Welket Bungué sucht vergeblich sein Glück in Deutschland: "Berlin Alexanderplatz"

© Wolfgang Ennenbach/2019 Sommerhaus/eOne Germany

Kino
02/27/2020

Berlinale: Nenn’ mich nicht Flüchtling!

Der Neuverfilmung von „Berlin Alexanderplatz“ gelingt trotz großem Mut kein großer Wurf.

von Alexandra Seibel

Nur selten sieht man Festivalbesucher der Berlinale mit Mundschutz die Kinosäle betreten. Diese Vorsichtsmaßnahmen gegen eine Infektion mit dem Coronavirus wird nur vereinzelt getroffen; die Mehrzahl der akkreditierten Journalisten und Kinogeher bewegt sich völlig normal im öffentlichen Raum und scheut keine prall gefüllten Premieren.

Auch die Pressechefin der Berlinale, Frauke Greiner, zeigt sich entspannt: Man müsse – abgesehen von dem Angebot „extremer Handhygiene“ auf den Toiletten – keinerlei drastische Eventmaßnahmen treffen, meinte sie auf KURIER-Nachfrage. Zudem habe sich die Verbreitung des Coronavirus kaum spürbar auf die Berlinale ausgewirkt: Von den 21.000 geladenen Gästen hätten nur 118 Besucher aus asiatischen Ländern abgesagt, so Greiner.

Berlin bleibt also weitgehend gelassen, wiewohl Boulevardzeitungen mit Schreckensmeldungen wie einer möglichen Abriegelung drohen.

Dafür spielt die Stadt selbst oft eine wichtige Hauptrolle in den Wettbewerbsfilmen. Christian Petzold, Deutschlands Paraderegisseur für cooles Arthousekino der „Berliner Schule“, setzt Berlin in seinem verrätselten, unter den Erwartungen bleibenden „Undine“ zentral in Szene. Paula Beer spielt eine Stadthistorikerin namens Undine, die Museumsbesuchern die Geschichte Berlins nahebringt. Zugleich schleppt sich den Mythos der Wassergeisterfrau Undine mit sich herum: Wenn ein Mann sie verlässt, muss sie ihn umbringen.

Bei ein er Führung lernt Undine den Taucher Christoph (Franz Rogowski) kennen und verliebt sich umgehend. In der Nacht bittet Christoph seine Geliebte, ihm erst einen Vortrag über das Berliner Schloss zu halten, ehe sie miteinander schlafen: Stadtgeschichte wird zum erotischen Vorspiel.

Gleich titelgebend ist Berlin in dem deutschen Wettbewerbsbeitrag „Berlin Alexanderplatz“ des afghanisch-deutschen Regisseurs Burhan Qurbani. Basierend auf Alfred Döblins Weimarer Klassiker, wagt Qurbani den Tigersprung in die Gegenwart.

Drogendealer

Ein afrikanischer Flüchtling („Nenn’ mich nicht Flüchtling! Nenn’ mich Einwanderer!“) aus Guinea-Bissau namens Francis (Welket Bungué) übernimmt die Rolle des Franz Biberkopf und versucht sein Glück in Deutschland. Eigentlich will er nur „gut sein“, wie uns eine Erzählerstimme aus dem Off versichert, aber „man lässt ihn nicht“. In fünf Akten erzählt Qurbani in hochpolierter, zum Schwulst neigender Bildsprache den Niedergang seines Anti-Helden.

Francis arbeitet auf einer Baustelle, ehe er von einem verschlagenen Deutschen namens Reinhold zum Drogendealen abkommandiert wird. Reinhold spielt sich als Beschützer auf, stürzt Francis aber konsequent ins Unglück. Da kann auch Jella Haase als liebe Prostituierte Mieze nichts ausrichten.

Warum sich Francis dieser vergifteten Freundschaft nicht entzieht, ist nicht nachvollziehbar – außer vielleicht, weil Albrecht Schuch als Psychopath Reinhold die charismatischste Figur darstellt. Zudem bleibt „Berlin Alexanderplatz“ in seiner Shakespeare-haft tragischen Überhöhung seltsam geschichtslos – und von einer Berliner Sozialrealität völlig abgehoben.

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