Kultur
05.12.2011

Burgstallers Einladung an Ziegler aufgetaucht

Salzburger Festspiele: Der KURIER veröffentlicht jene Einladung an Jean Ziegler als Festredner, die laut Gabi Burgstaller keine gewesen sein soll. Mit Video.

Jean Ziegler, der bei den Salzburger Festspielen die Eröffnungsrede hätte halten sollen und von Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller wieder ausgeladen worden war, ist laut Burgstaller gar nicht eingeladen, sondern nur "angefragt" gewesen. Dem KURIER liegt allerdings jene Mail vor, in dem die Landeschefin den Schweizer Globalisierungskritiker geradezu bekniete, die Eröffnungsrede zu halten.

Eingangs bedankt sich Burgstaller in dem mit 21. Februar 2011 datierten Schreiben bei Ziegler für ein Telefonat, "es tat gut, wieder einmal die Stimme zu hören, die über die Jahrzehnte die Stimme von so vielen auf unserem Planeten geworden ist". Sie erinnert an einen Preis, den sie Ziegler 2008 überreichen durfte (Salzburger Zukunftspreis, Anm.) und eine schon damals ausgesprochene Einladung zu den Salzburger Festspielen ("Ich habe damals ganz bewusst ,auf Wiedersehen' gesagt").

Und dann konkret: "Aber vielleicht klappt es ja diesmal - umso eher, als ich in unserem Gespräche ja bereits eine ganz besondere Einladung angesprochen habe. Eigentlich schon mehr eine ganz persönliche Bitte: Heuer, am Mittwoch, 27. Juli, unser Festredner anlässlich des Festaktes zur Festspieleröffnung zu sein."

Burgstaller: Einladung nur als Brief "gültig"

Eineinhalb Monate später erfolgte die Ausladung Zieglers, wieder durch Gabi Burgstaller, wegen dessen angeblicher "Nähe" zu Libyens Muammar Gaddafi.

"Totaler Blödsinn", sagte Ziegler damals im KURIER-Interview, er sei bloß verschiedene Male bei Gaddafi eingeladen gewesen, weil seine Bücher auch auf Arabisch erschienen seien, "solche Einladungen nehme ich wahr, auch wenn sie von Halunken kommen". Ziegler vermutete die Intervention von drei Großsponsoren der Salzburger Festspiele hinter der Ausladung, was Burgstaller vehement bestreitet.

Sie sagte dem KURIER: "Es stimmt, ich habe diese Mail abgeschickt, aber dann in einem Telefonat Ziegler gesagt, dass die Einladung erst gültig ist, wenn er einen offiziellen Brief des Landes bekommt. Dieser Brief war fertig, ich wollte ihn auch abschicken, aber dann wurde ich auf die Gaddafi-Connection Zieglers aufmerksam gemacht. Deshalb habe ich den Brief nicht abgeschickt, also wurde die Einladung aus meiner Sicht nie offiziell."

Rede hätte Hungersnot in Ostafrika thematisiert

Ziegler, der sich auf die Rede gefreut hatte ("Die Geldsäcke hätten eine halbe Stunde zuhören müssen"), hat im Juli die Einladung zu einer Gegenveranstaltung ausgeschlagen, aber für den KURIER seine nicht gehaltene Rede zu Papier gebracht (sie erschien am 24. Juli, siehe Link unten). Darin schildert er in dramatischen Worten die aktuelle Hungersnot in Ostafrika und macht die "Spekulations-Banditen" dafür verantwortlich, dass das Geld für das Welternährungsprogramm drastisch gekürzt wurde.

Die Rede wurde von zahlreichen internationalen Zeitungen übernommen und vom ecowin-Verlag in einer eigenen Broschüre verlegt (Jean Ziegler: "Der Aufstand des Gewissens").

Lesen Sie Jean Zieglers Rede unter folgendem Link.

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