Briefe aus dem Krieg

Briefe aus dem Krieg
Feldpost gibt Einblicke in das Leben eines Wiener Landsers.

„Nun haben wir nur einen Wunsch, und zwar, daß die Flugzeuge etwas mehr zu futtern und ein wenig Post mitbringen, das sind nähmlich sehr ausschlaggebende Stimmungsbarometer.“ Dieser Satz steht im letzten Brief, den Karl Wintereder am 8. Jänner 1943 aus Stalingrad an seine Familie schrieb. Bald darauf dürfte der Wehrmachtsunteroffizier wie viele andere Soldaten sein Ende gefunden haben – und damit endet auch das Buch „Ein ‚ganz normaler‘ Soldat?“ von Christoph Rella und Martina Fuchs. Auf 155 Seiten führt der Band anhand zahlreicher erhaltener Briefe durch das Leben des Wiener Schlossergesellen, Alpinisten und überzeugten Nationalsozialisten, der von Polen über Frankreich bis nach Stalingrad an Feldzügen der Wehrmacht teilnahm.

Die Briefe geben Einblick in das Denken und Handeln eines Mannes, der bis zu seinem letzten Schreiben fest davon überzeugt ist, das Richtige zu tun. Schilderungen über russische Kriegsgefangene zeigen etwa, wie sehr Wintereder die rassistischen Lehren des nationalsozialistischen Regimes verinnerlicht hat: „Es ist das Schicksal dieses Volkes, klein und gebäugt zu sein“, schreibt er am 11. September 1942.

Gleichzeitig offenbaren die Briefe die alltäglichen Sorgen eines Wieners aus dem Arbeitermilieu, der Rat sucht, wenn eine seiner Geliebten einen Suizidversuch unternimmt. Oft geht es um finanzielle Unterstützung für seine Familie, Pläne für ein Leben nach dem Krieg. Als seine Angehörigen seine Skier verkaufen, reagiert er schockiert, will doch „auf immer im scheußlichsten Land Europas (Russland) bleiben“ – was am Ende auch geschieht.

Briefe aus dem Krieg

Christoph Rella, Martina Fuchs: „Ein ‚ganz normaler‘ Soldat?“, Kral-Verlag,
155 Seiten, 26,90 Euro

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