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Literatur
07/17/2019

Commissario Montalbanos letzter Fall darf jetzt erscheinen

Nachruf auf den sizilianischen Schriftsteller Andrea Camilleri, der unveröffentlichte Manuskripte hinterlässt.

von Peter Pisa

Nicht nur Italien trauert um Andrea Camilleri ... der schrieb und schrieb, „der einzige Mensch, der entscheiden kann, ob ich zu viel oder zu wenig schreibe, das bin ich“.
 Als er im Alter erblindete, fand er das „irgendwie gut“, denn es lenke ihn nun nichts mehr ab, es störten auch keine Fliegen mehr, die seine Gedanken forttrugen.


Den letzten Roman mit Commissario Montalbano aus dem fiktiven sizilianische Städtchen Vigàta (= Camilleris Geburtsort Porto Empedocle) diktierte er.
Das heißt: Der wirklich letzte Fall, das Ende des  „geborenen Bullen“, liegt seit 2006 im Tresor des Verlegers und darf erst jetzt, nach dem Tod seines Schöpfers, veröffentlicht werden.
Diese Geschichte hatte Andrea Camilleri früh geschrieben, aus Angst, an Alzheimer zu erkranken.
Er starb Mittwoch 93-jährig  in der römischen Klinik „Santo Spirito“, nachdem er  im Juni einen Herzstillstand erlitten hatte. Italienische Politiker  würdigten ihn, er habe Liebe zur Literatur geschenkt, er hinterlasse eine Leere. Auch Innenminister Salvini würdigte ihn als „unermüdlichen Erzähler seines Siziliens“.
Camilleri hatte Salvini immer wegen dessen Unmenschlichkeiten scharf kritisiert: Es rufe Brechreiz in ihm hervor, wenn sich der Chef der rechten Lega mit einem Rosenkranz zeige.

Am Schluss

Er hätte sich bestimmt auch gern am vergangenen Montag zur Flüchtlingspolitik geäußert: Ein Auftritt in den Ruinen der antiken Thermen von Caracalla in Rom war geplant gewesen.
Genau so hätte der Schriftsteller, der erst mit 70 begann, Romane zu schreiben – vorher war er Lehrer und Theater- und TV-Regisseur –  seine Karriere am liebsten beendet:
Er steht auf einem Platz und erzählt Geschichten  und bittet am Schluss die Zuschauer um eine Münze.
Reich machten ihn die Krimis.  26 Montalbano-Bücher sind bisher in deutscher Übersetzung erschienen.
Von 40 fertigen italienischen Verfilmungen wurden vier in Österreich noch nicht gezeigt. Die 38 Romane ohne Montalbano waren Camilleri zwar wichtig, weil historisch, brachten aber weniger Erfolg.

Versteckt in  einem Kasten liegen noch viele Manuskripte.

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