© PETER BITTERMANN

Literatur
03/07/2020

Ein Wiener Schundroman mit Rotz und dergleichen

Manfred Rebhandls fünfter Roman mit Detektiv Rock Rockenschaub ist ein "Sommer ohne Ernst".

von Peter Pisa

Erstens ist es gut, dass wieder Sommer ist. Ein „Sommer ohne Horst“ zwar, Horst ist der Bademeister vom Ottakringer Bad. Er sitzt unter falschem Verdacht in U–Haft. Andere Männer sind jetzt ganz wild darauf, sich als neue Eincremer weiblicher Badegästen zu etablieren.

Aber es gibt keine, die darauf reflektieren.

Zweitens ist es gut, dass Rock Rockenschaub zum fünften Mal vorbei schaut.

Beim ersten Mal (das war „Das Schwert des Ostens“) gab’s gleich den Wiener Krimipreis. Beim vierten Mal ( = „Töpfern auf Kreta“) war der Roman übertrieben damit beschäftigt, dass es stinkt .

In „Sommer ohne Horst“ passt alles. Bis auf die zu engen Badehosen, die Männer so gern tragen. Rock Rockenschaub ist jener Detektiv, der statt eines Türschildes Name und Beruf in den Staub seines Fensters gezeichnet hat.

Man kann sich vorstellen, wie Klienten Schlange stehen.

Schlauch

Deshalb hat er einen ... Nebenberuf, er kümmert sich um ein Pornokino am Gürtel. Das heißt: Er räumt nach den Vorführungen zusammen. Wenn es die begehrten Filme mit Jack Schleck und Augusta Anus gibt, hat er besonders viel sauber zu machen.

Grindige Romane sind das, die der gebürtige Oberösterreicher Manfred Rebhandl (Foto oben) schreibt. Einzigartiger ehrlichen Schund mit Rotz und anderen Auswürfen.

Die austauschbaren Ermittler mit ihren Ehe- und Alkoholproblemen sind oft nur Papier mit Buchstabensuppe.

Rockenschaub aber ist echtes tiefes Wien. Schmutzig –, „weil das Leben schmutzig ist, auch wenn man sich zwei Mal am Tag die Hände wäscht“ (Rebhandl).

Lustig ist das Buch (wenn man über Unkorrektes lachen kann). Und letztlich, hurra, wird es zum Lobgesang auf dicke, nicht ganz so schöne Menschen.

Der Mord, um den es nicht so sehr geht, wird an einem angeblichen nigerianischen Pfarrer begangen. Mit dem Deckel einer Sardinendose wurden ihm die Schlagadern aufgeschnitten, und abgeschnitten wurde ihm ... was soll man sagen: er musste drei Unterhosen tragen zwecks Befestigung.

Sein Spitzname, was soll man machen, war „Schlauch“.

 

Manfred Rebhandl:
 „Sommer
ohne Horst“
Haymon Verlag.
232 Seiten.
12,95 Euro

KURIER-Wertung: ****

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