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Les Misérables
02/16/2013

"Damit ich als Tote richtig aussehe"

Das Filmmusical "Les Misérables" bringt Anne Hathaway und Hugh Jackman betörend zum Singen.

Anne Hathaway singt (und wie!). Hugh Jackman singt auch, dass der Rauschebart zittert. Und selbst der Gatsch im Frankreich des Jahres 1816 scheint im Takt von Armut, sozialer Ungerechtigkeit und Revolution zu knistern.

Das ist freilich alles andere als lustig. Handelt es sich doch um die neue große Musicalverfilmung von Disney, „Les Misérables“ (ab kommenden Freitag im Kino.) Und die ist, man muss es zugeben, ziemlich rührend.

Vier Oscars hat der britische Regisseur Tom Hooper mit „The King’s Speech“ über den stotternden König Edward gewonnen. Für seine zweieinhalbstündigen „Les Misérables“ ist er nun schon wieder für acht nominiert.

Das ist nicht einmal ungerecht. Hooper setzte nämlich auf eine „das Filmmusical revolutionierende Neuerung“ (Hooper über Hooper in aller Bescheidenheit.)

Eindrücke aus "Les Misérables"

Les Miserables - Honorarfrei!!! …

Les Miserables - Honorarfrei!!! …

Les Miserables - Honorarfrei!!! …

Les Miserables - Honorarfrei!!! …

Les Miserables - Honorarfrei!!! …

Les Miserables - Honorarfrei!!! …

Les Miserables - Honorarfrei!!! …

Les Miserables - Honorarfrei!!! …

Les Miserables - Honorarfrei!!! …

Les Miserables - Honorarfrei!!! …

Les Miserables - Honorarfrei!!! …

Er ließ alle Schauspieler bei allen Takes am Set selber und live singen, statt wie üblich im Studio voraufzuzeichnen. Musikalisch wurden sie dabei von am Set versteckten Pianisten begleitet. Die Darsteller waren mit ihnen über – für die Kamera unsichtbare – Minikopfhörer verbunden. Das führte zu immer wieder umwerfenden Momenten: Wenn etwa die kurz geschorene Anne Hathaway „I dreamed a dream“ singt, leise, fragil und in Großaufnahme, dann ist das betörend zerbrechlich und vor allem glaubwürdig. Großes Emotionskino also und nicht bloßer Kitsch.

Anne Hathaway übertrumpft dabei alle. Sie hatte das Stück zum ersten Mal als Siebenjährige gesehen. Da sang ihre Mutter dieselbe Rolle der Prostituierten Fantine. Es war der Moment, „als ich beschloss, Schauspielerin zu werden“.

Doch sie musste sich ziemlich bemühen, um überhaupt eine Audition zu bekommen. Man fand, sie hätte nicht das richtige Alter. „Beim Casting sang ich dann eine Stunde lang ,I dreamed a dream‘ . Ich beobachtete dabei, ob wer auf die Uhr schaut oder schon eingeschlafen ist. Am Ende sah ich, dass Tom Hooper die Tränen runterliefen und dachte: Das ist eher ungewöhnlich.“

Runterhungern

Nicht ungewöhnlicher als sie selbst. Hathaway hungerte sich nicht nur 15 Kilo herunter: „Hauptsächlich, damit ich als Tote richtig überzeugend aussehe.“ Sie ließ sich auch vor laufender Kamera ihr langes Haar für die Rolle schneiden und fast eine Glatze scheren. „Nur die zwei Zähne habe ich mir für den Film nicht wirklich ausbrechen lassen“. Auch Hugh Jackman, ehemals schönster Mann der Welt, hatte zunächst mit Vorurteilen zu kämpfen, obwohl der Australier ausreichend Musicalerfahrung mitbrachte („Die Schöne & das Biest“).

Er wurde für die Rolle des Jean Valjean gecastet, jenem Ex-Sträfling, der durch einen Priester eine zweite Chance im Leben bekommt, zum honorigen Bürger aufsteigt und dennoch lebenslang vom Polizisten Javert verfolgt wird (ja, Russell Crowe singt ebenfalls). „Als ich den Castingraum betrat, konnte ich die Gedanken in Toms Augen lesen: ,Na, ob der Typ das kann?‘“ .

Er konnte. Nach vier Stunden Probesingen („Wir sind die Songs immer und immer wieder durchgegangen) stand auch das fest. Obwohl Hooper wollte, dass „ich wie ein Ochs von einem Mann bin, also sehr stark, und gleichzeitig besorgniserregend dünn. Was keine einfache Kombination ist“.

Auch das Singen am Set entpuppte sich als nicht gerade leicht. Jackman: „Ich erinnere mich an einen Morgen in einer Kapelle, da konnte man beim Singen meinen Atem sehen, so bitterkalt war es. Aber so klingt es dann auch: glaubwürdig und nicht so synthetisch wie aus dem Studio. Jetzt wirkt es großartig, aber es ist einer der härtesten Jobs, die ich jemals gemacht habe.“

Weltweit 60 Mio Besucher

Klassiker: 30 Filme und TV-Produktionen basieren bereits auf Victor Hugos Roman „Die Elenden“ aus dem Jahr 1862. Tom Hoopers Film ist die erste Kinoadaption des zugehörigen Musicals „Les Misérables“, das 1980 in Paris Uraufführung hatte.

Wien-Erfolg: 60 Millionen Besucher haben seither das Musical gesehen. Komponiert wurde es von Claude-Michel Schönberg, getextet von Alain Boublil. Auch in Wien zählte „Les Misérables“ zu den erfolgreichsten Musicalproduktionen aller Zeiten.