Roter Teppich, Designersandwich und viele Filme: Berlin steht im Zeichen der Filmfestspiele.

© Reuters/STEFFI LOOS

Berlinale
02/08/2014

Das Schweigen der Schauspieler und: Zurück in den Zoo

Das größte Publikumsfestival der Welt rüstet kulinarisch auf und verliert Bill Murray.

von Alexandra Seibel

Manche Dinge verstehen Journalisten nicht. Zum Beispiel, wie Bill Murray plötzlich verloren gehen konnte. Da sitzen alle erwartungsfroh im vornehmen Hotel Adlon und freuen sich auf das Gespräch mit dem US-Komiker, der in Wes Andersons „Grand Budapest Hotel“ einen spaßigen Kurzauftritt hat. Doch wer nicht kommt, ist Bill Murray.

„Wir wissen leider auch nicht, wohin er verschwunden ist“, ringt die Pressebetreuerin nach Worten. „Womöglich wollte er Berliner Luft schnappen.“

Oder womöglich war Bill Murray auch einfach bloß „Lost in Translation“.

Andere Schauspieler sagen gleich, dass sie mit niemanden reden wollen. George Clooney beispielsweise, der in einem Berlinale-Special am Samstag seinen Raubkunst-Thriller „The Monuments Men“ vorstellt: Er kippte alle Interviews, ebenso taten es andere Mitspieler seines Films wie Matt Damon.

Auch die „Nymphos“ wollen nicht sprechen: Die Nymphos – so werden salopp jene Schauspieler genannt, die in Lars von Triers Sexsucht-Film „Nyphomaniac“ auftreten. Also Charlotte Gainsbourg etwa, oder Stellan Skarsgård. Sie alle haben für Berlin ihre Lippen versiegelt.

Und Lars von Trier tritt sowieso vor keine Presse mehr, nachdem er sich zuletzt in Cannes mit seinen Nazi-Sagern verplappert hatte. „Nyphomaniac Volume 1“ – die Langfassung – wird am Sonntag außer Konkurrenz gezeigt und mit Spannung erwartet. Und dass Sex im Kino immer zieht, bewies sich gleich von selbst: Karten für die Vorstellung waren innerhalb von drei Minuten komplett ausverkauft.

Publikumsfestival

Überhaupt das Publikum: Die Berlinale gilt mit ihren fast 500.000 Besuchern als größtes Publikumsfestival der Welt. Festivalchef Dieter Kosslick lässt dementsprechend auch keine Gelegenheit ungenützt, dies zu betonen. Und nachdem Genuss und Kino für ihn eng zusammen gehören – Kosslick ist ein großer Anhänger der Slow-Food-Bewegung – hat er nicht nur eine Reihe namens „Kulinarisches Kino“ erfunden.

Auch der Potsdamer Platz – sonst mit seinen sterilen Geschäftsketten ein uncharismatischer Ort – wurde dementsprechend aufgerüstet. Direkt vor dem Berlinale-Palast wurde ein von Audi gesponserter Kubus hingestellt, in dem jeden Morgen für alle Akkreditieren feines Frühstück ausgegeben wird. Unvorstellbarerweise gratis.

Und in unmittelbarer Nähe fahren täglich schicke Wohnmobile mit Namen wie „Heisse Hobel“ vor und verkaufen dem hungrigen Zuseher erstklassige Designer-Sandwiches.

„Zurück in den Zoo“ lautet eine weitere Parole, die Kosslick stolz ausgerufen hat: Der legendäre Zoo Palast, ein Klassiker alter Kino-Monumente, wurde renoviert und neu eröffnet – als ehrgeizige Mischung aus Plüschkino und Multiplex-Hochburg.

Dort wird am Montag Abend auch Andreas Prochaskas mit großer Vorfreude erwarteter Alpenwestern „Das finstere Tal“ Premiere haben.

Überblick: Die Wettbewerbsfilme

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