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Kultur
11/07/2019

Caroline Peters ist die neue Buhlschaft der Salzburger Festspiele

Sie folgt als "Jahrhundertbuhlschaft" in der 100-Jahr-Ausgabe 2020 auf Valery Tscheplanowa.

von Georg Leyrer

Zum 100-Jahr-Jubiläum der Salzburger Festspiele gibt es eine neue Buhlschaft: Die deutsche Schauspielerin Caroline Peters wird 2020 in der ikonischen Rolle im "Jedermann" zu sehen sein. Sie sei damit die "Jahrhundertbuhlschaft", sagte Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler.

Peters (48) zählt zu den prominentesten Darstellerinnen des deutschsprachigen Gegenwartstheaters - und ist auch in Film und Fernsehen präsent wie beliebt. 2016 und 2018 wurde sie von der Fachzeitschrift „Theater heute“ als Schauspielerin des Jahres ausgezeichnet, im Vorjahr erhielt sie den „Nestroy“ als Beste Schauspielerin für ihre Rollen in Simon StonesHotel Strindberg“. In der Begründung dafür heißt es: „Es gibt scheinbar nichts, was diese große Schauspielerin nicht kann. Egal, ob auf der Bühne, im Film oder Fernsehen: Caroline Peters verkörpert nicht nur einzelne Rollen, sondern lebt sie mit einer oft beängstigenden, zu Herzen gehenden Intensität. Sie ist eine Verwandlungskünstlerin im allerbesten Sinne.“

Die Premiere des Jubiläums-„Jedermann“ in Michael Sturmingers Inszenierung findet am 18. Juli 2020 statt.

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Peters zum Jedermann: "Mich reizt die Tradition daran"

Peters habe den "Jedermann" bisher ein Mal gesehen - "aber da hat es geregnet, und es war im Haus. Am Domplatz habe ich es wirklich noch nie gesehen", sagte sie.

"Es ist nicht einfach ein altes Stück, dass mal so aufgeführt wird. Das Geheimnis dahinter, das mich interessiert, ist dass es jedes Jahr aufgeführt wird", sagt Peters. "Mich reizt die Tradition daran. Aber nicht in dem Sinne: Es muss um jeden Preis immer gleich bleiben. Sondern: Wir stellen eine Verbindung her zu Menschen, die vor 100 Jahren gelebt haben. Und hoffentlich auch zu denen, die in 100 Jahren leben." Die "Jedermann-Welt" sei ein "eigener Kosmos", den sie bisher "mehr aus der Ferne betrachtet" habe. "Vorher kann man sich gar nichts vorstellen. Hinterher ist man immer schlauer."

Man habe als Buhlschaft zwei Aufgaben: Die schauspielerische - "auftreteten und am Schluss wieder abtreten" - und "das Amt, das man übernimmt". Sie habe "ein bisschen länger gebraucht", sich für die Rolle zu entscheiden. Denn die "Buhlschaft" sei mehr als nur eine schauspielerische Aufgabe. Sie war sich "im Vorfeld nicht so sicher, ob das ein reines Vergnügen" werde. Es gebe da auch eine andere Art von Öffentlichkeit, aber "die Neugierde hat gesiegt". Sie wollte nicht "zehn Jahre nachdenken, warum hast du nicht? Wenn es schief geht, dann weiß ich das wenigstens. Aber es kann ja auch gut gehen!"

Sie habe die aktuelle Inszenierung nicht live, sondern als Aufnahme gesehen, aber "sie gefällt mir sehr, sehr gut". Sie habe mit Moretti "noch nie direkt gespielt", weder im Theater noch im Fernsehen. Und in der Reihe ihrer Vorgängerinnen sei sie ein Fan von u.a. Senta Berger und Birgit Minichmayr.

Das Kleid: Vielleicht gelb?

Auch das Kleid war Thema: Gibt es einen Farbwunsch? "Ich liebe eine Farbe, die niemand schätzt, Gelb. Die vergnügt mich. Aber sie ist keine seriöse Farbe. Ich bin für starke Farben zu haben."

Eine "Jahrhundertbuhlschaft" könne es "eben nur alle 100 Jahre geben. Mal sehen, wer das im Jahr - jetzt darf ich mich nicht verrechnen - 2120 sein wird", sagt Peters.

„Ihr Spiel zeugt von tiefem Gefühl und einer sensiblen Intelligenz für die ambivalenten Beweggründe ihrer Charaktere“, heißt es in der Presseunterlage zur Bekanntgabe der Buhlschaft im „Jedermann“ 2020.

