierte so Schritt für Schritt und Hand in Hand Musik. Im Normalfall konnte das Trio jeweils am Ende einer Session einen neuen Song auf der Festplatte ablegen. Durch diese disziplinierte wie effiziente Vorgehensweise entstand in nur wenigen Wochen das nun vorliegende Debütalbum: „Get It Done“. Nomen est omen.

Dass die Songs regelrecht aus Sharktank heraussprudeln, liegt auch an der Stimmung innerhalb des Bandgefüges. „Wir haben extrem viel Spaß und verspüren überhaupt keinen Druck. Oft haben wir uns im Proberaum einfach auch nur treiben lassen, uns gegenseitig Songs vorgespielt. Wir haben viel Kanye West gehört. Aber auch Tyler the Creator. Aber die Einflüsse auf den Output des Trios sind so unterschiedlich wie die Personen dahinter“, sagt Katrin Paucz dem KURIER.

Dieser unbekümmerte Zugang zum Musikmachen spiegelt sich auch im Sound wider – er ist gefällig, aber nie zu poppig. Die Gitarre ist geerdet, wird mal locker-lässig, mal bluesig-rockig angeschlagen. Dazu groovt, scheppert das furztrockene Schlagzeug und wechseln sich Rapper Mile und Katrin Paucz entweder am Mikro ab oder harmonieren gemeinsam. Eine stimmige Kombination, die von vielen irrtümlich als Crossover bezeichnet wird. Denn mit dem Genre aus den 1990er-Jahren, das von Bands wie den Red Hot Chili Peppers, Limp Bizkit oder H-Blockx mitgeprägt wurde, haben Sharktank nichts zu tun. Zum Glück.

Hitze

Begonnen hat alles im Sommer 2020 – mit Rapper Miles Soloprojekt, für das er das Studio von Marco Kleebauer aufsuchte. Nach ein paar Sessions war klar, da fehlt etwas. Und so fragte Marco Kleebauer Katrin Paucz, ob sie mal mit der Gitarre vorbeischauen könnte. Die Idee ging auf: Die im Herbst veröffentlichte EP „Bad Energy“ bescherte Sharktank gleich eine Amadeus-Nominierung.

Die auf „Get It Done“ zu findende Soundpalette ergibt sich aus den unterschiedlichen Zugängen zur Musik. Mile kommt aus dem Hip-Hop, Katrin Paucz liebt und lebt Indierock und Marco Kleebauer, Hans-Dampf-in-allen-Gassen, der u. a. mit Sophie Lindinger das Duo Leyya erfolgreich betreibt, hält das alles am Schlagzeug und Produzentensessel zusammen. Der Sound ist sommerlich, trägt viel Hitze und Energie in sich. Die Gitarren sind ungeschliffen, roh, oft dezent übersteuert. Fehler sind erlaubt, sie gehören zum Konzept. Es wurde also nicht großartig in der Postproduktion herumgefeilt und der Sound künstlich aufpoliert, sondern alles so gelassen, wie es eben ist: perfekt unperfekt. Das Album ist ein Zusammenspiel von eingängigen Melodien und nachdenklichen Rap-Lines; ein gut abgeschmeckter Mix aus Feel-Good-Rhythmen und Indie-Verträumtheit. Besonders schön: „Should Have Called“.

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