Kultur
01.10.2018

Chansonnier Charles Aznavour 94-jährig verstorben

Französische Chanson-Legende war bis zuletzt aktiv. Durchbruch gelang ihm 1946 mit Hilfe von Édith Piaf.

Der weltberühmte Chansonnier Charles Aznavour ist 94-jährig verstorben. Der Sänger mit armenischen Wurzeln wurde mit Liedern wie „La Bohème“ und „Emmenez-moi“ berühmt. Als Schauspieler wirkte er in zahlreichen Filmen mit, darunter auch in „Die Blechtrommel“ von Volker Schlöndorff von 1979.

Noch im Dezember 2017 ist er in Wien aufgetreten. Er hat in seiner mehr als 70 Jahre langen Karriere über 1.000 Chansons komponiert.

Biografie

In Armenien wurde Charles Aznavour fast schon wie ein Heiliger verehrt. Sogar ein Kulturhaus wurde in der Hauptstadt Eriwan nach ihm benannt. An der Einweihung nahm damals auch Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy teil.

Er war ein Vielarbeiter: 200 bis 250 Konzerte gab er jährlich, als er 90 wurde, waren es nur noch 30. Der in Paris geborene Künstler hat sein ganzes Leben im Umfeld der Bühne verbracht. Als Knirps sang er im Restaurant seiner Flüchtlingseltern im Pariser Quartier Latin armenische Lieder und als Neunjähriger stand er erstmals auf der Bühne. Der Apfel fiel nicht weit vom Stamm. Aznavours Vater Mischa war, bevor er aus Armenien flüchtete, Bariton und seine Mutter Schauspielerin.

Der Durchbruch gelang ihm als Édith Piaf 1946 auf ihn aufmerksam wurde und mit ihm durch Frankreich und die Vereinigten Staaten tourte. Seine Lieder handeln von Liebe, Familie, Randgruppen und Armenien.

In seiner Jugend war Aznavour links eingestellt. „Eigentlich konnte man mich als Kommunisten bezeichnen, der verächtlich, vielleicht auch neidisch auf den Kapitalismus blickte“, gestand er der „ Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Später, als erfolgreicher Sänger und Schauspieler, habe er auf großem Fuß gelebt und einen Rolls Royce gefahren.

Aznavour stand für das ein, was er sang. Für sein Engagement, vor allem für Armenien, wurde er 1993 vom Präsidenten der Kaukasusrepublik zum „Sonderbotschafter für humanitäre Aktionen“ ernannt, 1995 bestellte ihn die Unesco zum Sonderbotschafter für Armenien und seit 2009 ist er armenischer Botschafter in der Schweiz.

Seinen Durchbruch zum Schauspieler schaffte er im Jahr 1960 mit „Schießen Sie auf den Pianisten“ von François Truffaut. Mit der Oscar-prämierten Verfilmung „Die Blechtrommel“ von Volker Schlöndorff wurde er als Schauspieler auch in Deutschland bekannt. 2008 gab er seinen Abschied von der Leinwand bekannt. Den als Sänger hatte Aznavour schon öfters angekündigt. Abschiede, die jedoch keine waren.