Prächtig saniert, doch hinter der Fassade des Seitentrakts bleibt das Künstlerhaus eine Ruine: Es gibt kein Okay für das Brut-Theater 

© APA/HERBERT NEUBAUER

Theater
11/12/2019

Darbende Szene in Wien: Die Ruinen der Theaterförderung

Trenklers Tratsch: Die Wiener Kulturstadträtin hat viel Verständnis. Aber kein Geld – auch nicht für das Brut im Künstlerhaus.

von Thomas Trenkler

Veronica Kaup-Hasler hat ein echtes Problem: die ausreichende Finanzierung der Theaterlandschaft. Mitunter meint man sogar, dass die Wiener Kulturstadträtin der Situation, die sie von ihrem Vorgänger Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) geerbt hat, eher hilflos gegenübersteht. Auch deshalb, weil das zu geringe Budget nicht immer nachvollziehbar verteilt wird.

Jakub Kavin, der das legendäre Theater Brett im Jänner als TheaterArche reanimierte und gleich mit seiner ersten Produktion „Anstoss“ für einen Nestroy-Preis nominiert wurde, bekommt keinen Euro. Er bekommt auch keinen Termin bei Kaup-Hasler. Obwohl er mit viel Herz ein Theater der Inklusion macht, von dem andere nur faseln.

Das Kulturamt stellte den Theatermacher mit dem Hinweis, dass die Stadträtin sicher zur nächsten Premiere kommen werde, ruhig. Was sie nicht tat. Wen wundert’s?

Mit sehr vagen Versprechungen ruhig gehalten wird zudem Alexander Pschill. Er gründete vor zwei Jahren das Bronski & Grünberg, das richtig trashiges Theater macht.

Das Le Studio hingegen erhielt noch vor der Eröffnung im September eine nette Subvention. Beste Beziehungen zahlen sich eben aus.

Beziehungen führen auch dazu, dass manche Theatermacher kein großes Vertrauen mehr in ihre Standesvertretung haben. Erst kürzlich formierten sich 15 Mittelbühnen zum „Pakt Wien“, unter ihnen Werk X, Brut, Nestroyhof, TAG, Rabenhof, Schauspielhaus und Tanzquartier. Man fordert u. a. eine massive Anhebung der seit Jahren stagnierenden Fördermittel.

Der Präsentation vorangegangen war ein „informeller Austausch“ mit Kaup-Hasler, die „Verständnis“ für die prekären Arbeitssituationen gezeigt habe. Verständnis zu zeigen ist als Politikerin relativ einfach. Kostet ja nichts.

In einer ganz besonderen Zwickmühle befindet sich das von Kira Kirsch geleitete Koproduktionshaus Brut. Es ist zu befürchten, dass es seinen bisherigen Spielort, den rechten Seitenflügel des Künstlerhauses, verliert, weil Wien die Mittel für die Renovierung nicht aufbringen will.

Anfang der 1970er-Jahre wurde in den sogenannten Französischen Saal ein Theater für die Komödianten eingebaut. Als Pächter fungierte im Auftrag der Stadt der Kunstverein Wien. 1987 beschloss die damalige Kulturstadträtin Ursula Pasterk (SPÖ), das Theater zusammen mit jenem im Konzerthaus der freien Szene zur Verfügung zu stellen. Anfang 1989 trat der neugegründete Theaterverein Wien in den Pachtvertrag ein, die Bühnen wurden fortan als „dietheater“ geführt. 2007 folgte die Umbenennung in „Brut“.

2016 kam es im Künstlerhaus zu einem Eigentümerwechsel: Hans Peter Haselsteiner wollte Ausstellungsflächen für die „Albertina modern“ von Klaus Albrecht Schröder schaffen – und er finanzierte die seit Langem anstehende Sanierung. Brut musste daher das Theater verlassen. Und der Pachtvertrag mit dem Theaterverein Wien wurde einvernehmlich gelöst.

Nach Ende der Arbeiten, die demnächst abgeschlossen sind, sollte Brut wieder einziehen. Aber Haselsteiner muss natürlich nicht auch die Infrastruktur finanzieren. Zunächst wurden die Kosten auf 2,3 Millionen Euro geschätzt; doch dann entdeckte man, dass ein irgendwann eingebautes Geschoß nicht ganz rechtens ist. Diese zusätzlich erforderliche Sanierung und die Extrawünsche (Probensaal, Lift, Klimatisierung) trieben die Kosten auf über fünf Millionen Euro.

Kaup-Hasler wollte aber nur 800.000 Euro locker machen. Und so bleibt das Theater einstweilen geschlossen: außen saniert, innen Bruchbude. Wenn die Stadt nicht ihr Okay gibt, so lange die Strabag-Baustelle eingerichtet ist, wird es echt teuer.

Man scheint sich aber ohnedies schon vom Künstlerhaus verabschiedet zu haben: Das Brut will zusammen mit einem Partner das leer stehende Atelier Augarten bespielen. Die Burghauptmannschaft gibt das Gelände aber nicht gratis her. Und ohne gröbere Adaptierungen wird es auch da nicht gehen.

Ob das wirklich der Weisheit letzter Schluss ist? Schröder dürfte sich jedenfalls freuen. Denn dann hat er noch mehr Raum für Kunst.

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