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„Welle und Erdung“: Auf Ingeborg Bachmanns Spuren in Klagenfurt

Das einstige Elternhaus lässt in den Kosmos der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann eintauchen. Kommende Woche wird auch hier ihr 100. Geburtstag gefeiert.
Das Ingeborg-Bachmann-Haus in Klagenfurt ist ein hellgelbes Gebäude mit rotem Ziegeldach, grünen Fensterläden und einem kleinen Vorgarten.

 „In diese Stadt ist man selten aus einer anderen Stadt gezogen, weil ihre Verlockungen zu gering waren“, heißt es in Ingeborg Bachmanns Erzählung „Jugend in einer österreichischen Stadt“.

Als der Text 1961 erschien, war die Schriftstellerin schon längst weggezogen, aber loslassen sollte sie die Kärntner Stadt nicht.

Die Formulierung „Welle und Erdung“, die recht unvermittelt in der Erzählung auftaucht, signalisiere, dass Klagenfurt die Dichterin immer wieder hinausgespült und eingezogen habe, sagt Katharina Herzmansky, Leiterin des Bachmann-Hauses. 2025 wurde das Gebäude in der Henselstraße 26, in dem die Dichterin von 1933 bis 1945 gelebt hatte, als Außenstelle des Kärnten Museums eröffnet.

Enge und Weite

Das Haus entstand in den 1920er-Jahren als Teil einer Siedlung im Geist der Gartenstadt-Bewegung. Für die Familie war es ein Aufstieg – doch „zwei Straßen weit von der Beethovenstraße, wo alle Häuser geräumig und zentralgeheizt sind“, entwickelte sich auch Bachmanns Sinn für soziale Unterschiede und die Enge, der es zu entfliehen galt.

Die schmale Treppe im Haus blieb original erhalten, vom Dachboden kann man den Eingang zum Bunker am Kreuzbergl sehen, in den Bachmann, die das Haus während der Luftangriffe auf Klagenfurt 1945 weitgehend allein bewohnte, partout nicht wollte: Lieber saß sie lesend im Garten. Dort lässt sich auch heute wieder auf Klappstühlen schmökern – in friedlicher Atmosphäre.

Am Donnerstag (25. 6.) lädt man zum „Henselstraßenfest“ – dann wird auch die im Vorgarten platzierte Skulptur „Die Orden der Nacht“ enthüllt, die der Starkünstler Anselm Kiefer Bachmann widmete: Eine Frauenfigur, deren Kopf durch eine Sternenkugel ersetzt ist.

Schreibtisch ist noch da

Bachmanns Weg von der Provinz in die weite Welt der Literatur ist auf drei Ebenen vorbildlich aufbereitet; der Umstand, dass die Obergeschoße nicht barrierefrei sind, gab zuletzt Anstoß zu einem Digitalisierungsprojekt der Uni Klagenfurt.

Bachmann schilderte in der Erzählung „Drei Wege zum See“ (1972) eine Rückkehr nach Klagenfurt. Nach ihrem Tod wurde ein großer Teil ihres Nachlasses in der Henselstraße gelagert. Einige Objekte – darunter der Schreibtisch und die schweren Kästen aus ihrer Wohnung – sind immer noch da.

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