Kultur
27.12.2017

David Guetta: Kritiker anonym ausgetrickst

Der DJ spricht über kreative Einschränkung, Vorurteile und die Arbeit im Flugzeug.

Im Sommer 2017 verplapperte sich ein Kollege und ließ die Welt wissen, was David Guetta eigentlich geheimhalten wollte.

Xavier de Rosnay, ebenfalls französischer Elektronik-Musiker und eine Hälfte von Justice, antwortete auf die Frage, ob er lieber die Musik von Mainstream-Größe David Guetta oder die von Underground-Star Vitalic hört: "Vitalic . . . aber eigentlich ist das schwer zu sagen, denn David veröffentlicht sehr, sehr gute Musik unter einem falschen Namen!"

"Ja, das stimmt", lacht Guetta im KURIER-Interview. "Ich habe das schon länger nicht mehr gemacht, aber das war ein Spaß. Ich hatte eine Nummer – einen richtig coolen Acid-House-Track. Es war ein Trick, denn ich dachte, wenn ich ihnen den unter meinem Namen schicke, haben sie Vorurteile und spielen ihn nie. Aber wenn ich ihn anonym schicke, hören sie ihn bestimmt mit unvoreingenommenen Ohren. Und genau das ist passiert. Es war lustig zu sehen, wie all die supercoolen DJs diesen Track begeistert gespielt haben. Und wie erstaunt sie dann waren, als es aufkam, dass er von mir ist. Keiner hätte das gedacht."

Neues Album

Aus dem Zwang zum Hit auszubrechen, ist auch der Grund dafür, dass Guetta 2018 wieder ein Album veröffentlichen will. "Ich bin schon fast fertig damit", sagt er. "Auch wenn die Leute zur Zeit nur einzelne Tracks konsumieren und der Markt auf Singles konzentriert ist, ist mir ein Album sehr wichtig. Denn das ist ein künstlerisches Statement, bei dem ich mehr Freiheiten habe. Da muss nicht jeder Song in Radio-Formate passen und ein Hit sein. Diese Möglichkeit brauche ich als Künstler. Und die hätte ich nicht, wenn ich immer nur einzelne Tracks veröffentlichen würde.

Fühlt sich Guetta von seinen Hit-Erfolgen kreativ eingeschränkt? "Das ist eine gute Frage", sagt er. Und nach einer kleinen Denkpause: "Ich würde nicht sagen, dass ich kreativ eingeschränkt bin. Denn im Pop kann man auch sehr kreativ sein. Aber wenn ich etwas machen will, das ein bisschen mehr Underground ist, wird es schwierig, weil die Leute von mir voluminösen Pop und große Hits erwarten."

Davon hatte Guetta 2017 einmal mehr genug. Zuletzt mit dem Song "So Far Away", den er mit den Sängern Jamie Scott und Romy Dya, aber vor allem mit DJ-Kollegen Martin Garrix eingespielt hat.

Keine Konkurrenz

"Ich habe überhaupt kein Problem, mit anderen DJs zusammenzuarbeiten", sagt der 50-Jährige. "Da gibt es keine Konkurrenz. Ich liebe es, zu kollaborieren und so meine Leidenschaft für Musik mit anderen zu teilen. Und Martin ist der liebste Typ, den ich kenne, ein sehr guter Freund von mir. Wir wollten schon sehr lange etwas zusammen machen. Jetzt haben wir es endlich geschafft."

Natürlich wird Guetta "So Far Away" auch im Programm haben, wenn er am 26. 1. in der TipsArena in Linz auftritt. "Viel neue Musik", verspricht er dafür, Tracks, die dann auf dem Album sein werden, an die er gerade den letzten Feinschliff anlegt. Bevorzugt im Flugzeug.

Jet Set

Der Superstar der DJ-Szene ist zur Zeit extrem gefragt und jettet permanent zwischen Amerika und Europa hin und her, weil er Residenzen in Las Vegas und auch immer noch in Ibiza hat, wo er einst begann.

Dafür hat er sich ein Privatflugzeug gekauft, das mittlerweile sein liebster Arbeitsplatz ist: "Ich verbringe so viel Zeit in der Luft, die will ich kreativ nützen. Außerdem ist es da total ruhig, es gibt kein Telefon und keine E-Mails. Mit meinem Laptop kann ich da wunderbar arbeiten."

Hat er den Laptop schon einmal verloren?

Diese Frage erschreckt Guetta: "Oh Gott nein! Daran darf ich gar nicht denken. Das wäre das Schlimmste. Denn ich habe all meine Musik da drauf, alles was wichtig ist, habe ich im Laptop!"

INFO

Karten für den Auftritt von David Guetta am 26. 1. in der TipsArena in Linz gibt es unter: www.oeticket.com