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Kultur
04/02/2021

Bad Ischl - Kulturhauptstadt der intransparenten Vorgänge

Trenklers Tratsch: „Die Originale 2024“ wirft viele Fragen auf - etwa zur Werbekampagne und einer Personalentscheidung

von Thomas Trenkler

Die europäische Kulturhauptstadt ist „Big Business“ – für die vazierenden Berater. Denn es braucht Experten, wenn sich Kommunen zu bewerben gedenken, die keine Ahnung haben, wie man ein „Bidbook“ erstellt.

Manfred Gaulhofer, Finanzchef von Graz 2003, konnte mehrfach sein Know-how verkaufen. Noch viel besser im Geschäft ist Ulrich Fuchs, stellvertretender Intendant von Linz 2009 und von Marseille 2013 (samt Provence), zusammen mit seiner Frau Pia Leydolt-Fuchs, Pressesprecherin von Linz 2009. Wie die Süddeutsche Zeitung im Dezember analysierte, beraten diese Experten auch schon mal konkurrenzierende Städte gleichzeitig oder sind, von der EU nominiert, ins Auswahlverfahren eingebunden. In der Wirtschaft würde man von Insider-Geschäften reden.

Ein „Big Player“ ist auch Oliver Scheytt. Als Kulturdezernent (seit 1993) machte er Essen (samt dem Ruhrgebiet) zur Kulturhauptstadt 2010, ab 2006 war er Geschäftsführer der Ruhr.2010-GmbH. Danach gründete er das Beratungsunternehmen „Die Kulturexperten“, das u. a. Strategieberatung für Kulturhauptstädte in Europa offeriert.

Scheytt, ein amüsanter Gesprächspartner und kluger Kopf mit viel Enthusiasmus, arbeitete auch für das Kulturministerium in Wien. Und er beriet Bregenz, das sich eine Bewerbung für 2024 überlegt hatte (tatsächlich beworben hat sich dann aber Dornbirn). So wurde Hannes Heide, damals SPÖ-Bürgermeister von Ischl, auf ihn aufmerksam. Scheytt als Berater zu gewinnen, war nicht schwer. Denn dessen Familie hat ein Haus bei Bad Goisern, er ist dem Salzkammergut verbunden.

 

 

Die Beratung seit 2017 war, wie wir wissen, erfolgreich: Ischl gewann das österreichische Match um den EU-Titel. Doch nun läuft einiges schief: Nach nur einem halben Jahr hatte Stephan Rabl als Programmkoordinator – die Initiatoren wollten keinen Intendanten – zu gehen. Auf Betreiben von Heide, nun Aufsichtsratsvorsitzender der Kulturhauptstadt-GmbH.

Warum genau? Weil sich Rabl zu den Leitlinien bekannte? Diese besagen, dass man mit dem recht schmalen Budget von 30 Millionen Euro keine Infrastrukturprojekte zu finanzieren gedenke. Ischl müsse daher das geplante Offene Cultur Centrum schon selbst bezahlen. Und was wäre, wenn man das in Ischl anders sieht? SPÖ-Bürgermeisterin Ines Schiller ist die Lebensgefährtin von Heide.

Die Beteiligten hüllen sich aber in Schweigen. Die Vertragsauflösung wurde nichtssagend damit begründet, dass „die Zugänge zur inhaltlichen Ausrichtung des Projekts“ zu unterschiedlich gewesen seien. Transparenz scheint generell keine Tugend der Kulturhauptstadtmacher zu sein. Denn auf der Homepage fehlt jeder Hinweis auf Scheytt.

Nicht nachvollziehbar ist zudem, wie es zur absurden Umbenennung in „die Originale“ kam. Weil zum ersten Mal eine Region in den Alpen ausgewählt wurde? Naja. Auch Essen und das Ruhrgebiet waren eine Region – oder Marseille und die Provence. Und so drängen sich viele weitere Fragen auf: Wer bestellte die Agentur, der nichts Besseres einfiel? Was kostet die Trennung von Rabl? Und: Wer übernimmt die Verantwortung für all das?

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