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Bundestheater-Chefin Hammerschmid: „Schon jetzt klafft eine Lücke“

Die neue Holding-Geschäftsführerin im Interview über Sparmaßnahmen und das – vorerst einmal – erfolgreiche Abwenden von Schließtagen.
Frau mit Brille spricht am Mikrofon und hebt beide Hände vor einem hellen Hintergrund.

Sonja Hammerschmid, bis 2016 Rektorin der Vetmeduni in Wien und danach für eineinhalb Jahre SPÖ-Bildungsministerin, folgte mit 1. April als Geschäftsführerin der Bundestheater-Holding auf Christian Kircher. Sie ist somit für die Rahmenbedingungen von Staats- und Volksoper sowie Burg- mit Akademietheater verantwortlich.

Wenn man die Oberösterreicherin, Jahrgang 1968, im Hanuschhof, der Zentrale, besucht, kommt man an einem Schaufenster der Staatsoper vorbei. Zu sehen ist ein arg zernepfter Teddy aus der Produktion „Die verkaufte Braut“. Ob das etwas zu bedeuten hat?

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Eine Metapher für den Zustand der Bundestheater? Auslage mit Teddy im Erdgeschoß der Zentrale Hanuschhof.  

KURIER: Ihre Hauptaufgabe ist es, genügend Geld für die Bundestheater zu lukrieren.

Sonja Hammerschmid: Genau, so verstehe ich den Job.

Wie machen Sie das?

Aufgrund der Aufforderung des Ministeriums, Szenarien durchzurechnen, haben wir mit den Häusern alle Kostenfaktoren sehr genau evaluiert, um die Konsequenzen darzustellen zu können, wenn tatsächlich Einschnitte kommen würden, und um auch Vizekanzler Andreas Babler erklären zu können: Was heißt das für dich als Kulturminister? Die Bühnengesellschaften waren am Anfang nicht so begeistert, aber ich konnte sie von der Wichtigkeit überzeugen.

Diese Arbeit begann doch bereits unter Christian Kircher …

Ich habe inoffiziell bereits im Jänner begonnen, war also von Anfang an dabei. Und ich wusste, dass wir diese Hausaufgabe sehr seriös erledigen müssen. In der Folge habe ich breites Lobbying gemacht und unsere „Ambassadoren“, also die Mitglieder unserer Aufsichtsräte, losgeschickt: Ihr müsst Bewusstsein dafür schaffen, was die Bundestheater leisten – und was es bedeuten würde, wenn man ihnen wehtut. Das ist ganz gut gelungen. Wir sind die Einzigen, die ohne Cut davongekommen sind.

Auch die Bundesmuseen bekommen 2027 und 2028 die gleiche Summe wie 2026.

Aber deren Bauprojekte wurden zurückgestellt. Wir sind mit einer Null ausgestiegen.

Was aufgrund der Inflation real einen Verlust bedeutet. Aber bleiben wir noch kurz bei den drei Szenarien: gleichbleibend, minus fünf Prozent und minus zehn Prozent. Was wären die Konsequenzen gewesen?

Selbst bei minus fünf Prozent hätten wir eine Spielstätte aufgeben müssen, und es hätte zwei Schließtage pro Woche in allen Häusern geben müssen.

Tatsächlich? Was hätte denn dann bei minus zehn Prozent gedroht?

Ein Szenario, das man sich gar nicht vorstellen will. Wir hätten alles bis auf die Kernbühnen schließen müssen – verbunden mit einer starken Reduktion der Vorstellungstage. Also: Minus zehn Prozent wäre gar nicht gegangen!

Und daher bezeichnen Sie ein gleichbleibendes Budget inklusive 2028 als einen Erfolg?

Ja, in Anbetracht der Einschnitte in anderen Politikbereichen ist das durchaus als Erfolg zu bewerten.

Naja, die Verteidigungsministerin braucht sich nicht zu beklagen. Und der Bildungsminister eigentlich auch nicht. Die Universitäten jaulen nur vorsorglich auf …

Es stimmt, sie haben eine Leistungsvereinbarung bis Ende 2027. Es geht also bei den Universitäten um den dreijährigen Zeitraum ab 2028. Und der ist in Diskussion. Gut, dass wir die Universitäten erwähnen, denn da gibt es eine Finanzierungslogik, die ich gerne auch für die Bundestheater hätte: eine dreijährige Vereinbarung, mit der sich planen lässt. Ich will alles daransetzen, sie zu erreichen.

Eine solche hat sich auch Ihr Vorgänger gewünscht – zumal die Bundestheater ja eine Dreijahresplanung vorlegen müssen, die der Aufsichtsrat zu bewilligen hat. Und da hakte es bereits mehrfach in der Vergangenheit.

Die Notwendigkeit gibt es aber aus einem anderen Grund: Wir haben insbesondere bei den Musiktheatern Vorläufe von drei Jahren und mehr. Wenn eine Operndirektion Verträge für das Jahr 2030 unterschreiben muss, muss sie wissen, mit welchen Summen sie operieren kann. Nichts wäre schlimmer, als wenn Verträge storniert und künstlerische Teams ausbezahlt werden müssten. Wir agieren mit Steuergeld.

Stefan Herheim, der Direktor des städtischen MusikTheaters an der Wien, musste vor knapp einem Jahr Produktionen canceln, weil sein Budget ohne Vorwarnung gekürzt wurde. Könnte den Direktoren der Bundestheater schlimmstenfalls fahrlässige Krida drohen?

Nein, das nicht. Es gibt rechtliche Gutachten dazu. Denn dem Eigentümer ist bekannt, dass wir mittelfristig Verträge unterschreiben müssen. Und wenn der Eigentümer das weiß, kann es keine Krida-Falle geben.