Bei den Salzburger Festspielen trat Caroline Peters 2005 zum ersten Mal auf - in der Uraufführung von Rene Polleschs „Cappuccetto Rosso“. 2006 war sie die Rosalie in Martin Kusejs Inszenierung von Johann Nestroys „Höllenangst“, im Vorjahr spielte sie in der Regie von Burkhard C. Kosminski eine mitten im Wahlkampf stehende engagierte Kleinstadt-Bürgermeisterin in Theresia Walsers Uraufführung „Die Empörten“.

"Kürzere Lebensdauer als die Jedermänner"

Zuletzt hat die prominente Kleinrolle rasch gewechselt: 2016 hatte Miriam Fussenegger die Buhlschaft gespielt. Dann folgte Stefanie Reinsperger - an der Seite von Tobias Moretti, dem aktuellen Jedermann, der auch 2020 zum 100-Jahr-Jubiläum der Festspiele die Rolle verkörpern wird. Reinsperger blieb jedoch nur zwei Sommer lang. Heuer wurde sie durch Valery Tscheplanowa - singend im Glitzerhosenanzug - ersetzt, aber auch Tscheplanowa stand nur ein Jahr als Buhlschaft zur Verfügung.

"Die Buhlschaften haben eine kürzere Lebensdauer als die Jedermänner", sagte Schauspielchefin Bettina Hering. "Das ist ein Teil dieser DNA, dass man in kürzeren Abständen den Staffettenstab weitergibt."

Peters sei "für dieses Jahr gefragt worden", über die Dauer könne sie noch nichts sagen.

Der Jedermann und die Buhlschaft im Lauf der Geschichte

Jedermann:

  • 1920-1921/1926-1931 Alexander Moissi
  • 1932-1934 Paul Hartmann
  • 1935-1937 Attila Hörbiger
  • 1946 Ewald Balser
  • 1947-1951 Attila Hörbiger
  • 1952-1959 Will Quadflieg
  • 1960-1968 Walter Reyer
  • 1969-1972 Ernst Schröder
  • 1973-1977 Curd Jürgens
  • 1978-1982 Maximilian Schell
  • 1983-1989 Klaus Maria Brandauer
  • 1990-1994 Helmuth Lohner
  • 1995-1998 Gert Voss
  • 1999-2001 Ulrich Tukur
  • 2002-2009 Peter Simonischek
  • 2010-2012 Nicholas Ofczarek
  • 2013-2016 Cornelius Obonya
  • seit 2017 Tobas Moretti
  • 2018 Philipp Hochmair (am 9., 11., 12., 14. und 16. August als Einspringer für den erkrankten Tobias Moretti)


Buhlschaft:

  • 1920-1921 Johanna Terwin
  • 1926-1937 Dagny Servaes
  • 1946 Grete Zimmer
  • 1947 Elfi Gerhart
  • 1948-49 Maria Becker
  • 1950-1951 Judith Holzmeister
  • 1952 Lola Müthel
  • 1953-1955 Heidemarie Hatheyer
  • 1956-1959 Martha Wallner
  • 1960Sigrid Marquardt
  • 1961-1962 Ellen Schwiers
  • 1963 Maria Emo
  • 1964 Anna Smolik
  • 1965-1966 Eva Kerbler
  • 1967-1968 Nadja Tiller
  • 1969-1972 Christiane Hörbiger
  • 1973 Nicole Heesters
  • 1974 Christiane Hörbiger (bis auf eine Vorstellung eingesprungen für Senta Berger)
  • 1974-1978 Senta Berger
  • 1979 Christiane Buchegger
  • 1980-1982 Senta Berger
  • 1983-1986 Marthe Keller
  • 1987-1989 Elisabeth Trissenaar
  • 1990-1993 Sunnyi Melles
  • 1994-1997 Maddalena Crippa
  • 1998 Sophie Rois
  • 1999-2001 Dörte Lyssewski
  • 2002-2004 Veronika Ferres
  • 2005-2006 Nina Hoss
  • 2007 Maria Bäumer
  • 2008-2009 Sophie von Kessel
  • 2010-2012 Birgit Minichmayr
  • 2013-2015 Brigitte Hobmeier
  • 2016 Miriam Fussenegger
  • 2017-2018 Stefanie Reinsperger
  • 2019 Valery Tscheplanowa
  • 2020 Caroline Peters