Kultur
09.12.2017

CDs der Woche

Scattah Brain, Van Morrisson, The Staves, Major Lazer, Frank Turner - fünf CDs, die man jetzt hören sollte.

HIP-HOP/JAZZ/ROCK
ELECTRIC MIND STATE
SCATTAH BRAIN

Neue Band, großes Glück. Spät im Jahr erreicht uns noch eine CD, die das Zeug dazu hat, in sämtlichen Bestenlisten ganz oben zu stehen: „ELECTRIC MIND STATE“ des britisch-österreichischen Trios SCATTAH BRAIN. Spoken Word Poetry meets Hip-Hop, Jazz und Rock. Abgesehen vom Rock-Anteil kennen wir diesen großartigen Mix nur von Ausnahmekönnern wie Kendrick Lamar. Die rohe Intensität, die Jahson Scientist (voc), Andi Tausch (guit.) und Andreas Lettner (dr) auf dieser Scheibe erzeugen, ist aber kaum zu toppen, auch nicht von US-Superstars. Jahson hat nicht nur gute Punchlines, sondern tatsächlich was zu sagen, und was Andi Tausch aus seiner Gitarre rausholt, ist unglaublich. Zarte Jazz-Chords, harten Garagen-Funk, bei „Dictionary Definitions“ kommt ein Bluesrock-Riff dazu, für den Jack White töten würde. Und Songs wie „2022“, „Cold Train“, „Rockstar“ haben das Zeug für All-Time-Favorites. Etwas Besseres habe ich schon sehr lange nicht gehört.

FOLK
THE WAY IS READ
THE STAVES & YMUSIC

Ein Folk-Trio aus England und ein Kammerorchester aus New York City, dem E-Musik so wenig fremd ist wie die Songs von José González oder Bon Iver. Die Papierform verspricht eine spannende Begegnung – und das Ergebnis hat es tatsächlich in sich. Die drei ruralen Damen bestechen durch dreistimmigen Gesang und große Folk-Melodien, die New Yorker glänzen durch Virtuosität und musikalischen Wagemut. Verdammt starkes Stück Musik. (Warner)

POP/EDM
GIVE ME FUTURE
MAJOR LAZER

Diplo: Sonnyboy, Entrepreneur, Star-Produzent – und richtig gut auch noch. Von seinen frühen Arbeiten mit M.I.A. bis zum Millionenmainstream mit Beyoncé. Mit seiner eigenen Band Major Lazer spielte er 2016 als erster US-Act in Kuba. Unglaubliche Kulisse, die Crowd ging ab wie nur was und auch auf CD entwickeln Tracks wie „Particula“, „Lean On“, die spanischen „Pa'l Monte“ und „A lo cubano“ einen unglaublichen Groove. Achtung, mostly EDM, nix für Tanzmuffel! (Warner)

JAZZ
VERSATILE
VAN MORRISON

Zwei Alben in drei Monaten – nicht schlecht für einen 72-Jährigen. Diesmal spielt Morrison Standards. Gershwin, Sinatra, Chet Baker – dazu sechs eigene Songs, die sich dem Stil der Klassiker so anpassen, dass man an bisher verschollene Tracks der Altvorderen denkt. Das Einzigartige am alten grantigen Iren ist, wie er die Songs interpretiert: Er macht sie zu „seinen“, nie revolutionär, aber auch nie altbacken. Eine CD für lange Winterabende an der Whiskybar. (Caroline)

ROCK
SONGBOOK
FRANK TURNER

Sohn eines Bankers, Eton-Schulkollege von Prince William. Und ein aufrechter Linker, wie man sie nur in England findet. In seiner Heimat hat Turner sich den Ruf eines schwer arbeitenden Rock-Tiers erspielt, gilt als britische Antwort auf Bruce Springsteen. Praktischerweise gibt’s diese „Best of“-CD zum Nachhören. Und ja, Songs wie „I Still Believe“ oder „Get Better“ machen doch ehrlichen und einfachen Spaß. Und das ist ja gar nicht so schlecht. (Universal)