Baden-Leiter Andreas Gergen: "Ich brauche ein Orchester für meine Pläne“

Stadttheater Baden. „Arielle“, „Tootsie“, „Addams Family“ und mehr: Andreas Gergen über seine zweite Saison, Wien und die Sparpläne.
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„Wicked“, damals das große Popkulturthema überhaupt; der Broadwayhit „Matilda“, und noch dazu „Sound Of Music“: Andreas Gergen hat in seiner ersten Saison als Chef der Bühne Baden mit erstaunlich großen Stoffen gepunktet – und diese noch dazu zu viel gelobten Premieren gebracht.

Wer sich denkt: Nun ja, Glück gehabt, das wird so nicht weitergehen, der liegt erstaunlich falsch.

2026/’27 zeigt Gergen Disneys „Arielle die Meerjungfrau“ (ab 9. 10. 2026), „The Addams Family“ (ab 13. 11.) und die Operettenuraufführung „Ein kleines Café irgendwo“ mit Musik von Hermann Leopoldi (ab 19. 2. 2027).

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 Die Saison wird überhaupt vorgezogen: Bereits im Sommer sind „Tootsie“ – bekannt durch den Film mit Dustin Hoffman (ab 24. 7.) – und als Vorbühnenproduktion „Glorious!“ mit Maya Hakvoort als Florence Foster Jenkins (ab 9. 8.) zu sehen. 

In der regulären Spielzeit folgen dann noch „Alle reden nur noch von Jamie“ (bekannt vom Londoner West-End und von Netflix, ab 18. 12.) und Franz Lehárs „Land des Lächelns“ (19. März 2027).

Richtiger Zeitpunkt

Alles in allem ein Programm, das von den klingenden Namen her mit weit größeren und besser finanzierten Spielstätten in benachbarten Großstädten mehr als mithalten kann. Oder?

Im KURIER-Gespräch lacht Gergen. „Wir passen den Aufwand der Stücke den Möglichkeiten in Baden an“, sagt Gergen. „Unser Programm ergänzt jenes der beiden Long-Run-Produktionen in Wien und das Angebot der Volksoper. Das Raimundtheater und das Ronacher zeigen ja eine Produktion über ein, zwei Jahre. Da gibt es genügend Musical-interessiertes Publikum, das uns dann auch in Baden besucht und das als Bereicherung ansieht.“ Wie kommt man zu diesen tollen Stoffen? Hin und wieder auch, indem man „zum richtigen Zeitpunkt fragt“, sagt Gergen. Wenn in einem großen Haus (wie jenes neue im Wiener Prater, das gerüchteweise mit dem „König der Löwen“ starten wird) Produktionen gezeigt werden, „kriegt man diese Lizenzen nicht“.

Wie man zu einem Disney-Stoff kommt

Bei einem anderen Disney-Stoff aber hat es geklappt: Für die Zusage für die deutschsprachige Erstaufführung von „Arielle“ (Bühnenstück nach dem Film aus 1989) hat der Erfolg mit „Wicked“ eine wichtige Rolle gespielt, sagt Gergen. Ist die Umsetzung eines so bekannten Filmes nicht schwierig? „Spätestens nach ‚Wicked‘ habe ich vor keinem Stück mehr Angst“, lacht Gergen. „Aber ich weiß mittlerweile natürlich mehr, wie das Haus funktioniert und was ich dem Haus abverlangen kann. Und das ist eine ganze Menge.“

Trotzdem – einen Film, den man vor Augen hat, wo mancher alle Melodien mitsingen kann, auf die Badner Bühne bringen? „Das ist doch der Spaß an der Sache! Es wird kindgerecht und klug und fantasievoll“, verspricht Gergen. Ebenso wie die „Addams Family“, die „zum ersten Mal in einer größeren Eigenproduktion in Österreich zu sehen“ sein werde.

Bekannte Namen wie Alfons Haider, Pia Douwes, Marika Lichter, Missy May, Ramesh Nair, Drew Sarich, Ann Mandrella, Verena Scheitz, Andy Lee Lang oder Tamara Mascara stehen kommende Saison auf der Bühne. Die laufende ist laut Presseinfo, bisher „durchwegs restlos ausverkauft“. Es sei „wirklich erstaunlich gut gelaufen“, sagt Gergen, „und ich bin wirklich dankbar dafür, dass wir auch viele neue Abonnenten gewinnen konnten“.

In diese Aufbruchsstimmung hinein – wenige Wochen vor Gergens Start – fiel die Ansage der NÖKU, dass das Badener Orchester eingespart werden soll. 

„Meinen größten Respekt hat tatsächlich das Orchester, die eigentlichen Betroffenen. Die aber trotzdem nicht die Flinte ins Korn geworfen haben.“ Ist da das letzte Wort gesprochen? „Es ist alles noch in Gesprächen“, sagt Gergen. „Ich kann immer nur wieder sagen, ich brauche ein Orchester für meine Pläne, die ich schon für 2027 bis 2029 habe.“

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