Kultur
07.09.2017

Bilanzspiele: ORF sitzt auf teuren Programmvorräten

Weil die Ausspielung zu teuer ist, liegen bereits gedrehte Staffeln von "Cop Stories" oder "Vier Frauen und ein Todesfall" im Lager.

Die Programmpräsentation des ORF steht bevor. In genau einer Woche präsentiert der Öffentlich-Rechtliche seine Pläne, wie er im kommenden Jahr die Zuseher an sich binden will. Viele Programm-Ideen können aus wirtschaftlichen Gründen nicht umgesetzt werden. Doch gleichzeitig liegen Produktionen auf Lager, die schon seit geraumer Zeit auf ihre Ausstrahlung warten.

Die Programmpräsentation des ORF vor einem Jahr: "Endlich: 20 neue ,CopStories‘ und damit 900 Minuten Crime à la Ottakring werden 2017 erzählt", hieß es da. Die Staffel 3 wurde 2014 gedreht, Staffel 4 folgte 2015. Es wäre also hoch an der Zeit, schließlich kann man heute allein an den Handys ablesen, wie viele Jahre eine Produktion auf dem Buckel hat. Doch bis jetzt gibt es in den Programmvorschauen keine Spur von den "Copstories".

Kein Einzelfall: Auch Julie Zirbner und Co sind schon lange nicht mehr auf Verbrecher-Jagd gewesen. Aber nicht, weil die Geschichte auserzählt wäre. Zwei Staffeln von "Vier Frauen und ein Todesfall" sind liegen geblieben. Immerhin wird in ORFIII mit der Wiederholung der alten Folgen die Erinnerung ein wenig wach gehalten.

Überhaupt noch nicht zu sehen gewesen ist die Serie "Fokus Mord", die Anfang 2015 entstand. In den acht 45-minütigen Folgen wird ein in der Vergangenheit bereits geklärter Mordfall anonymisiert nachgestellt. Die Liste ließe sich weiterführen und zeigt, dass im ORF ein Stock an nicht gesendeten Produktionen Staub ansetzt. Dazu gehören auch noch mehrere 90-Minüter. Die dann anderswo als im eigenen Kanal als Premieren zu sehen sind: Am 14. September wird etwa Wolfgang Murnbergers Komödie "Kebab extrascharf!" mit Andreas Vitásek bei ARTE ausgestrahlt. Im ORF ist bis jetzt kein Sendetermin bekannt.

40 Millionen schwer

Der Bilanzwert der (heimischen) Fiktion-Produktionen, die auf die Abspielung warten, wird derzeit auf um die 40 Millionen Euro taxiert. Auch wenn das eine oder andere davon in den nächsten Monaten im ORF zu sehen sein wird – die Tendenz bleibt: "Bei den Vorräten wird mit einer Steigerung um 12,1 Mio. Euro gerechnet, wobei sowohl bei den Anzahlungen wie auch beim Programmvorrat Steigerungen erwartet werden", heißt es im jüngsten Quartalsbericht.

Da werden in der Branche Erinnerungen an die ARD-Filmtochter Degeto wach. Diese musste vor wenigen Jahren einmal eine Vollbremsung bei Produktionen hinlegen, weil davor viel mehr geordert und gekauft wurde, als gespielt werden konnte. Für die Produzenten im deutschsprachigen Raum eine mittlere Katastrophe.

Behübschte Bilanz

Der ORF spricht in diesem Zusammenhang von einem temporären Anstieg und bestätigt gleichzeitig, dass man derzeit nicht ausreichend Abspielbudget für die vorhandene heimische Film- und Serien-Ware hat. Die bleibt so mit dem Neuwert in der Bilanz und behübscht diese.

Konkret verweist der ORF in seiner schriftlichen Stellungnahme auf die 2015 geschlossene Vereinbarung mit den heimischen TV-Produzenten über eine sukzessive Erhöhung des Programm-Auftragsvolumens für die Jahre 2016 bis 2018. Im Vorjahr wurden deshalb (inklusive Filmförderung) 95 Millionen in heimische Ko- und Auftragsproduktionen investiert, 2017 werden es 100 und 2018 105 Millionen sein. "Das führt temporär zu einem Anstieg der Programmvorräte, bis sich das Abspielbudget daran angepasst hat." Wie diese Anpassung stattfinden soll, findet sich in der Stellungnahme nicht.

Aber der ORF stellt prophylaktisch in Abrede, dass sich hier Gröberes aufbaut: "Der Programmvorrat an Auftrags- und Koproduktionen liegt zum Jahresende bei rd. EUR 29 Mio. (das entspricht in etwa 3 % der Umsätze 2016). Im Durchschnitt sind die darin enthaltenen Produktionen 10,5 Monate alt. Ein wesentliches bilanzielles Problem ist daher für den ORF nicht zu erwarten."