© Wiener Staatsoper/Ashley Tayör

Kritik
01/15/2022

Ballettpremiere "Liebeslieder“: Von New York in Richtung Walzerseligkeit

Das Staatsballett zeigt in der Staatsoper Choreografien von Jerome Robbins, Lucinda Childs und George Balanchines (Von Silvia Kargl).

Mit einem Kammertanzabend begibt sich das Wiener Staatsballett auf ungewohntes Terrain: 17 Tänzerinnen und Tänzer, Tanzkunst vom Feinsten diesmal zu Klavier und Gesang ohne Orchester. Der Abend steht im Zeichen von Tradition und bringt das Staatsballett-Debüt von Lucinda Childs, einer führenden Choreografin des Postmodern Dance, der in den 1960ern entstand.

50 Jahre nach dem Aufbruch dieser spartenübergreifenden freien Szene in New York, die sich vom klassischen Ballett weitgehend löste, nähern sich die unterschiedlichen Strömungen beim Staatsballett wieder an. „Liebeslieder“ ist das Motto des Abends, der am Freitag Premiere in der Staatsoper hatte. Liebe zum Tanz vermitteln alle drei Stücke.

Jerome Robbins ist als Choreograf der „West Side Story“ bekannt. Ausgehend vom klassischen Ballettvokabular kreierte er 1976 „Other Dances“ für Natalia Makarova und Mikhail Baryshnikov. Ein luftig-leicht anmutender, durch Tempo- und Stilwechsel sehr schwer zu tanzender Pas de deux. Hyo-Jung Kang und Davide Dato sind ein harmonisches Paar und gefallen in ihren Solovariationen, Igor Zapravdin ist der verlässliche Partner am Klavier.

In Lucinda Childs’ 1993 entstandenem „Concerto“ kommt die Musik (von Henryk Mikolaj Górecki) vom Band. Dies ist Voraussetzung für die stimmige Umsetzung durch vier Tänzerinnen und drei Tänzer, denen höchste Präzision abverlangt wird. Sie bewegen sich mit viel Energie, Schwung und Kraft wie Fußgänger im öffentlichen Raum, die durch ihre artifizielle Bewegungssprache jedoch streng rhythmisch akzentuiert agieren. Durch Wiederholungen ihrer Bewegungen und phasenverschobene Einsätze à la Merce Cunningham verändert sich die Wahrnehmung. Ständig gibt es viel Neues zu entdecken, wobei nach dieser ersten Zusammenarbeit noch jene Lässigkeit fehlt, die Tänzerinnen und Tänzer in Childs’ eigener Compagnie auszeichnet.

Nach „Concerto“ fällt auf, dass es auch in George Balanchines hinreißendem „Liebeslieder Walzer“-Ballett durchaus das Prinzip von Wiederholungen in neuen Situationen gibt. 1960 in New York entstanden, waren die „Liebeslieder Walzer“ bereits von 1977 bis 1991 im Repertoire des Balletts der Staatsoper. Der Raum und die Kostüme Karinskas vermitteln die Atmosphäre eines eleganten Balls anhand von vier Paaren, wobei die einst so gerühmten Ballkleider der Modeschöpferin heute im Unterschied zur Choreografie etwas steif, schwer und verblasst wirken.

Die Musik, Brahms’ „Liebeslieder-Walzer“ und „Neue Liebeslieder“ für vier Singstimmen und Klavier zu vier Händen, besteht aus intimen Konzertwalzern, tadellos gesungen von Mitgliedern des Opernstudios mit Stephen Hopkins und Sarah Tysman am Klavier. Balanchines Choreografie verzichtet auf eine Handlung, und doch kann man in den Beziehungen Geschichten erkennen, getragen von Lebensfreude bis zu melancholischen Stimmungen.

Vom äußeren Schein führt der Tanz zu einem Offenlegen von Emotionen. Diese ausgesprochen fein gezeichnete Walzerseligkeit wird von Liudmila Konovalova, Maria Yakovleva, Roman Lazik, Zsolt Török gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen eindringlich vermittelt. Silvia Kargl

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