Eine starke Frau als Lotsin ihres Lebens
Das Lotsengeschäft ist ein gefährliches, und die Hauptfigur, die junge Kristiane, verliert gleich am Anfang der Geschichte ihren Mann Anders bei einem Sturm. Sie ist schwanger und muss nun einen anderen Mann finden, der auch die Lotsenprüfung macht, damit die Lotsennummer auf dem Hof bleibt. Die Geschichte spielt an Norwegens Westküste im 19. Jahrhundert und Lotsen durften damals nur Männer werden.
Papa-Mädchen
Schon Kristianes Vater war Lotse gewesen. Es war sein Leben, das sie liebte, das Rausfahren aufs Meer, das Fischen – und sie war auch bei seinen Lotsenfahrten dabei gewesen, hatte gelernt, anhand der Felsen und anderer Landmarken zu navigieren. Der Vater sagte einmal zu ihr: „Es ist nicht schlimm, wenn man statt einem Jungen ein Mädchen wie dich bekommt. Du wirst schon dafür sorgen, dass die Lotsennummer für immer auf unserem Hof bleibt.“
Trude Teige erzählt in ihrem ersten Roman, „Der Gesang der See“, der nun auch auf Deutsch erschienen ist, von ihrer Ururgroßmutter Gertrud, die im 19. Jahrhundert auf einer der Inseln wirklich „die Chefin“ war. Sie war viermal verheiratet und drei ihrer Ehemänner kamen auf See ums Leben.
Trude Teige ist eine der bekanntesten Autorinnen Norwegens, sie ist auf einer kleinen Insel an der Westküste Norwegens aufgewachsen, und das merkt man an den schönen Beschreibungen der Landschaft, des harten Auskommens der Fischer und ihrer täglichen Arbeit. Kristiane sitzt manchmal an ihrem Zufluchtsort, dem schwarzen Felsen, der von der Brandung umtobt ist, und lauscht dem Rauschen des Meeres, dem Gesang der See.
Kommentare