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Alle Hits, Leidenschaft und ein Mysterium, das keines ist
12/16/2014

Alle Hits, Leidenschaft und ein Mysterium, das keines ist

Bryan Adams zeigte sich in der Wiener Stadthalle genauso leidenschaftlich wie rockig.

von Brigitte Schokarth, Jeff Mangione

Oktober 1984: Ein 25-jähriger Kanadier namens Bryan Guy Adams veröffentlicht das Album "Reckless" und schafft damit nach vier zähen Jahren endlich den Durchbruch. Nicht zuletzt, weil er sich im letzten Moment entschieden hat, auf die rockige CD auch noch die Ballade "Heaven" draufzupacken, die er mit Tina Turner für einen Filmsoundtrack aufgenommen hat. Vorwiegend aber wegen "Summer of ’69", das sich zu Adams’ populärstem Song entwickeln sollte. Schon damals also sang Adams davon, wie schön es war, jung zu sein, die erste Gitarre zu spielen, sich zum ersten Mal zu verlieben.

Anno 2014 – auf nominale 55 und sichtbare 45 gealtert – tut er’s immer noch. Montagabend auch in der Wiener Stadthalle. Und trotz der Ironie der Situation, trotz der 30 Jahre hat sich seine Leidenschaft dafür kein bisschen abgenützt.

"Summer of ’69" ist der 12. Song im Set dieser "Reckless"-Jubiläums-Show. Zig-tausende Male muss Adams ihn schon live gespielt haben. Aber jetzt steht er in der Stadthalle, grinst und strahlt dabei, als wär schon Weihnachten, lauscht verzückt, als 8500 Wiener den Song an sich reißen – und dabei klingen, als hätten sie ihn gemeinsam einstudiert.

Eindrücke vom Konzert

Bryan Adams

Bryan Adams

Bryan Adams

Bryan Adams

Bryan Adams

Bryan Adams

Markante Melodien

Kurz davor hat Adams über das große Mysterium des Songwritings geplaudert, über die ewige Frage, die er sich als Künstler stellt: "Warum kommt ein Song an? Und warum ein anderer nicht?" Aber in seinem Fall ist das eigentlich sonnenklar: Seine Hits haben die besseren, markanteren Melodien als die Album-Tracks.

Das wird in der Stadthalle deutlich, weil Adams im ersten Teil, "Reckless" ganz durchspielt und obendrauf auch noch Lieder packt, die damals geschrieben und aufgenommen, aber nicht veröffentlicht wurden. Auf dem guten alten Vinyl war nämlich nicht genug Platz.

Da hat das Konzert schon Längen. Aber Adams ist geschickt im Aufbau des Programms. Zwar bleibt er weitgehend rockig, schiebt dabei Bluesiges à la AC/DC und das Eddie-Chochran-Cover "C’mon Everybody" ein. Aber er ändert die Dynamik immer genau dann, wenn das notwendig wird. So interpretiert er manches alleine und akustisch oder lässt kurz seine Musiker solieren. Er erzählt humorvoll von der Karriere und sucht sich in Alina eine Anhängerin aus, die bei "If Ya Wanna Be Bad Ya Gotta Be Good" mit ihren Tanzkünsten anstatt der Musiker die Video-Schirme bespielen darf.

Animiert

Er hat auch genug Hits – wie "Cuts Like A Knife" und "Can’t Stop This Thing We Started" –, die man fast schon vergessen hat, aber gerne mal wieder hört. Und singt. Die hängt er an den "Reckless"-Album-Teil an. Sogar "Please Forgive Me" und "Straight From The Heart", diese Schmalz-Balladen, für die Adams später berühmt war, klingen hier – ohne Streicher – animierter als im Radio.

Denn auch nach etwas mehr als zwei Stunden Show ist Adams die Freude am Musizieren, die Freude an der Freude der Fans, am Massenchor deutlich anzusehen. Klar, seine Songs sind simpel im musikalischen Aufbau, seine Texte genauso schlicht. Aber live macht er das Optimum aus diesen Ressourcen. So, dass er seinem Publikum nach wie vor einen unterhaltsamen Abend garantiert.

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