Dann kann Staatsoperndirektor Bogdan Rosčić also weiterhin planen, wie er es für richtig hält?

Nur in Vereinbarung mit der Holding. Aber wir haben schon jetzt gemeinsam breite Einschnitte und Sparmaßnahmen gesetzt. Sonst wäre es ja gar nicht gegangen.

Breite Einschnitte?

Natürlich, um beschlussfähige Budgets zu bekommen. Wir haben im Vergleich zum Vorjahr einen um 53 Millionen verbesserten Budgetplan vorgelegt. Das ist zu einem kleinen Teil den gestiegenen Kartenerlösen geschuldet. Und wir haben Maßnahmen auf allen Ebenen gesetzt. Bei den Instandhaltungen machen wir nur das, was zwingend notwendig ist – beispielsweise beim Brandschutz. Alle anderen Vorhaben schieben wir.

Da geht es Ihnen also doch ähnlich wie den Bundesmuseen …

Wir haben das Glück, dass in den letzten Jahren viel saniert werden konnte, die Häuser sind daher in einem sehr guten Zustand. Wir haben uns auch darauf verständigt, die Personalkosten einzufrieren. Das heißt: Bei Pensionierungen prüfen wir genau, ob Nachbesetzungen notwendig sind. Und wir setzen auf eine Effizienzsteigerung bei der Service-GmbH „Art for Art“, um bei den Bühnenbildern oder Kostümen mit den Kosten runterzukommen. Also: Krise gestalten – gemeinsam und verantwortungsvoll.

Unter der Auflösung wirklich aller Reserven ...

Ja, aber wir kommen zumindest durch die nächsten zwei Saisonen. Problematisch ist das Geschäftsjahr 2028/’29, das ist klar. Darüber muss ich jetzt mit dem Ministerium verhandeln. Eben weil unsere Bremswege lang sind. Sollte sich die Politik entscheiden, den gesetzlich verankerten Auftrag zu verändern, müssen wir sofort reagieren. Denn schon jetzt klafft eine Lücke: Wir bekommen 203 Millionen an Basisabgeltung – und geben allein für das Personal 252 Millionen aus. Das heißt, wir haben ein Delta von 50 Millionen. Um diesen Betrag muss ich laufen, das ist ganz klar.

Dieses Delta ist eine Auswirkung der extrem hohen Gehaltsabschlüsse für die Beamten in der Vergangenheit, die dann auch für die Mitarbeiter der Bundestheater galten.

Ja, die Abschlüsse mit 9,15 und 7,15 Prozent haben das Delta vergrößert. Aber jetzt haben wir bei den Personalkosten Stabilität: Die Gehälter steigen im März 2027 um 3,3 Prozent – und danach nur um die Erhöhung der Sockelbeträge, sprich in etwa um maximal ein Prozent. Wir können also besser kalkulieren.

Sie haben „Art for Art“ erwähnt. Wo kann man da einsparen?

Mein Vorteil ist, dass ich mit einem unverstellten Blick von außen alles hinterfragen kann. Zudem bringe ich Technologie-Affinität mit. Das heißt: Wir können auf der verwaltungstechnischen Ebene mit Unterstützung von digitalen Instrumenten eine Transformation in Gang setzen, sehr behutsam natürlich, damit man auch die Menschen mitnimmt auf diesen Weg. Das Ziel ist, die Bühnen frei zu spielen, damit sie bestmöglich strahlen können. Künstlerische Brillanz: Das ist das, was ich will.

Im Verwaltungsbereich wäre ein Einsparungspotenzial in der Höhe von wie vielen Vollzeit-Äquivalenten denkbar?

Wir sind derzeit in der Analysephase, daher will ich keine Zahlen nennen. Aber es gibt ein Potenzial, das ist überhaupt keine Frage. Auch bei der Erstellung der Bühnenbilder könnte mit digitalen Instrumenten recht viel gehen. Denn in der Praxis gibt es noch immer vielfache Änderungen im Zuge der Probenarbeiten. Und diese sorgen bei „Art for Art“ für viele Überstunden.

Ich dachte, die Zeiten sind vorbei.

Nein, nein! Diese Änderungen in der letzten Sekunde müssten aber nicht sein. Am sparsamsten ist die Volksoper, das muss man schon sagen. Sie ist auch sehr konsequent in Bezug auf Nachhaltigkeit, also bei der Wiederverwendung von Bühnenbildelementen und Kostümen

Die Bühnengesellschaften sind Miteigentümer der „Art for Art“ – und sollten daher an einer guten Auslastung der Werkstätten interessiert sein. Aber sie lassen lieber woanders produzieren. Eben weil die „Art for Art“ zu teuer ist.

Im Gesetz steht, dass die Häuser „Art for Art“ beauftragen sollen, solange diese wettbewerbs- und marktfähig ist. Daran arbeiten wir.

Die Lohnkosten sind in Österreich ungleich höher als etwa in Rumänien oder Bulgarien.

Das ist nur ein Teil der Wahrheit. Wir werden zum Beispiel die benötigte Qualität von Bühnenbildern anlassbezogen definieren, diese kann im hinteren Bühnenbereich eine ganz andere sein als an der Rampe. „Art for Art“ lieferte bisher immer extrem hohe Qualität.

Aber auch die bulgarischen Anbieter können für den Bühnenvordergrund eine höhere Qualität liefern.

Wir werden es schaffen, „Art for Art“ wettbewerbsfähiger zu machen. Davon bin ich überzeugt. Fragen Sie mich in zwei Jahren wieder!

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