Vergessene Autorin: Ordentlich unanständig
Kaum ist der Graf aus dem Haus, geht es ziemlich zu auf Schloss Borryán, diesem Herrensitz in der k. und k.-Provinz. Christine, die 19-jährige Tochter des Kutschers, denkt nicht daran, sich, wie geraten, einen Job als Kammerzofe oder Kindermädchen zu suchen. Wenn schon arbeiten, dann lieber gleich als Prinzessin. Oder zumindest als Gräfin. Kaum ist der Graf zurück, kocht sie ihn ein. Problematisch wird’s, als auch die Gräfin wieder auftaucht. Man ahnt, es wird Zores geben.
Arthur Schnitzler zoll ihr Respekt
Liebe und Verbrechen in der besten Gesellschaft, gekonnt auf einen überzeugenden Plot zugespitzt, mit Tempo, Witz und gerade richtig viel Figurenzeichnung: Das war das Erfolgsgeheimnis der Schriftstellerin Emilie Mataja, die um 1900 unter dem Pseudonym „Emil Marriot“ einen Pageturner nach dem anderen schrieb und der Kollegen wie Peter Rosegger und Arthur Schnitzler Respekt zollten. Ihr vor 120 Jahren erschienener Roman „Anständige Frauen“ ist nicht nur ein aufregendes Beziehungsdrama, sondern erzählt auch kritisch von Konventionen, von Klasse und Geschlecht. Von Frauen, die in keiner Weise „anständig“ sein wollen.
„Anständige Frauen“ ist der neue Band aus der Reihe „Haymon Her Story“. Die Schriftstellerin Bettina Balàka und die Historikerin Katharina Prager machen sich darin auf die Suche nach vergessenen Autorinnen. Jedes Buch erscheint mit einer historischen und literarischen Einordnung. Lesenswert!
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