Kultur
07.01.2012

CD der Woche: Dokument einer Sternstunde

Selten waren sich Kritiker, Besucher im Wiener Musikverein und TV-Konsumenten so einig: Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker war ein musikalisches Ereignis.

Der Tonträger vom jeweiligen Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker zählt alljährlich zu den am schnellsten produzierten: Seit gestern, also nur sechs Tage nach dem Konzert, ist er bereits im Handel.

Die CD ist auch mit schöner Regelmäßigkeit das bestverkaufte Klassik-Album des Jahres. Wenn es nach künstlerischen Kriterien geht, sollte sich die aktuelle in besonders vielen Plattenschränken wiederfinden. Das zweite Neujahrskonzert unter der Leitung des lettischen Maestro Mariss Jansons war nämlich eine Sternstunde.

Aufgrund des raffiniert zusammengestellten Programmes, das Raritäten wie die „Rathausball-Tänze“ von Johann Strauß oder den Walzer „Wiener Bürger“ von Ziehrer mit Populärem wie der „Pizzicato-Polka“ oder der Polka „Unter Donner und Blitz“ vereinte, dazu symphonische Meisterwerke wie den „Delirien“-Walzer von Joseph Strauß oder erstmals Werke von Tschaikowsky (Ausschnitte aus dem Ballett „Dornröschen“).

Aufgrund der grandiosen Musiker, die mit Jansons eine wundervolle Einheit bildeten und für atemberaubende Präzision und höchste Klangkultur sorgten.

Und freilich aufgrund der Interpretation. Jansons setzte, herrlich nachzuhören auf der Doppel-CD, auf große Dynamik, teilweise enorme Tempi, auf Transparenz und Frische. Wie er etwa den „Donauwalzer“ gestaltete, das Stück aller Stücke bei diesem Anlass, war zutiefst wienerisch, mit allem Bekenntnis zur lustvollen Verzögerung und zum wilden Tanz. Wenn Sie diese Aufnahme mit anderen Neujahrskonzerten vergleichen, werden Sie von der klanglichen Farbenpracht, der gestalterischen Kraft und der Differenzierung überzeugt sein. Ein wirklich schlechtes Neujahrskonzert hat es noch nicht gegeben. Dieses ist eines der besten.

KURIER-Wertung: ***** von *****