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Ingeborg Bachman: Unscharf ist die Welt erträglicher

Am 25. Juni jährt sich der Geburtstag von Ingeborg Bachmann zum 100. Mal. Die Bücher der 1973 verstorbenen Autorin haben die Jahrzehnte gut überstanden. Eine persönliche Auswahl.
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Es war Mord. So endet Ingeborg Bachmanns erster und einzig vollendeter Roman „Malina“ aus dem Jahr 1971.

Wer hat wen ermordet? Die komplexe Geschichte ist nicht einfach zu interpretieren. Es gibt nicht wenige, die sie als Abrechnung mit Bachmanns langjährigem On-und-Off-Partner Max Frisch lesen. Das mag auch stimmen, ist aber in jedem Fall zu kurz gegriffen. „Malina“ ist eine dichte Beziehungsgeschichte und etliches mehr. Sie ist eine kritische Gesellschaftssatire samt Auseinandersetzung mit der Nazivergangenheit und ein Wien-Roman, in dem man förmlich spazieren gegen kann: Ungargasse, Wienerwald, Laxenburg – bis hin zur „Prinzessin von Kagran“.

Vor allem aber eine faszinierende Auseinandersetzung mit Fragen nach Identität, Geschlechterrollen und Doppelgängertum – und als solches hochmodern.

Da ist zunächst der titelgebende Malina, ein Historiker, der als fader Beamter im österreichischen Heeresmuseum arbeitet, und ohne großes persönliches Zutun Karriere macht. Eigentlich ist er Künstler. Malina teilt seine Wohnung mit der Erzählerin namens „Ich“: „Augen br., Haare bl., geboren in Klagenfurt. Wohnhaft Ungargasse 6., Wien III.“ Nebenan ihr Geliebter Ivan, schön und unerreichbar. Auch deshalb, weil nicht klar ist, wer Malina und „ich“ eigentlich sind.

Bücher statt Drogen

Der Roman kann mit Fug und Recht als „Kultroman“ bezeichnet werden. Er ist voll von berühmten Zitaten („Nein, ich nehme keine Drogen, ich nehme Bücher zu mir“) und auch in seiner Form sehr aktuell: Die lineare Erzählung wird immer wieder unterbrochen, etwa durch Dialoge, die möglicherweise aber auch ein innerer Monolog sind. Zudem erschütternd prophetisch, was das Schicksal der jung verstorbenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann betrifft, deren Leben und Schreiben immer wieder von Selbstzweifeln und Einsamkeit geprägt war. „Dann habe ich mich umgesehen, und in meiner Umgebung, und auch fern von meiner Umgebung, habe ich bemerkt, dass alle abwarten, sie tun nichts weiter, tun nichts Besonderes, sie drücken den anderen die Schlafmittel in die Hand, das Rasiermesser …“.

Zwei Jahre nach dem Erscheinen von „Malina“, am 17. Oktober 1973, starb Bachmann in Rom an den Folgen von Verbrennungen und Medikamentenentzug.

Die am 25. Juni 1926 in Klagenfurt geborene Schriftstellerin war schon früh mit Gedichten und Hörspielen berühmt geworden und auch in der Familie anerkannt: Wenn sie vom Studium in Innsbruck und Wien auf Besuch daheim in Kärnten war, wurde es im Haus ganz still, man hörte nur das Klappern ihrer Schreibmaschine. Die Mutter sagte den jüngeren Geschwistern, die ältere Schwester sei „eine Dichterin,“ beschrieb es später ihr Bruder Heinz.

Das dreißigste Jahr

Nach den Gedichtbänden „Die gestundete Zeit“ (1953) und „Anrufung des Großen Bären“ (1956) publizierte sie Hörspiele, Essays und zwei Erzählbände. Am berühmtesten ist „Das dreißigste Jahr“ aus dem Jahr 1961: Neben der titelgebenden Erzählung und der stark biografisch gefärbten Geschichte „Jugend in einer österreichischen Stadt“ sticht „Undine geht“ hervor: Sie beginnt mit den Worten „Ihr Menschen! Ihr Ungeheuer“ und ist, verwoben in das klassische Undine-Märchen, eine Anklage an das Patriarchat.

Darum geht es auch in vielen Erzählungen aus „Simultan“, ihrem zweiten Erzählband, veröffentlicht 1972 parallel zu den Arbeiten am unvollendeten„Todesarten“-Projekt. In „Simultan“ wird dem Patriarchat zuweilen auch durchaus launig-pragmatisch begegnet: In „Drei Wege zum See“ schreibt Bachmann von einem „Neuen Mann“, solange es diesen nicht gäbe, sollten Frauen und Männer „am besten Abstand halten ...“.

Miranda, die Protagonistin der Erzählung „Ihr glücklichen Augen“, wählt einen noch unkonventionelleren Zugang zum Thema „schwierige Beziehung“: Ihre Sehkraft ist stark eingeschränkt, sie zieht es vor, die Brille nicht aufzusetzen. Will weder ihren Gefährten Josef noch den Rest der Welt so genau sehen: Die kranken Augen – ein „Geschenk des Himmels.“

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