Julia Garner als Mädchen für alles in einer Filmfirma: "The Assistant"

© Berlinale/Forensic Films

Kino
02/25/2020

Berlinale: #MeToo-Film erzählt von Demütigungen in einer Filmfirma

US-Regisseurin Eliza Hittman wünscht Harvey Weinstein die Höchststrafe, "The Assistant“ erzählt von sexueller Gewalt im Büro eines Medienmoguls.

von Alexandra Seibel

Auch auf dem Filmfestival in Berlin ist die #MeToo-Debatte ein Dauerthema, nicht zuletzt wegen Aussagen des Schauspielers Jeremy Irons, der als Präsident der Jury den Berlinale-Gewinner mit aussuchen wird. Irons hatte sich unter anderem dazu geäußert, dass er das Recht der Frauen auf Abreibung begrüße, aber auch verstehe, wenn die Kirche von Sünde spreche.

„Ich fand diese Aussage sehr entmutigend“, sagte die US-Regisseurin Eliza Hittman, deren Film „Never Rarely Sometimes Always“ im Wettbewerb läuft und von einer Teenagerin erzählt, die eine Abtreibung vornehmen lässt. Hittmans genau recherchiertes Coming-of-Age-Drama fühlt sich detailreich in das Leben des Mädchen ein und schildert die Mühsal, nach New York zu gelangen und dort die richtige Klinik zu finden: „Ich finde es gut, dass Irons diesen Film sieht“, so die Regisseurin lakonisch.

Angesprochen auf den Schuldspruch im Fall Weinstein, zeigt sich die 41-jährige im KURIER-Gespräch kämpferisch: „Weinstein wurde zwar schuldig gesprochen, aber für weniger Dinge, als er tatsächlich schuldig ist. Zudem finde ich es widerlich, wie er jetzt den Kranken spielt und nach Mitleid heischt. Ich hoffe, er fasst die Höchststrafe aus.“

Ohne jemals den Namen Weinstein zu erwähnen, porträtiert die australische Regisseurin Kitty Green in ihrem exzellenten Berlinale-Beitrag „The Assistant“ den quälenden Alltag im Büro eines Medienmoguls. Erzählt wird aus der Perspektive einer jungen Assistentin (hervorragend: Julia Garner), die von Flug buchen bis zu erektionsfördernde Medikamente für den Boss einschlichten alle anfallenden Arbeiten erledigt.

Der Chef selbst ist nie zu sehen, doch seine Autorität hält die Belegschaft in Furcht und Schrecken. Auch ist allen bekannt, dass er sich junge Frauen zuführen lässt und im Hotelzimmer „trifft“. Konsequent und unspektakulär entwirft Kitty Green ein vergiftetes Büromilieu, in dem sich alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an einem System sexualisierter Gewalt in bedrückendem Schweigen beteiligen.