Er lässt an José Carreras denken: Xabier Anduaga, Tenor mit Zukunft
Charmant: Xabier Anduaga als Alfredo in „La Traviata“.
Über welches Potenzial Xabier Anduaga verfügt, hatte er in Wien bereits in den Donizetti-Opern „Don Pasquale“ und „Liebestrank“ hören lassen. Seinen Ruf als Tenor mit Zukunft bestätigt er derzeit in der Wiener Staatsoper in Giuseppe Verdis „La Traviata“ als Alfredo. Beim „Brindisi“ wirkte er noch etwas zurückhaltend.
Wie er aber dann im zweiten Akt das „Lunge da lei“ anhebt und beim „Bollenti spiriti“ die Facetten seiner geschmeidigen Stimme auskostet, ist atemberaubend. Sein weiches Timbre schillert in prächtigen Farben. Dass der 1995 in San Sebastian geborene Spanier zuweilen den Akzent seiner Muttersprache durchschimmern lässt, ist charmant. In manchen Passagen lässt er gar an José Carreras denken.
Bedauerlicherweise fehlt ihm ein adäquates Gegenüber. Kristina Mkhitaryan fällt zunächst als Violetta vokal gar nicht wirklich auf. Ihr „Sempre libera“ wirkt distanziert. In Simon Stones Inszenierung ist die Kameliendame eine viel gefragte Influencerin, die an Krebs erkrankt. Darauf geht diese Sopranistin nicht wirklich ein. Ihre Darstellung wirkt gekünstelt. Artur Ruciński zeigt den Germont als Patron. Er setzt sich mit seinem kernigen Bariton gut durch, dessen Farbenspektrum entfaltet er vor allem in der Mittellage.
Dirigent Giampaolo Bisanti macht es den Sängern, auch dem Chor und dem Orchester, nicht leicht. Immer wieder prescht er los, setzt auf brutales Fortissimo, auf Spannung wartet man vergeblich.
Kommentare