„Orfeo ed Euridice“ in Klagenfurt: Letztlich siegt doch die Liebe
Von Helmut Christian Mayer
Zu mehr als 50 Werken hat der Orpheus-Mythos zahlreiche Komponisten über mehrere Jahrhunderte inspiriert. Der Stoff zählt heute zu den am meisten vertonten Opern der Musikgeschichte: So wie auch jene von Christoph Willibald Gluck, dessen „Orfeo ed Euridice“ in der italienischen Urfassung aus 1762 jetzt am Stadttheater Klagenfurt aufgeführt wird. Es ist das Ballett, das diese szenische Umsetzung dominiert, reich an Details sowie Einfällen und von sieben Tänzerinnen und Tänzern in verschiedenen Kostümen hinreißend umgesetzt.
Diese begleiten das Geschehen und die Hauptdarsteller fast ständig. Riccardo de Nigris hat diese kluge Choreografie erdacht. Hingegen kommt die eigentliche Personenführung der drei Protagonisten und des Chores viel zu kurz, ist ideenarm und findet teils überhaupt nicht statt.
Verlorener Orpheus
Da ist dem Regieduo Carolin Pienkos und Cornelius Obonya, die erstmals hier am Stadttheater inszenieren, nicht viel eingefallen. Denn Orpheus schreitet meist auf der sich langsam drehenden Bühne gemächlich und verloren herum. Der Chor ist geprägt von Statik und Händeringen in dem sehr ästhetischen Bühnenbild mit seinen im Halbrund aufgestellten Torbögen (Devin McDonough) und den wechselnden zu den jeweiligen Stimmungen passendem Licht. Und es gibt ein „Lieto fine“, ein Happy End: Eurydike darf weiterleben. Die Liebe siegt über den Tod.
Ganz exquisit erlebt man das Gesangsensemble: Orpheus ist mit einem Countertenor besetzt. Tobias Hechler singt ihn mit schönen, weichen Tönen und reich an Emotionen. Darstellerisch wirkt er, scheinbar von der Regie verlassen, ziemlich schaumgebremst. Mit großer Stimmkraft aber auch reich an feinen Schattierungen hört man Keri Fuge als Eurydike. Als Amor schwebt Luisa Mordel mit roten, weit ausgebreiteten Federflügeln von der Decke herab und singt dabei glasklar.
Stilsicheres Orchester
Der viel beanspruchte Chor des Hauses (Einstudierung: Günter Wallner) gefällt mit klangvoller Homogenität. Mit viel Drive aber auch Sensibilität leitet Michael Hofstetter das Kärntner Sinfonieorchester. Der Gluck-Spezialist erreicht beim Klangkörper im hochgefahrenen Graben, abgesehen von kleinen Präzisionsmängeln, mitreißende Lebendigkeit aber auch subtile, reich differenzierte Klangmischungen sowohl bei den pastoralen Idyllen als auch bei den einnehmenden Trauerklagen. Erstaunlich gut ist auch die Stilsicherheit im Orchester. Lautstarker Jubel und stehende Ovationen!
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