© Cast Your Art/Screenshot/Vimeo

Kultur
03/19/2020

"Cast Your Art": Der Kunstkanal mit Sendungsbewusstsein

Seit 2008 produziert die Wiener Firma Filme und Podcasts über Ausstellungen und Künstler: Eine tolle, frei zugängliche Ressource

von Michael Huber

Die Präsentation der privaten Schweizer "Sammlung Hahnloser" in der Albertina war einer jener Ausstellungen, die in der letzten Zeit nicht mehr "drin" waren: Zu viel war in den Wiener Häusern los - bevor der brummende Frühjahrssaisons-Auftakt zu einem jähen Stopp kam.

Ein Trost ist der Ausstellungsfilm, den die Firma "Cast Your Art" für das Museum produziert hat: Er bietet einen Rundgang, ein Interview mit dem Kurator und hebt Highlights hervor.

 

Es ist das jüngste Video, das auf der Website des Wiener Anbieters aufscheint, der seit Jahren aus der heimischen Szene nicht wegzudenken ist: Ausstellungshäuser beauftragen das in Wien-Mariahilf ansässige Team ebenso mit Videoproduktionen wie Galerien oder einzelne Künstler. Die Filme laufen in Ausstellungen, auf Websites, sind aber auch auf der Homepage von Cast Your Art abrufbar. "Es war immer Teil unserer Unternehmenspolitik, dass der Inhalt frei abrufbar bleibt", sagt Firmengründer Wolfgang Haas im Gespräch mit dem KURIER. "Die einzige Einschränkung ist, dasss man sie nicht zu Kommerzialisierungszwecken nützt, also etwa in eine Werbung einbaut".

Videoporträt: Der Künstler Michael Kienzer

Natürlich sind die Videos, die "Cast Your Art" produziert, nicht frei von Interessen: Galerien und Museen bewerben damit ihre Projekte, Künstler und Künstlerinnen präsentieren sich damit selbst: "Bei vielen ist das eine Investition wie ein Katalog, nur eben in anderen Medien", sagt Haas. "Zu kommunizieren, macht heute ja eigentlich 50 Prozent der künstlerischen Arbeit aus." Ursprünglich war das Start-Up überhaupt als ein Kanal angelegt, der Kunstschaffenden die Selbstpräsentation erleichtern sollte - nach und nach schwenkte man aber auf die Zusammenarbeit mit Institutionen um.

Die Beiträge sind unterhaltsam und inhaltlich durchaus tiefschürfend angelegt. Kunstschaffende können darin ihre Arbeit in einem Umfang erläutern, der in den klassischen Medien manchmal nicht zur Verfügung steht; Kuratorinnen und Kuratoren kommen zu Wort. "Ich finde auch, dass Kunst im werberischen Umfeld schwer vermittelbar ist, man muss eigentlich immer inhaltlich werden", sagt Haas. "Insofern ist da schon ein gewisses Bewusstsein entstanden, das uns zugute kommt."

Video: Chaos - Cosmos. Die große Zaubershow - Künstler TOMAK im Gespräch (2019)

Der Langatmigkeit von Haas und seinem Team ist es zu verdanken, dass die Website der Firma mittlerweile als audiovisuelles Archiv des jüngeren Österreichischen Kunstgeschehens fungiert. Mehr als 500 Filme, so Haas, haben sich im Lauf der Jahre angesammelt, dazu Audio-Interviews und Hörbeiträge. Vergangene Ausstellungen können zumindest teilweise nachempfunden werden, wer will, kann sich auf Besuche in Museen - so sie wieder möglich werden - vorbereiten.

Video: Martin Kippenberger – Seine Sprache, Seine Kunst (2016)

Allein die Navigation durch die Vielfalt kann mitunter überrumpeln. Zwischen intuitivem Stöbern und stichwortgerichteter Suche will Haas demnächst neue Wege implementieren - so  sollen etwa Verkettungen anhand thematischer Zusammenhänge möglich werden, wer mag, kann sich dann etwa eine "Playlist" zum Wiener Aktionismus oder zu junger abstrakter Kunst zusammenstellen.

Da Museen und Kunsthäuser angesichts der Corona-Krise notgedrungen verstärkt darüber nachdenken, wie sie sich nach außen orientieren können, hofft "Cast Your Art"-Begründer Haas, dass sein Strom an Aufträgen nicht völlig abreißt: "Das Bewusstsein dafür, Online als eigenen Museumsraum zu begreifen, steigt", sagt er.

Video: Suse Krawagna - Abstract Painting Now! (2018)

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