Graphic Novel „Schlurfkatzen“: Das Dirndl als Tarnung im Jazzkeller
Die Steffl-Diele war ab 1943 geheimes Zentrum der Wiener Jazzszene.
Lange Haare waren tatsächlich einmal Ausdruck des Widerstandes. Die sogenannte Schlurffrisur war ein scharfer Gegensatz zu den akkuraten Kurzhaarschnitten der Hitler-Jugend, die mit Handhaarschneidemaschinen Jagd auf die „Schlurfs“ machten. An deren Seite: die „Schlurfkatzen.“ Ihnen widmen Barbara Kadletz (Text) und Jorghi Poll (Illustrationen) die Graphic Novel „Schlurfkatzen“. Der Titel ist bewusst ambivalent gewählt, schließlich war der Ausdruck eine abwertende Zuschreibung der Nationalsozialisten.
Barbara Kadletz, Jorghi Poll: „Schlurfkatzen“, Edition Atelier.
56 Seiten.25,95 Euro.
Das Buch erzählt von Wiener „Schlurfs“ und „Schlurfkatzen“, die sich während der 1940er-Jahre gegen die Nazi-Ideologie stellten und verbotenen Jazzkellern tanzten. Erlaubt und gern gesehen waren unter den Nazis nur Dirndl und Volkstanz.
Die Geschichte, die hier erzählt wird, ist fiktional, ihre Heldinnen und Helden sind realen Personen nachempfunden, denen Kadletz und Poll hier auch eine Hommage widmen wollen: Dem Schauspieler, Autor und Kabarettisten Helmut Qualtinger, der Schauspielerin Erni Mangold, dem Dichter Ernst Jandl und der Musikerin Vera Auer, einer der ersten europäischen Musikerinnen, die Modern Jazz spielten und später ihre eigene Combo hatte, der u. a. Joe Zawinul angehörte.
Kommentare