Kultur
03.03.2018

CDs der Woche

The Breeders, Superorganism, Anna von Hausswolff, Haley Heynderickx, The Regrettes - fünf CDs, die man jetzt hören sollte.

ROCK ALL NERVETHE BREEDERS

Kim „Cannonball“ Deal hat das legendäre Line-up ihrer CD „Last Splash“ wieder zusammengetrommelt und schenkt uns die erste echte Breeders-CD seit Ewigkeiten. Wenn die dann klingt als wären wir wieder mitten im Jahr 1993 – ist es genau das, was wir wollen. Die Singles „Wait“ und „All Nerve“ schürten die Vorfreude. Mit Songs wie der schaurigen Ballade „Walking With A Killer“, DER Mitsinghymne „Howl At The Summit“ und ihrem himmlisch dreckigen Cover von Amon Düüls „Archangel Thunderbird“ wird diese noch übertroffen. Danke, danke, danke! (4AD)

INDIEPOP SUPERORGANISMSUPERORGANISM

Sie sind die globale Pop-Band des 3. Jahrtausends. Die Mitglieder kommen aus Neuseeland, den USA, Südkorea, Australien, England, das musikalische Material wird an allen möglichen Enden der Welt bearbeitet, es wird geskyped und videogechatted, wenn man sich nicht an den Band-Hangouts in Maine, London oder Japan trifft. Und tatsächlich richtig gute Musik macht. „Reflections“, „Something For Your Mind“, „Everybody Wants To Be Famous“, „Nobody Cares“ – so muss guter, intelligenter Pop heute klingen. (Domino)

ELECTRONIC DEAD MAGICANNA VON HAUSSWOLFF

Die Schattenseiten menschlicher Erfahrungen – darum geht es der schwedischen Künstlerin. So gesehen ist das zwölfminütige „The Truth, The Glow, The Fall“ als Auftakt ein beinahe fröhliches Stück Musik. Zwischendurch nimmt es sogar einen sich langsam drehenden 6/8-Groove auf. Packend ist es sowieso. Genau wie die restlichen Songs. Licht und Dunkel wechseln einander ab, und auf einem Bett aus mächtigen Kirchenorgeln thronen Hausswolffs klare Stimme – und ihre melancholischen Melodien. (City Slang)

FOLK/BLUES I NEED TO START A GARDENHALEY HEYNDERICKX

Eine Prise Velvet Underground, ein bisschen Jolie-Holland-Folk und Sharon-Van-Etten-Spirit. Und ja, Joni Mitchell müssen wir hier auch bemühen, gesanglich, aber vor allem weil HALEY HEYNDERICKX auch richtig gut mit der Klampfe umgeht. Vom Fingerpicking Folk des Openers „No Face“ über das bluesy „Worth It“ – einen der schönsten Songs, die ich je gehört habe –, bis zum geschrummten „Drinking Song“ und dem melancholischen „Untitled God Song“ ist alles großartig, was hier zu hören ist. Und dann ist da natürlich noch die Zwei-Akkord-Hymne „Oom Sha La La“ – grandios!

ROCK/POP/PUNK ATTENTION SEEKERTHE REGRETTES

Sie sind in ihren späten Teens und frühesten Twens, leben in L.A. und machen Punk mit Pop- und Surf-Attitüde, auch Garagenrock und lauter so Zeugs, was junge Leute angeblich nicht mehr interessiert. Und: Lydia Night, Genessa Gariano und ihre Kumpels machen das so mitreißend und energiegeladen, dass man nicht anders kann als mitzuhüpfen, mit dem Kopf zu wackeln und die Luftgitarre auszupacken. Drei-Minuten-Songs und ebenso perfekte Covers: „A Teenager In Love“ – instant and true classics! (Warner)