© v/Alexi Pelekanos

Kritik
10/05/2020

"Christoph Kolumbus" in St. Pölten: Wenn arme Äffchen auf große Seefahrt gehen

„Christoph Kolumbus“ von Miroslav Krleža in St. Pölten.

von Peter Jarolin

In seiner Heimat ist der kroatische Schriftsteller Miroslav Krleža (1893–1981) überaus populär. In unseren Breiten aber sind Werke des Dramatikers nur selten auf den großen Bühnen zu sehen. Zu Unrecht, wie das Landestheater Niederösterreich mit der deutschsprachigen Erstaufführung des 1917 entstandenen Stücks „Christoph Kolumbus“ bewies.

Denn Krleža ging es dabei nicht um die historische Figur des spanischen Seefahrers und Entdecker Amerikas, sondern um grundsätzliche menschliche und gesellschaftliche Fragen. Wie weit kann und darf man für seine Visionen gehen? Soll man das sichere Alte, das Bekannte gegen eine neue „Politik der Ungewissheit“ eintauschen? Wie ist das mit dem Verhältnis zwischen Masse und Macht, wie lassen sich Menschen manipulieren?

Moritat

Das klingt alles sehr theoretisch? Ist es auch. Doch in der Inszenierung von Rene Medvešek – das Landestheater Niederösterreich hat mit den Vereinigten Bühnen Bozen koproduziert – kommen diese Fragen mit Wucht und Intensität daher. Denn der kroatische Regisseur hat aus dem Drama eine Art Oratorium gemacht, eine musikalische Moritat – ganz so, als wäre sie von Bert Brecht.

Ein kleines Modellschiffchen fährt anfangs über die leere, schwarze Bühne (Tanja Lacko und Medvešek), die sich im Laufe der 75 pausenlosen Minuten allmählich in das Deck eines großen Schiffes verwandelt. Seile, Taue, Segel und Trommeln geben den optischen wie auch den akustischen Rhythmus vor.

Sprachgewirr

Ein Gewirr aus drei Sprachen (Deutsch, Italienisch, Kroatisch) stellt auch die sozialen Kräfteverhältnisse auf diesem Schiff dar. Der Admiral (Kolumbus) und sein Vize, die Phalanx der beiden, die Matrosen und die Sklaven – es ist auch eine Reise der Verdammten, die Medvešek in Szene setzt.

Da wird die aufkeimende Revolution der Sklaven und Matrosen durch teils auch gesungene Heilsversprechen („Und morgen früh erreichen wir alle die Insel mit blauem Traum“) unterdrückt, da sinniert der Admiral auch über „die Entdeckung einer neuen Wirklichkeit“, um im nächsten Moment seiner Verachtung über die Besatzung Ausdruck zu verleihen. „Diese Äffchen!“, denen er Zuckerbrot und Peitsche gibt. Bis zu seinem eigenen Ende. . .

Das ist stark, klug, regt zum Nachdenken an und funktioniert perfekt. Denn Tim Breyvogel (als Admiral), Christoph Kail, Lukas Spisser, Ivana Krizmanić, Dennis Cubic, Doris Hindinger, Max G. Fischnaller, Emilia Rupperti und Sara Stanić bilden ein homogenes, ideal eingespieltes Ensemble. So kann tolles Theater aussehen.

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