© Matthias Horn / Burgtheater

Kritik
02/24/2020

"Das Interview" im Akademietheater: Aus der Zeit gefallen

Birgit Minichmayr in erster Premiere´nach ihrer Rückkehr ins Burgtheater-Ensemble.

von Guido Tartarotti

Die Premiere von „Das Interview“ im Akademietheater ist ein Schnellschuss – und zugleich auch wieder nicht.

Geplant war für diesen Abend Kornel Mundruczos Inszenierung von Kata Webers Stück „Tosca“ nach der Puccini-Oper. (Der Regisseur hatte bei den Salzburger Festspielen mit „Liliom“ für Furore gesorgt.) Aber die Inszenierung wurde zunächst verschoben und schließlich knapp drei Wochen vor der Premiere wegen „künstlerischer Differenzen“ abgesagt.

Burgtheaterdirektor Martin Kušej sprang ein – und inszenierte „Das Interview“ nach dem Film von Theo van Gogh. Das Stück ist für ihn aber nicht neu: Schon vor elf Jahren brachte er es in Zürich heraus (mit einem Wien-Gastspiel), schon damals spielte Birgit Minichmayr die weibliche Hauptrolle).

Man kann über das Stück nicht sprechen, ohne von Theo van Gogh zu erzählen. Der niederländische Autor und Satiriker galt als Provokateur, der mit Attacken auf Islam, Judentum und Christentum auffiel, gleichzeitig aber ein scharfsinniger Zeit-Beobachter war. 2004 wurde er von einem islamistischen Extremisten ermordet.

Van Goghs Film „Das Interview“ kam 2003 heraus und zeigt ein kammerspielartiges Wort-Duell zwischen einem Journalisten und der Schauspielerin Katja Schuurmann, die sich selbst spielte. Der Film war ein Misserfolg, dennoch plante Van Gogh eine Hollywood-Neuverfilmung mit Madonna in der Hauptrolle. Erst nach Van Goghs Tod wurde der Stoff in den USA neu verfilmt (ohne Madonna). Die Bühnenfassung kam 2007 heraus und wurde zum Erfolg.

Handlung.

Der Journalist Pierre Peters ist genervt. Statt vom Rücktritt der Regierung berichten zu dürfen, muss er die Darstellerin von mittelmäßigen TV-Serien interviewen, die ihn nicht interessiert und die ihn noch dazu warten lässt.

Die Schauspielerin Katja ist ebenfalls genervt. Statt einem geschmeidigen Gesellschaftsreporter steht sie einem arroganten, kriegstraumatisierten Autor gegenüber, der zuerst gar keine Fragen stellt – und dann sehr unangenehme.

2013 inszenierte Christina Tscharysiki den Stoff in der Josefstadt mit Alexander Pschill und Alma Hasun kurz, knapp und lakonisch-hart. Kušej setzt im Akademietheater ganz auf die Verführungskraft seiner Darsteller. Oliver Nägele zeigt den an Körper und Seele schwer verletzten Journalisten als sich zynisch gebenden „harten“ Kerl, der doch immer der „Wahrheit“ auf die Spur kommen will. Birgit Minichmayr spielt die Katja als tolle Schauspielerin, die vorgibt, eine schlechte Schauspielerin zu sein – ein Bravourstück, teilweise hart an der Grenze zur Übertreibung.

Die Inszenierung kommt zunächst nicht recht in die Gänge, steigert sich aber zum furiosen, brutalen Finale hin (hier wird nichts verraten) immer mehr.

Social Media

Das Problem dieses Abends: Er ist aus der Zeit gefallen. Die Medienwelt hat sich seit 2003 drastisch verändert. Heute dominieren die „Social Media“, es braucht keine Klatschreporter mehr, um Stars Geheimnisse zu entlocken – die geben sie selber preis, auf Facebook und Instagram.

Der Versuch, die Handlung an den „Ibiza“-Skandal anzudocken – zuerst sieht man Armin Wolf in der „ZIB2“, dann schaltet Katja auf ihre eigene Serie um, mit Daniel Jesch in einer wunderschönen Gastrolle – bringt sehr witzige Momente, wirkt aber aufgesetzt.

Das Premierenpublikum war mit dem 90-minütigen Abend zufrieden, es gab viel Applaus und einige Bravos.

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