© APA/AFP/ALICE CHICHE

Kultur
12/12/2021

Bei Vollmond ab in die Scheune: Neil Young ist zurück in der Natur

„Barn“ ist das 41. Studioalbum des gebürtigen Kanadiers, begleitet wird er wieder von Crazy Horse

von Guido Tartarotti

Wenn Neil Young musiziert, dann nimmt er nicht einfach die Gitarre in die Hand – auch, wenn es sich oft so anhört. Der Mann, der die Bühne stets mit einer Indianerfigur teilt und der auch schon in einer Telefonzelle aufgenommen hat, muss besondere Orte erfinden, um in Stimmung zu kommen.

Rocky Mountains

Für sein neues, 41. Studioalbum „Barn“ (Scheune) musste es naturgemäß eine Scheune sein. Und die Scheune steht natürlich in den Rocky Mountains, wo man am ehesten das Zurück-zur-Natur-Gefühl findet, das Young so gerne zelebriert. „Wir lieben die Scheune“, erzählte er dem Rolling Stone.  „Es ist eine tolle, alte Scheune. Wir haben sie originalgetreu restauriert. Wir hatten Skizzen und ein Foto. Der Klang im Gebäude war wirklich gut.“

Zum richtigen Ort gehört bei Young auch die Wahl des richtigen Zeitpunkts: Aufgenommen wurde bei Vollmond. Young: „Ich mache das gerne, weil es für mich gut klappt. Ich weiß nicht, ob es bei jedem funktioniert, aber bei mir funktioniert es, weil man die Energie spüren kann, wenn sich die Mondzyklen ändern.“

Begleiten ließ sich Young wieder von seiner klassischen Band, also Crazy Horse – zu ihr gehört jetzt auch der Multiinstrumentalist Nils Lofgren, der auch in Bruce Springsteens E Street Band spielt. Er ersetzt den langjährigen Young-Weggefährten Frank „Poncho“ Sampedro, der aus gesundheitlichen Gründen im Ruhestand ist.

Kaminfeuer

„Barn“ beginnt beschaulich: In „Song Of The Seasons“ kann man beinahe das Kaminfeuer knistern hören, während Zieh- und Mundharmonika um die Wette klagen und Young die Akustische abstaubt.

Sollte noch Staub übrig sein, bläst ihn die Elektrische jetzt nachhaltig weg: „Heading West“ führt polternd ins Land der Erinnerung, der „good old days“. „Change Ain’t Never Gonna“ ist dann rumpelig-grantiger Öko-Blues: Auch alte Männer haben ein Herz für den Umweltschutz!

„Canerican“ handelt wenig subtil von Youngs verdoppeltem Patriotismus (der gebürtige Kanadier wurde US-Staatsbürger, um gegen Trump stimmen zu können). „Shape Of You“ klingt wie ein bierseliger Besuch im örtlichen Saloon, „They Might Be Lost“ ist eine düstere Ballade an der Grenze des Verschwindens.

„Human Race“ ist dann der zentrale Song – die Gitarren ächzen und stöhnen unter ihrer eigenen Last, dazu heult Young das Lied von der Klima-Apokalypse. Sofort danach bietet das sanfte Klavier von „Tumblin’ Thru The Years“ Erlösung: Liebe und Familie geben Halt. „Welcome Back“ windet sich dann durch achteinhalb  ewige Minuten, bevor „Don’t Forget Love“ das hoffnungsvolle Ende als Mantra zelebriert, während Young auf die Gitarre klopft: Vergiss nicht auf die Liebe!

Fazit: Dieses Album hat nicht die unbeugsame Kraft von „Psychedelic Pill“ von 2012 – und schon gar nicht die Wucht von „Ragged Glory“ von 1990. Aber es ist ein vitales, relevantes  Statement.
In der Deluxe-Edition gibt es zu „Barn“ auch den gleichnamigen Dokumentarfilm, gedreht von Youngs Ehefrau, der Schauspielerin Daryl Hannah.

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