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Kultur
10/26/2021

Bill Murray: „Ich bin ein spielerischer Mensch“

Der Schauspieler über seine Arbeit mit Wes Anderson („The French Dispatch“), die Ghostbusters als Frauen und die Frage, ob er Matratzen angezündet hat

von Elisabeth Sereda

"Einen Liebesbrief an den Journalismus“ nennt Regisseur Wes Anderson „The French Dispatch“. Sein neuer Film ist eine Ode an das berühmte US-Magazin New Yorker Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Darsteller sind der übliche Mix aus bereits bekannten Filmfamilienmitgliedern: Adrien Brody, Tilda Swinton, Frances McDormand, Timothee Chalamet und der unverwüstliche Bill Murray. Mit 71 ist der Schauspieler und Komödiant eine Bereicherung für jeden Film. Was ihn in die glückliche Lage versetzt, sich seine Projekte aussuchen zu können.

KURIER: Als der Film in Cannes Weltpremiere hatte, überschlugen sich die Kritiker vor Begeisterung…

Bill Murray: Nicht nur die Kritiker, auch das Publikum. Wenn du einen guten Film hast, bist du für ein paar Stunden König. Die Polizeieskorte ist vor dir, um dir den Weg freizumachen anstatt, dass sie dich verfolgen. Das ist sehr nett. Wir wussten am roten Teppich, dass wir etwas Gutes gemacht haben, wir hätten ewig am Teppich bleiben können. Es fühlt sich großartig an, und man genießt es richtig. Die Sonne scheint heller, die Leute sind glücklicher, das Essen schmeckt besser, die Drinks sind stärker.

Wes Anderson wird oft mit Filmemacher Preston Sturges verglichen. Denken Sie, das ist ein guter Vergleich?

Ja, wenn aber nicht nur von der Thematik her, auch im Visuellen. Er schafft diese wunderbare Anreicherung an Aktivität, das Herumschwirren von Menschen und Zitaten, ein visuelles Design und einen Stakkato-Dialog, der heraussticht. Und der Konflikt zwischen den Charakteren ist extrem spannend und überraschend. Das zieht einen in den Bann der Geschichte, es hat eine Intelligenz, die dein Hirn anregt und dich davon abhält, in deinen üblichen Schemen zu denken. Es öffnet für emotionales Denken. Seine Geschichten und seine Art, sie zu erzählen, schütteln einen durch, kitzeln den Intellekt, geben immer wieder kleine Pausen, aber lassen einen nicht los. Ich kenne nur wenige Regisseure, deren Werke das Publikum so klar und so früh mitreißen. Es ist fast, als ob man es im Kino hören kann, wenn einfach alle an Bord sind.

„Rushmore“ war Ihr erster Anderson-Film. Dieser ist ihr neunter. Arbeiten Sie gern immer wieder mit denselben Filmemachern?

Ich sehe das so: Wenn ich nicht grottenschlecht bin und mich total blamiere und einen entsetzlichen Flop mache, dann habe ich mich als Schauspieler bewiesen. Weil dieselben Leute immer wieder mit mir arbeiten wollen. Das erhöht meinen Wert. Neun Filme mit Wes Anderson – das allein kann man schon eine Karriere nennen.

Sind Sie ein „New Yorker“-Fan, wie Anderson, den die Zeitschrift ja zu dem Film inspiriert hat?

Nein, was erstaunlich ist, denn Wes hat es in Texas entdeckt und wurde später ein sehr großer Fan. Ich bin nicht damit aufgewachsen, ich habe es in Chicago nie gesehen und daher auch nicht gelesen. Selbst heute habe ich kein Abonnement. Ich lese es nicht so oft, wie ich sollte.

Anderson ist bekannt dafür, dass er darauf besteht, dass alle Schauspieler während des Drehs auch im selben Hotel oder Haus wohnen, gemeinsam essen und auch ihre Freizeit miteinander verbringen. Ist das sein Geheimnis einer guten Grundstimmung am Set?

