© Mila Zytka

Kultur
10/07/2021

Das "Kleine Haus der Kunst" von Gastronom Ho und Galerist König

Der Berliner Galerist zeigt im ehemaligen Novomatic-Forum Skulpturen von Künstlerinnen

von Michael Huber

Es war ein smarter Zug, Johann König als Partner zu gewinnen: Der Berliner Galerist betreibt Kunsträume und Projekte in aller Welt, betreut einige zentrale Künstlerinnen und Künstler der Gegenwart und hat damit besseres Szene-Standing als Martin Ho, der mitunter zwar auch als Kunsthändler agiert, mit seiner „Dots Group“ aber doch primär als Betreiber schicker Gaststätten in Österreich bekannt ist.

Nachdem sich König, wie er im Gespräch mit dem KURIER bestätigt, lange Zeit vergeblich um den ehemals von Francesca Habsburgs "TBA21" bespielten Atelier-Pavillon im Wiener Augarten bemüht hatte, ist er nun direkt gegenüber der Secession gelandet: Im ehemaligen Verkehrsbüro-Gebäude, im dem zuvor das "Novomatic Forum" residierte, agiert nun,  nach einer vom Denkmalamt beanstandeten Renovierung, Martin Ho als Pächter. Künstler Erwin Wurm agierte als Vermittler: Er wird von König vertreten und ist mit Ho bekannt, der Unternehmer besitzt auch einige seiner Werke.
 

Eines davon ist nun vor dem "Kleinen Haus der Kunst" postiert, ein Spiegelobjekt von Alicja Kwade begrüßt dazu die Besucherinnen und Besucher am Eingang. Die eigentliche Ausstellung im Innenraum findet im zentralen Atrium statt, das früher vor allem für Veranstaltungen genutzt wurde; weitere Werke finden sich auf der Galerie, von der man in den Saal hinab blickt.

 

Den Kunstkritiker lässt das Arrangement etwas ratlos zurück. Denn es ist kein programmatisches Statement eines neuen Galeriestandorts, sondern schlicht eine Aneinanderreihung von Skulpturen bekannter Künstlerinnen: Ein halbverspiegeltes Lichtobjekt von Brigitte Kowanz ist zu sehen, daneben ein Gebilde aus Gürteln der Künstlerin Monica Bonvicini; am Boden ein Arrangement mit Toastern (!) von Jessica Stockholder oder ein Plüsch-Objekt der Künstlerin Ayaku Rokkaku. Ein roter Faden ist nicht wirklich zu erkennen - außer wenn man vielleicht den Umstand, dass "praktisch jedes Material vertreten" ist, wie König sagt, bereits als Konzept durchgehen lässt. Aber die Objekte treten nicht wirklich in Dialog, es herrscht eher die Atmosphäre eines Kunstmessestandes.

Dass mit der Schau, wie König sagt, ein Manko der Unterrepräsentation am Kunstmarkt ausgeglichen würde, wirkt ebenfalls nicht ganz glaubwürdig: Stammen die gezeigten Werke doch von hochgradig arrivierten Persönlichkeiten, von denen einige – etwa Monica Bonvicini, Brigitte Kowanz oder Katharina Grosse – bereits von Wiener Galerien vertreten werden. Mit ihnen habe man Kooperationen vereinbart, die Sichtbarkeit der gezeigten Künstlerinnen sei im Sinne aller, betont König. Es handle sich auch nicht um eine Verkaufsausstellung, wenngleich einige der Werke über die Galerien auch käuflich zu erwerben sind. Dies sei aber gegenüber in der Secession nicht anders, sagt König mit einem kleinen Seitenhieb auf die nur scheinbar unkommerzielle Sphäre der Institutionen.

 

Die Idee der „Repräsentanzgalerie“ findet König allerdings „total uninteressant“, ihm geht es um die „nicht elfenbeinturmartige Präsentation von Kunst“. Hier trifft er sich mit Ho, der das Art-Deco-Gebäude auf der Verkehrsinsel zu einem öffentlichen Ort machen will. Vielleicht wird ein Publikum, das bisher die vielen nahe gelegenen Galerien verschmähte, ja das „Kleine Haus der Kunst“ durchs holzgetäfelte Entree oder durch das angrenzende Restaurant betreten. Der Eintritt ist (wie übrigens auch bei allen anderen Galerien) frei. 

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