"Sound of Music" in Baden: Das Edelweiß wird noch gebraucht

Ein Mann spielt Gitarre, umgeben von Kindern und einer Frau in traditionellen Trachten auf einer Bühne.
"Sound of Music", das ohrwurmreiche Musical über die Trapp-Familie, mit fast idealer Besetzung im Stadttheater Baden.

Eins ist sicher: Es ist nicht möglich, das Stadttheater Baden nach dieser Aufführung ohne Ohrwurm zu verlassen. Wahrscheinlich ist es „Edelweiß“, aber es kann genauso gut „Do-Re-Mi“ sein oder, für Fortgeschrittene, das Jodelsubstrat „Lehijo, lehijo, lehiiijoh“ („Der Ziegenhirte“). Es ist ein Faszinosum, wie viele Lieder man aus dem Musical „Sound of Music“ kennt. Bedenkt man die Rezeptionsgeschichte. Wie Österreich und Salzburg in dem Film mit Julie Andrews gezeigt wird, so stellt sich die Welt unser Land vor. Denn „Sound of Music“ ist einer der berühmtesten Filme auf der Welt.

Außer eben in Österreich. Das liegt unter anderem daran, dass der Film, 1965, also doch schon 20 Jahre nach Kriegsende erschienen, hier in einer verkürzten Version zu sehen war, ohne alles, was den Nationalsozialismus betrifft.

Andreas Gergen, künstlerischer Leiter in Baden, brachte das Musical von Richard Rogers und Oscar Hammerstein II, auf dem der Film basiert und das wiederum auf den Erinnerungen von Maria Augusta von Trapp basiert, auf die Bühne.

Ein kleiner Wiesenberg

Die Zeit der Handlung wird zu Beginn eher unelegant auf die Bühne geschossen. Gefechtsfeuer, Männer mit Gewehren, die Jahreszahl 1945 blutet ins Bild. Doch wir reisen sieben Jahre zurück, es eilen Nonnen vorbei und dann schiebt sich ein kleiner Wiesenberg nach vorn. Auf ihm sitzt Maria (Katharina Gorgi) und besingt, während sie ein Edelweiß aufklaubt, was ihr Herz erfüllt: der Klang der Berge. Wäre das ein Krimi, wüsste man: Das Edelweiß wird noch gebraucht. Ist auch so. Nach einem Austausch mit Mutter Oberin – als welche Maya Hakvoort bei „All diese Dinge“ hinreißend das Kind unter der Nonnentracht wiederentdeckt – wird Maria als Gouvernante zu den sieben Kindern von Kapitän von Trapp geschickt.

Ideale Maria

Im Zusammenspiel mit den Kindern zeigt sich, wie ideal Katharina Gorgi als Maria besetzt ist. Ihr und ihrer Stimme nimmt man die überschwängliche, aber auch beseelte Unbeschwertheit dauerhaft ab. Die Kinder sind von der fast erwachsenen Liesl (Anna Rosa Döller) bis zur im Hauptberuf entzückenden Gretl (Aria Hollweg) ein Vergnügen. Übrigens sind auch zwei Töchter von Georg-von-Trapp-Darsteller Lukas Perman dabei: Ivy und Liv.

Perman selbst nimmt sich die Steifheit des Kapitäns in seinem Spiel sehr zu Herzen, Chris Lohner ist eine pointiert süffisante Haushälterin Frau Schmidt. Peter Lesiak überzeugt als geschmeidiger Kultur-Opportunist, Cornelia Mooswalder als so gar nicht eifersüchtige Verlobte von Trapps.

Gewitztes Puppenspiel

Die Choreografie von Kim Duddy ist am eindrücklichsten, wenn das Puppenspiel von Maria und den Kindern mit einfachen Mitteln zum Menschenspiel wird. Das Orchester unter Michael Zehetner hat seinen Höhepunkt – so wie Maya Haakvort – kurz vor der Pause, als die Mutter Oberin Maria in einem furiosen Emotionscrescendo „Über die Berge“ schickt – um zu erkennen, dass ihr Glück in der Familie Trapp liegt. Dass die Nazi-Figuren mitsamt einschlägiger Ausstattung gar holzschnittartig wirken, ist dem Stoff wahrscheinlich immanent. Alles in allem drei Stunden beschwingte und berührende Unterhaltung.

Kommentare