Ja, wenn wir miteinander leben können, können wir auch miteinander arbeiten. Wenn wir menschlich, freundlich, höflich miteinander umgehen, überträgt sich das auf unser Schauspiel, da ist mehr Magnetismus, mehr Emotion und mehr Intelligenz.

Sie haben mit „Ghostbusters“ Ihr erstes großes Geld verdient, einen zweiten Teil gemacht und sich geweigert, einen dritten zu drehen. Warum?

Es ging nur noch um die Kohle, nicht mehr um die Qualität. Jahre später habe ich zugestimmt, in der weiblichen Version mitzuspielen.

In der mit Kristen Wiig, Melissa Mccarthy, Leslie Jones und Kate McKinnon. Ja, weil ich sie mag, sie sind extrem witzig, und es ist nicht einzusehen, warum Frauen nicht diese Rollen spielen sollten.

Und Sie kommen nun auch kurz im neuesten Film „Ghostbusters: Afterlife“ gemeinsam mit Ihren alten Co-Stars Dan Aykroyd und Ernie Hudson vor. Haben Sie das aus Nostalgie heraus gemacht?

Ach, ich machte genau dasselbe wie in den beiden ersten. Wir schauten uns an und sagten: Ok, wir sind wieder mit diesen verdammten Rucksäcken unterwegs. Haben wir das wirklich damals dauernd getan? Das war körperlich sau-anstrengend.

Wonach suchen Sie ein Projekt aus?

Es gibt da keinen Plan. Ich habe keine Ahnung, wonach ich suche. Ich will nur mitgerissen werden, und ganz ehrlich, das merkt man nach ein paar Seiten im Drehbuch. Gewissen Leuten vertraue ich. Da weiß ich, dass ich in guten Händen bin. Da muss ich gar kein Drehbuch sehen. Es ist wie das alte Jerry Lewis-Zitat: „Wann soll ich da sein, und was soll ich anziehen?“ Jim Jarmusch gehört für mich dazu, Wes, ein paar andere. Die müssen mir nicht alles zeigen, was sie vorhaben. Da sage ich einfach: „Okay, gut“.

Sie werden als Mensch beschrieben, der immer im Moment lebt. Und einer, der über alles lachen kann. Sehen Sie sich auch so?

Manche nennen das sicher infantil. Mir hat jemand mal gesagt: Wenn du den Moment wahrnimmst, wenn du genau weißt, wer du bist, dann ist in diesem Moment alles möglich. Das erlaubt dir auch, andere mitzureißen.

Und die Berühmtheit?

Mit der Berühmtheit ist das so eine Sache. Die ist nämlich nicht sehr attraktiv. Die ist wie ein eigener Job. Ein 24-Stundenjob. Da gehst du spazieren, und auf einmal wird von dir erwartet dieser Bill Murray aus dem Lexikon zu sein. Der, den alle zu kennen glauben. Dann bist du nicht mehr derselbe, der allein durch die Wildnis spaziert und keinen Menschen trifft, der etwas von dir erwartet.

Die Welt ist voll von Bill Murray-Storys, auch auf Social Media. Was ist Ihre Lieblingsgeschichte?

Ich höre, dass ich auf der Uni Matratzen angezündet und sie dann aus dem Fenster geschmissen habe. Das stimmt nicht, das war mein Zimmergenosse. Immer werden mir alle schlimmen Dinge nachgesagt...

Was lieben Sie an Ihrem Job, dass Sie ihn immer noch machen?

Ich bin für sonst nichts geeignet! Nein – ich liebe schauspielen und Filmemachen. Und ich liebe Musik. Ich habe eine kleine Band namens „New Worlds“, und wir spielen überall auf der Welt, wir waren in Europa, wir spielten sogar in der Carnegie Hall. Klassische Musik, Gesang und Poesie. Ich drücke mich gern künstlerisch aus. Ich bin ein spielerischer Mensch. Das macht mich glücklich.

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